Das Ende von Aids?

03. Mai 2019 13:12; Akt: 03.05.2019 13:28 Print

HIV-Medikamente wirken sicher gegen Ansteckung

Die gängige Therapie für HIV-positive Menschen verhindert zuverlässig eine Ansteckung des Partners. Das bestätigt eine neue Langzeitstudie.

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1981: In den USA sterben immer mehr junge Männer – vor allem in Kalifornien – an einer mysteriösen Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni äusserst sich erstmals die US-Gesundheitsbehörde CDC über die auffällige Zunahme einer seltenen Krankheit. (Im Bild: der Aids Memorial Quilt, der an das Leben verstorbener Aids-Patienten erinnert) 1982: Die erworbene Immunschwächekrankheit wird AIDS – Acquired Immunodeficiency Syndrome – genannt. 1983 identifizieren der Amerikaner Robert Gallo und der Franzose Luc Montagnier das Virus, das die Krankheit auslöst. Der Frankokanadier Gaétan Dugas galt übrigens viele Jahre als derjenige, der das HI-Virus in die USA gebracht und dort für seine Verbreitung gesorgt hatte. Er sei Amerikas Patient null gewesen, hiess es. Grund dafür war eine 1984 veröffentlichte Studie. In dieser wiesen die Forscher nach, dass mehrere Sexpartner des Flugbegleiters mit HIV infiziert oder bereits an Aids erkrankt waren. Demnach konnte bei mindestens 40 der ersten 248 HIV-Patienten eine Verbindung zu Dugas hergestellt werden. Doch Dugas, der 1984 am Virus starb, erlangte seinen Status zu Unrecht und auf tragische Weise aufgrund eines Missverständnisses, wie eine neue Studie von Forschern der University of Arizona zeigt. Demnach hatte das Virus bereits Anfang der 1970er-Jahre ... ... die USA erreicht. Damit scheidet Gaétan Dugas als Auslöser der Epidemie aus. Als er 1982 seine Blutprobe abgab, war HIV längst an beiden Küsten verbreitet. Die Daten zeigen, dass die epidemischen Ausbrüche in Kalifornien eigentlich Ableger des älteren Ausbruchs in New York waren. 1985: In Atlanta findet die erste Welt-Aids-Konferenz statt. 1985: Im Oktober stirbt als erster Prominenter der US-Schauspieler Rock Hudson an den Folgen der Immunschwäche. Durch seinen Tod wird die breite Öffentlichkeit auf Aids aufmerksam. 1986: Aus Afrika werden die ersten Aids-Fälle gemeldet. 1988: Die WHO führt den 1. Dezember als Welt-Aids-Tag ein. 1991: Die Rote Schleife wird internationales Symbol für den Kampf gegen Aids. Im November des gleichen Jahres stirbt der Leadsänger der Popgruppe Queen, Freddie Mercury, an Aids. 1993: Das Modehaus Benetton thematisiert AIDS in einer Werbekampagne. 1993: «Philadelphia» mit Tom Hanks ist der erste grosse Hollywoodfilm, der sich kritisch mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Aids-Erkrankten und Homosexuellen in den USA auseinandersetzt. Im Jahr 1995 kommen sogenannte Protease-Hemmer als neues Aids-Medikament auf den Markt. Damals hochaktive antiretrovirale Therapie genannt, wird heute der Begriff antiretrovirale Kombinationstherapie verwendet. Seit 2008 gilt der sogenannte «Berliner Patient» Timothy Ray Brown nach einer Stammzellen-Transplantation zur Behandlung von Leukämie als vom HIV befreit. 2012 wurde in den USA das erste PrEP-Medikament zugelassen. PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe. Dabei handelt es sich um ein Medikament, mit dem sich HIV-negative Menschen, die einem erhöhten HIV-Risiko ausgesetzt sind, vor HIV schützen können. Eine 2019 veröffentlichte Langzeitstudie belegt, dass HIV-positive Menschen, die das Virus mit antiretroviralen Medikamenten unterdrücken, ihre Sexualpartner nicht mehr anstecken können. Das gilt sowohl für hetero- wie auch für homosexuelle Paare. 2017 lebten rund 36,9 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion. 21,7 Millionen davon hatten Zugang zu einer anti-retroviralen Therapie. 940'000 Menschen starben 2017 an Aids, im Jahr 2010 waren es noch 1,5 Millionen. Total starben seit Beginn der Epidemie weltweit mehr als 35 Millionen Menschen an der Krankheit. Zurzeit stecken sich täglich rund 5000 Personen mit dem HI-Virus an. Das macht etwa 1,8 Millionen Neuinfektionen pro Jahr (2017). Etwa 30 Prozent aller HIV-Infizierten (mehr als 11 Millionen Menschen) wissen nicht, dass sie Träger des Virus sind.

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Es könnte der Anfang vom Ende der Aids-Epidemie sein. Eine Langzeitstudie hat ergeben, dass Männer, deren HIV-Infektion vollständig von antiretroviralen Medikamenten unterdrückt wird, ihre männlichen Partner auf keinen Fall mehr anstecken können. Eine frühere Studie hatte diese Tatsache bereits bei heterosexuellen Paaren belegt. Das bedeutet, wenn jede HIV-positive Person eine solche Therapie erhalten würde, würde es keine weiteren Ansteckungen mehr geben, wie der «Guardian» schreibt.

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Für die Studie wurden 1000 männliche Paare über acht Jahre begleitet. Jeweils ein Partner war HIV-positiv und erhielt eine antiretrovirale Kombinationstherapie, um das Virus zu unterdrücken. Der andere Partner war und blieb HIV-negativ, obwohl die Paare Sex ohne Kondom hatten, wie die Forscher im Fachjournal «The Lancet» berichten.

Zwar steckten sich im Studienzeitraum 15 Männer mit HIV an, DNA-Untersuchungen ergaben aber, dass dies beim Sex mit anderen Männer geschah, die keine Medikamente einnahmen.

«Risiko gleich null»

Alison Rodgers vom University College London, eine Co-Autorin der Studie, sagte zu den Ergebnissen: «Unsere Erkenntnisse belegen endgültig, dass für schwule Männer das Risiko einer HIV-Übertragung mit einer antiretroviralen Kombinationstherapie gleich null ist.»

Sie ergänzte, dass es nun verstärkte Anstrengungen brauche, diese starke Botschaft zu verbreiten. Zudem müsse man sicherstellen, dass alle HIV-positiven Menschen Zugang zu Tests, wirksamer Therapie und Unterstützung bei der Therapietreue haben, um die Virenzahl auf nicht mehr nachweisbaren Werten zu halten.

In der Schweiz leben etwa 20'000 HIV-positive Menschen. 2017 wurden 445 neue HIV-Diagnosen gestellt – 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit wurde ein historisches Tief erreicht.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • glücklichs Frauele am 03.05.2019 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Botschaft

    Endlich, was für ein Erfolg. Mehr als 30 Jahren gebraucht...

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  • Lääser am 03.05.2019 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schutz

    Die Medikamente können höchstens dann zuverlässig schützen, wenn sie auch zuverlässig eingenommen werden.

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  • MinnieMaus am 03.05.2019 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Medikamentenentwicklung

    Freue mich für die Betroffenen aber es gäbe noch viele Medikamente zu entwickeln gegen Krankheiten, vor denen man sich nicht einfach mit einem Kondom schützen kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • heidi am 04.05.2019 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute Frage

    Von den Gleichen wie das US-Patent 5676977?

    • R. Hoffmann am 06.05.2019 08:20 Report Diesen Beitrag melden

      Humbug

      Dieses Patent ist Humbug. Wurde "debunked".

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  • ein schelm am 04.05.2019 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wololo

    Ein weiterer, wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

  • Gigolo uf em Pedalo am 04.05.2019 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Hat mein Gegenüber Fieberblattern

    kann Sie noch so hübsch sein, dann steck ich mein Kleiner wieder ins Kühlfach. Im Ernst, wer Angst hat sich anzustecken bleibt besser Jungfrau für ewig.

  • G.H am 04.05.2019 20:33 Report Diesen Beitrag melden

    super Sache, aber kein Anlass zu Leichtsinn

    das ist definitiv sehr positiv. man darf trotzdem nicht vergessen (und das hätte im Artikel ruhig noch etwas stärker hervorgehoben werden können), dass dies KEINE Heilung ist. würden die betroffenen aufhören, Medis zu nehmen, wären sie wieder ansteckend.

  • Anna am 04.05.2019 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Nie ohne...

    Darauf verlassen und Vertrauen das er die Medikamente zuverlässig nimmt, würde ich persönlich nicht.