Langzeitstudie

16. Juni 2015 14:20; Akt: 16.06.2015 14:41 Print

HIV-Infizierte verzichten häufiger auf Kondome

HIV-Infizierte tragen beim Sex immer seltener Präservative. Schuld daran könnte eine missverstandene Entwarnung sein.

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Viele HIV-Infizierte verstehen die Botschaft falsch: Ein Plakat der Love-Life-Kampagne des Bundesamtes für Gesundheit. (12. Mai 2014) (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

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Am 30. Januar 2008 hatte die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen (EKAF) vermeldet, dass erfolgreich behandelte HIV-Infizierte mit festem Partner auf Kondome verzichten können. Die Folgen dieser Aussage konnten Forschende unter der Leitung der Universität Zürich nun offenbar in einer Langzeitstudie nachweisen, wie die Hochschule mitteilte.

Der Kondomgebrauch blieb demnach zwischen 2000 und 2009 relativ konstant und nahm zwischen 2009 und 2013 in drei von vier untersuchten Gruppen markant ab. Diese vier Kategorien betreffen Sex ohne Kondom mit festem Partner respektive mit Gelegenheitspartnern bei homosexuellen Männern sowie heterosexuellen Paaren.

Rückgang um das Dreifache

Bei Homosexuellen hat sich seit 2009 der Anteil, der angab, bei Gelegenheitspartnern nicht immer ein Kondom zu benutzen, von rund 5 auf 15 Prozent verdreifacht. Am seltensten griffen heterosexuelle HIV-Infizierte beim Sex mit festem Partner zum Kondom: Jeder Dritte verzichtete auf den Gummi, 2009 war es noch jeder Fünfte gewesen.

Am häufigsten schützten sich Heterosexuelle beim Sex mit Gelegenheitspartnern. Trotz einer leichten Abnahme seit 2009 griffen 2013 noch über 97 Prozent in dieser Situation zum Kondom. Die Forscher berichten über die Resultate im Fachjournal «Open Forum Infectious Diseases». In der Schweiz leben zwischen 15'000 und 25'000 Menschen mit HIV und Aids.

Kondomfrei in stabiler Partnerschaft

Als wichtigen Grund für den starken Rückgang sehen die Forschenden das sogenannte Swiss Statement der Aids-Kommission von 2008. Dieses besagt, dass HIV-Infizierte, die erfolgreich mit antiretroviraler Therapie behandelt werden und in einer stabilen Beziehung leben, nicht infektiös sind und deshalb auf Kondome verzichten können.

«Obwohl diese Aussage nur für Patienten in festen Beziehungen galt, haben sich anscheinend auch HIV-Infizierte angesprochen gefühlt, welche nicht in festen Partnerschaften leben und seither öfter auf Kondome verzichten», erklärte Studienleiter und Infektiologe Huldrych Günthard vom Universitätsspital und der Universität Zürich in der Mitteilung.

Weniger Angst vor Aids

Die Forscher sehen weitere mögliche Gründe: Die Angst vor HIV in der Bevölkerung sinke, da wegen der neuen, äusserst erfolgreichen Therapiemöglichkeiten in den westlichen Ländern viel weniger Menschen an Aids sterben. Auch sei die Verhütung mit Kondomen früher mehr im Fokus der präventiven Aids-Kampagnen gestanden als heute.

Die Forscher vermuten, dass der nachlässige Umgang mit dem Gummi dazu beigetragen hat, dass die Zahl Neuansteckungen mit HIV trotz zahlreicher Präventionsmassnahmen nur langsam zurückgeht. Gleichzeitig nahmen Neuansteckungen mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis, Gonorrhoe oder Chlamydien zwischen 2009 und 2013 zu - was ebenfalls mit der geringeren Verwendung von Kondomen zusammenhängen könne.

1,5 Millionen Tote jedes Jahr

Seit 1988 erfasst und erforscht die Schweizerische HIV-Kohortenstudie (SHKS) verschiedene Daten von HIV-Infizierten in der Schweiz. Innerhalb dieser Studie haben die Forschenden die Daten zur Kondomverwendung zwischen 2000 und 2013 ausgewertet. Dazu wurden über 12'000 HIV-Infizierte halbjährlich befragt.

Weltweit gehört Aids mit eineinhalb Millionen Toten jährlich nach wie vor zu den gefährlichsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Verursacht wird sie durch eine Infektion mit dem HI-Virus, die über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten, wie beispielsweise Sperma und Blut, übertragen wird.

(dia/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandro am 16.06.2015 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    WOW!

    Selber sollte man am bester wissen wie es ist HIV-Positiv zu sein, und das wünscht man sich nicht einmal seinem schlimmsten Feind! Finde ich schockierend das ein Teil dieser Leute so eine Einstellung hat.

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  • Laura am 16.06.2015 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Mord

    Also wenn jemand wissentlich HIV hat und nicht mit Kondom verhütet, dann ist das nichts anderes als Mord. Dafür fehlt mir absolut das Verständnis.

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  • D-time am 16.06.2015 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwirrt

    Versteh ich jetzt irgendwie nicht...warum ist ein HIV Infizierter mit erfolgreicher Behandlung NUR in einer Beziehung nicht mehr ansteckend?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter G. am 17.06.2015 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht besonders ...

    ... intelligent. Aus dem selben Grund konnten die Infizierten wohl angesteckt werden. Oder einfach nur Leichtsinn? Jedenfalls verantwortungslos.

    • Thomas am 17.06.2015 09:40 Report Diesen Beitrag melden

      Kondomepflicht

      Peter G. ; Kondome sind für jeden Mann pflicht oder verlässt Du dich auf die sichere Verhütung der Partnerin?Wenn ja, viel Spass beim Alimenten zahlen.

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  • Michèle Meyer am 17.06.2015 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für den Südenbock

    ich fasse zusammen: ein grosser Teil der Menschen mit HIV sind erfolgreich behandelt und nichtinfektiös (= nicht ansteckend!). Sie benutzen deshalb weniger Kondome. Die Neuinfiziertenrate sinkt nicht so schnell wie die Prävention es sich wünscht. Schuld sind nun, die nichtinfektiösen HIV-Positiven. Wo ist da die Logik? Passt das eine und das andere in eine enzige Studie? und falls ja, wo bleibt die Verantwortung bei der Interpretation? Ich finde das wissenschaftlich unredlich und inakzeptabel. Danke für den Sündenbock, einmal mehr.

  • Hauaz am 16.06.2015 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fahrläsige Tötung.

    Meiner Ansicht nach, ist das absichtliche inkaufnehmen einer Infektion eines anderen ohne dessen wissen, fahrläsige Tötung.

  • Klaus am 16.06.2015 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    Dokumentation: House of numbers

    Interessante Dokumentation: House of numbers! Sehenswert und wichtig. Die Ungenauigkeit von HIV Tests ist haarsträubend und muss in das breitere Allgemeinwissen der Bevölkerung gehen! Die Schweizerinnen und Schweizer sind bezüglich HIV mehrheitlich ungenügend informiert.

    • Michèle Meyer am 17.06.2015 08:52 Report Diesen Beitrag melden

      Aids-Leugner

      Seit wann sind Verschwörungstheorien "interessant"? Die Verbreitung von solchen Unwahrheiten ist pietätslos und gefährlich. Menschen mit HIV, die sich deshalb nicht behandeln lassen, sterben irgendwann an AIDS. übernimmst Du dafür die Verantwortung?

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  • Konrad am 16.06.2015 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nix kapito

    Wenn das Ansteckungsrisiko so gering ist mit Medikamenten und die HIV-Positiven ja wohl aus eigenem Interesse die Medizin einnehmen - bei wem stecken sich dann 1000 Schweizer jedes Jahr neu an?

    • Mela am 17.06.2015 08:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Nix kapito

      Ihr Beitrag zeigt, dass Sie nicht viel kapieren. Lange nicht alle HIV-Positiven wissen, dass sie das Virus haben. Ausserdem ist die Viruslast (und damit Ansteckungsrisiko) in den ersten Monaten nach Ansteckung am hoechsten. Niemand laesst sich aber alle paar Monate testen.

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