Wegen Haarefärben im Spital

04. Dezember 2018 08:26; Akt: 04.12.2018 08:44 Print

«Mein Hals wurde so dick wie mein Kopf»

von Fee Riebeling - Wer seinen Haaren eine neue Farbe verpasst, hofft, danach besser auszusehen. Eine Schweizerin brachte der Versuch jedoch zweimal ins Spital.

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So sieht Melanie K.* aus dem Kanton St. Gallen eigentlich aus. Doch die beiden Male, als sie sich die Haare dunkler beziehungsweise rot färbte, sah sie anschliessend so aus – sie reagiert offenbar allergisch auf einen der Inhaltsstoffe. Konkret dürfte K. auf den Stoff p-Phenylendiamin (PPD) allergisch sein. Dieser ist einer von 27 bekannten Allergenen, die oft in Haarfärbemitteln vorkommen. PPD kommt häufig in dunklen und roten Haarfärbemitteln vor. (Symbolbild) Aber auch in Farben für Hennatattoos. Melanie K. hatte sich bei 20 Minuten gemeldet, nachdem sie vom Fall der 19-jährigen Französin Estelle gelesen hatte. Wie Melanie will auch sie sich nie wieder ihre Haare färben. Ihr Kopf und ihre Zunge schwollen stark an. Als Atemnot und Herzrasen dazukamen, wurde die Situation lebensgefährlich. Erst eine Adrenalinspritze konnte sie retten. Schuld an der heftigen Reaktion war – wie wohl auch bei Melanie K. – der Inhaltsstoff Phenylendiamin, kurz PPD. Laut Catherine Oliveres-Ghouti vom französischen Hautärzteverband sind etwa drei Prozent der Bevölkerung allergisch darauf. Beispiele für allergische Reaktionen auf Haarfärbemittel gibt es aber auch aus anderen Ländern – beispielsweise aus Schweden. Dieser junge Mann sieht eigentlich so aus. Doch mit einem Mal ... Verantwortlich dafür, das teilte seine Kollegin auf Twitter mit, sei ein Haarfärbemittel, auf das der junge Mann allergisch reagierte. Verantwortlich für die Schwellung des Oberkopfs sei das angesammelte Entzündungswasser im Gewebe, so die Ärzte. Bei typischem Verlauf heilen nach sieben bis zehn Tagen die entzündeten Stellen unter Schuppenbildung ab. Dass Haarfärbemittel Risiken bergen, musste auch dieser junge Mann erfahren. Allerdings hatte er nicht sein Haupthaar ... ... sondern seinen Bart gefärbt. Bei dieser jungen Frau schwoll durch die Coloration nicht nur der Oberkopf an, sondern auch das Gesicht. Zeitweise konnte sie ihre Augen kaum öffnen. Damit die allergische Reaktion möglichst schnell abklingt, empfehlen Experten, die Haare abzuschneiden. Das sei zwar radikal, aber die wirksamste Methode. Die gefärbten Haare mehrmals zu waschen, bringe dagegen so gut wie nichts.

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Der Fall der 19-jährigen Estelle, die aufgrund eines Haarfärbemittels in Lebensgefahr geriet, weckte bei Melanie K.* aus dem Kanton St. Gallen böse Erinnerungen. Auch sie musste nach dem Versuch, sich die Haare dunkler zu färben, ins Spital. Und das gleich zweimal.

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Das erste Mal war es die Farbe Rot, die ihre Kopfhaut zunächst jucken, dann extrem anschwellen liess. Auch ihre Augen quollen zu. «Und das, obwohl ich die Coloration schon beim ersten Anzeichen einer Überreaktion auswusch», erzählt die 22-Jährige. Auch die sofortige Einnahme von Antihistaminika konnte nicht verhindern, dass auch noch ihr Hals anschwoll. «Er wurde so dick, wie mein Kopf breit ist.» Erst nach rund einer Woche sah K. wieder so aus wie vor dem verunglückten Färbeversuch.

Test zeigte nichts an

Die junge Frau vermied daraufhin dunkle Colorationen, auf die sie offenkundig allergisch reagierte. «Ich erinnerte mich daran, dass ich als Kind einmal ein Henna-Tattoo hatte, auf das ich auch mega reagiert hatte.» Deshalb blich sie sich fortan die Haare – ohne irgendwelche Probleme.

Ein paar Jahre später versuchte K. es dann doch noch einmal mit einer dunklen Farbe. «Weil ich fest davon überzeugt war, dass das Rot schuld war, habe ich es dann mit Schwarz probiert», so die St. Gallerin. Um sicherzugehen, testete sie das Mittel vorher auf ihrem Arm – so wie vom Hersteller empfohlen.

Als sich nach zwei Stunden nichts tat, trug sie die Farbe auf dem Kopf auf. Zunächst schien alles so zu sein, wie es sollte. Doch am nächsten Morgen erwachte sie mit dem altbekannten, unangenehmen Jucken auf der Kopfhaut und suchte erneut ein Spital auf. «Interessanterweise zeigte die Stelle am Arm, auf der ich das Mittel ausprobiert hatte, noch immer keine Reaktion.»

Experten raten von Tests ab

Hätte K. das Mittel also besser an einer anderen Stelle testen sollen, wo die Haut der Kopfhaut ähnlicher ist? Nein, sagen Experten wie Kathrin Scherer, Allergologin am Universitätsspital Basel.

Sie raten sogar von derartigen Selbsttests ab: Einerseits sei es für Laien nicht einfach, das Ergebnis zu interpretieren, andererseits könne man sich allein durch den Test sensibilisieren und allergisch werden, sagte Scherer dem «Swiss Dental Journal»PDF ).

27 bedenkliche Stoffe

K. dürfte auf den Stoff p-Phenylendiamin (PPD) allergisch sein. Dieser ist einer von 27 bekannten Allergenen, die häufig in Haarfärbemitteln vorkommen, wie ein Wissenschaftlicher Ausschuss der Europäischen Kommission (SCCP) nachgewiesen hat. PPD kommt häufig in dunklen und roten Haarfärbemitteln, aber auch in Farben für Hennatattoos vor.

Es ist gut möglich, dass K. ihre Allergie ihrem in jungen Jahren gemachten Henna-Tattoo verdankt. Laut Dermatologen reicht nämlich bereits ein einmaliger Kontakt mit dem Stoff aus, um eine Allergie zu entwickeln.

* Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dumby am 04.12.2018 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch hier: Gewinn Gewinn Gewinn

    Man kennt die bedenklichen Stoffe und macht nichts? Vermutlich weil sie billiger sind und mehr Gewinn erzielt werden kann.

  • Luisa am 04.12.2018 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    billig, billiger, Haare kaputt

    billig Farbe kaufen und selber färben (sorry) kann nun mal ins Auge gehen. Wieviele färben sich die Haare und bei wie wenigen geht es schief? Da sich zig Lüt ständig auch mit billig und billiger die Haare färben muss es nicht zwangsläufig am Produkt liegen... hatte früher auch mal verfärbte Haar und auch Verätzungen, war aber selbst schuld, zu lang drauf, falsch angewendet... Warnhinweise und Anwendungshinweise beachten soll helfen... und sonst halt doch besser einen guten Coiffeur ran lassen... ist zu teuer? ...dann halt nicht färben...

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  • Feiveline am 04.12.2018 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorher informieren

    Naturprodukte verwenden, keine Zusatzstoffe. Kostet halt mehr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Danidip am 04.12.2018 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chemiebombe im Haar

    Ist nichts Neues! Sah nach dem Coiffeurbesuch vor Jahren etwa ähnlich aus und musste behandelt werden. Kenne einige, denen es auch so erging. Die Farbe war definitiv nicht billig. Tests haben gezeigt, dass die Allergie alle Entwickler in solchen Produkten betrifft. Tönungen, also ohne Entwickler, wären möglich, sind aber halt in grauen Haaren nicht effizient. Zum Glück sind heute graue Haare im Trend und mit etwas Geschick sieht das tatsächlich sehr gut aus. Also was soll's....

  • Nina am 04.12.2018 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur belassen,

    d.h. Chemie weglassen und nebst Vermeiden allergischer Reaktionen einen Haufen Geld sparen.

  • BärnerBär am 04.12.2018 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten Gesundheitswesen

    Wie oft will sie das noch ausprobieren? 2x hat es nicht geklappt. Sie sollte zumindest den 2. Spitalaufenthalt vollständig selber zahlen.

  • Livia28 am 04.12.2018 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tip: Strähnen färben

    Bei Überempfindlichkeit: Strähnchen beim Coiffeur machen lassen. Ich habe sehr empfindliche Kopfhaut und früher auch mal reagiert als ich selbst gefärbt hatte. Seit ich Strähnchen machen lasse ist das Problem weg. In diesem Verfahren kommt so gut wie nichts auf die Kopfhaut. Haar Stähnen werden einzeln in Folie eingepackt und danach gut ausgewaschen.

  • giorgio1954 am 04.12.2018 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gar nicht färben?

    Und wenn man mehrmls so negative Erfahrungen gemacht hat damit, wäre eventuell eine weitere Option zu überlegen: Haare überhaupt nicht mehr färben.