Forschungsprogramm

12. Mai 2011 08:55; Akt: 12.05.2011 12:39 Print

Handystrahlung beeinflusst Hirnaktivität

Mobilfunkstrahlung kann Vorgänge im Körper beeinflussen - etwa die Hirnaktivität im Schlaf. Welche Gesundheitsschäden dies auslöst, ist aber noch nicht klar.

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Mobilfunkstrahlen beeinflussen Gehirnaktivität. (Bild: Keystone)

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In elf Projekten untersuchten Forscher in den letzten vier Jahren die Risiken elektromagnetischer Strahlung - etwa von Funkantennen oder Mobiltelefonen. Am Donnerstag präsentierte der Schweizerische Nationalfonds (SNF) in Bern die Resultate dieses Nationalen Forschungsprogramms «Nichtionisierende Strahlung - Umwelt und Gesundheit» (NFP 57).

Die Forscher fanden keinen Zusammenhang zwischen der alltäglichen Strahlenbelastung und Störungen der menschlichen Gesundheit. Trotzdem gibt es Lücken und offene Fragen: Mobilfunkstrahlung kann Vorgänge im Körper beeinflussen - etwa die Hirnaktivität im Schlaf. Welche Gesundheitsschäden dies auslöst, ist aber noch nicht klar. Eine andere Studi zeigte, dass der Schutz von ungeborenen Kindern im Mutterleib verbessert werden sollte.

Heikle Schwangerschaft

Die Forscher simulierten am Computer, wie viel elektromagnetische Strahlung Föten im dritten, siebten und neunten Monat der Schwangerschaft abbekommen. Es zeigte sich, dass insbesondere moderne Induktionskochherde zu Strahlenbelastungen führen können, die über dem heutigen Grenzwert liegen.

Am Arbeitsplatz liegt die Belastung der werdenden Kinder zudem über dem Grenzwert, wenn Schwangere den erlaubten Maximalwerten für Berufspersonal ausgesetzt sind. Die Grenzwerte für Berufsleute liegen höher, da diese in der Regel gesünder und robuster sind als Kleinkinder. Die Forscher empfehlen, den Grenzwert für Schwangere am Arbeitsplatz zu senken.

Mehrere Forschungsprojekte im NFP 57 bestätigten zudem, dass die Strahlung nachweislich bestimmte biologische Prozesse in Zellen und Organen verändert. Das Team um Peter Achermann von der Universität Zürich etwa setzte Probanden vor dem Einschlafen für eine halbe Stunde der Strahlung eines Mobiltelefongesprächs aus.

Folgen für Gesundheit bisher unbekannt

Es zeigte sich, dass die Strahlung - im Vergleich zu einer Scheinexposition im Kontrollexperiment - die Hirnstromwellen im Schlaf verändert. Die veränderte Hirnaktivität wirkte sich aber weder auf Struktur und Dauer der verschiedenen Schlafphasen aus, noch war sie der subjektiv empfundenen Schlafqualität abträglich.

Eine umfassende Untersuchung in der Region Basel schliesslich kam zum Schluss, dass die durchschnittliche Strahlenexposition der Bevölkerung weit unter dem gültigen Grenzwert liegt. Zwischen der Benutzung von mobilen und drahtlosen Telefonen und gesundheitlichen Störungen fand sich kein Zusammenhang.

Folgestudien seien wichtig, schreibt der SNF. Noch sei nicht klar, ob die nachgewiesenen Effekte im Körper für die menschliche Gesundheit von Bedeutung seien. Liesse sich ein Wirkmechanismus von elektromagnetischen Feldern auf Organe und Organismen erhärten, könnten allfällige Folgen für die Gesundheit besser abgeschätzt werden.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marion am 12.05.2011 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Schutz gibt es sowieso keinen

    Und was passiert wenn herauskommt, dass Handystrahlung auch Krebs verursacht? Werden dann alle Handymasten abgebaut und wir kehren zurück ins Festnetzzeitalter? Wohl kaum, dann werden die Forschungsergebnisse einfach vertuscht. Ich finde es sowieso eigenartig das die Krebserkrankungen jährlich zunehmen. Fast jeder kennt mitlerweile jemand in seiner Verwandt- oder Bekanntschaft der an Krebs erkrankt oder gar gestorben ist. Wo ist beim Handy-Thema eigentlich das BAG positioniert?

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  • Sam B am 12.05.2011 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    "Mobilfunkstrahlung kann Vorgänge im Körper beeinflussen - etwa die Hirnaktivität im Schlaf. Welche Gesundheitsschäden dies auslöst, ist aber noch nicht klar." Weder Schlafprobleme oder Gesundheitsschäden sind auffindbar... Irgend wie setzen alle voraus, dass es Probleme geben MUSS obwohl keine zu finden sind. Grenzwerte werden willkürlich gesetzt da man keinen Wert gefunden hat der gefährlich sein könnte. Und dann reklamiert man wenn der Wert überschriten wird auch wenn er überall verschieden ist. Paranoid?

  • Teranos am 12.05.2011 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftlichkeit > Gesundheit

    Bundesgericht CH: Grenzwerte sind nicht nach medizinischen Gesichtspunkten festzulegen, sondern nach wirtschaftlicher Tragbarkeit und technischer Machbarkeit... Berner Verwaltungsgericht: Die Bevölkerung hat kein Anrecht auf Null-Risiko. Grenzwerte dienen lediglich dazu, die Schäden in vertretbaren Grenzen zu halten... Noch Fragen?!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Silvia am 12.05.2011 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Weshalb die Studie,

    wenn das Resultat ohnehin schon bekannt war? Was nicht sein darf ist nicht und wird verdrängt. Eine Alibiübung? Dass z.B. Induktionsherde starke Felder verursachen ist doch längst bekannt. Jetzt reklamiert der Bund man müsse das Ganze aufmerksam beobachten, es fehle aber das Geld für weitere Studien. Wie wäre es mit einer Antennensteuer oder einer Konsumabgabe auf Handys & Co., zweckgebunden, zugunsten eines vorsorglichen Gesundheitsfonds? Da tickt doch eine Zeitbombe genau wie beim Asbest, dem Atomstrom etc.

  • Bürger & Konsument am 12.05.2011 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kabellose digitale Zukunft ohne

    Risiko? - Ein grosses Fragezeichen sei angesichts des öffentlichen und privaten Wildwuchses an den immer häufigeren drahtlosen Gadgets im dichten Betrieb erlaubt. Neben wahrscheinlich unterschätzten gesundheitlichen Risiken häuft sich das gegenseitige Störungspotenzial aus diversen Anwendungen, z.B. in den eigenen vier Wänden. Abgesehen vom steigenden Strombedarf. Irgendwann kommt der grosse Aufschrei, wen wir das gewusst hätten. Und Behörden und Politik stehlen sich wie so oft aus der Verantwortung. Nur, die ganze Entwicklung hat eine History mit immer mehr sich erhärtenden Fakten.

  • Teranos am 12.05.2011 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftlichkeit > Gesundheit

    Bundesgericht CH: Grenzwerte sind nicht nach medizinischen Gesichtspunkten festzulegen, sondern nach wirtschaftlicher Tragbarkeit und technischer Machbarkeit... Berner Verwaltungsgericht: Die Bevölkerung hat kein Anrecht auf Null-Risiko. Grenzwerte dienen lediglich dazu, die Schäden in vertretbaren Grenzen zu halten... Noch Fragen?!

  • Sam B am 12.05.2011 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    "Mobilfunkstrahlung kann Vorgänge im Körper beeinflussen - etwa die Hirnaktivität im Schlaf. Welche Gesundheitsschäden dies auslöst, ist aber noch nicht klar." Weder Schlafprobleme oder Gesundheitsschäden sind auffindbar... Irgend wie setzen alle voraus, dass es Probleme geben MUSS obwohl keine zu finden sind. Grenzwerte werden willkürlich gesetzt da man keinen Wert gefunden hat der gefährlich sein könnte. Und dann reklamiert man wenn der Wert überschriten wird auch wenn er überall verschieden ist. Paranoid?

  • J.H. am 12.05.2011 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Seit Jahren bekannt - nichts Neues

    Schlafstörungen und Erbgutbrüche sind doch seit Jahren bekannt. Die vor einigen Jahren lancierte Nationale Studie NFP57 bringt nichts Neues und weicht den vielen unabhängigen Studien über Befindlichkeitsstörungen und gesundheitlichen Folgen mit ihren Schlussfolgerungen auch angesichts der rasanten Verbreitung inkl. Homeelektronik wie WLAN aus. Für das wurden Millionen von Steuergeldern ausgegeben? - Wen wunderts. Es steht viel digitaler Kommerz auf dem Spiel. Also wird zugewartet und auf weitere nötige Studien verwiesen.