Vogelgrippe-Erreger

03. Mai 2012 14:34; Akt: 03.05.2012 14:34 Print

Heikle Virus-Studie wird veröffentlicht

Das Wissenschaftsmagazin «Nature» publiziert eine Studie zur genetischen Manipulation des Vogelgrippe-Virus. Ein Beraterteam der US-Regierung hatte wegen Terrorgefahr von einer Veröffentlichung abgeraten.

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Welche Gefahren birgt die Veröffentlichung der Studie? Experten sind sich uneins. (Bild: Colourbox)

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Nach langem Hin und Her wird sie nun doch im britischen Wissenschaftsmagazin «Nature» veröffentlicht: Eine Studie, die Informationen über Veränderungen am gefürchteten H5N1-Virus, das beim Menschen zum Tode führen kann, beinhaltet.

Der Streit um die Veröffentlichung kam auf, als Ende des Jahres 2011 zwei Forscherteams in den USA und in den Niederlanden unabhängig voneinander bekanntgaben, dass sie in hoch abgeschirmten Laboren austesteten, wie die Übertragbarkeit des Vogelgrippe-Virus auf den Menschen durch gentechnische Veränderungen beeinflusst werden kann.

Uneinigkeit bezüglich Veröffentlichung

Die eine Seite befürchtete, dass solche Erkenntnisse durch Terroristen missbraucht werden könnten. Die andere mahnte vor den Risiken der Zensur wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Nun hat «Nature» beschlossen, die Arbeiten des US-Teams um Yoshihiro Kawaoka von der Universität von Wisconsin in seine aktuelle Ausgabe aufzunehmen.

Die «wesentlichen wissenschaftlichen Elemente» der Studie seien nunmehr unverändert veröffentlicht, erläuterte «Nature». Die Zeitschrift habe zuvor aber «mehrere unabhängige Ratschläge» von einschlägigen Sicherheitsexperten ausgewertet.

Erhöhte Übertragbarkeit

Kawaokas Team befasste sich unter anderem mit einer Variante der Vogelgrippe vom Typ H5N1, die sich in Asien 1997 rasend ausbreitete und auch heute noch gelegentlich anzutreffen ist. Durch eine gentechnische Änderung gelang es den Forschern, die Übertragbarkeit des Virus von Vögeln auf Säugetiere zu erhöhen.

Der Nachweis der erhöhten Übertragbarkeit wurde an Frettchen geführt, deren Lungensystem dem der Menschen ähnelt. Die Forscher zielen mit ihren Versuchen darauf ab, die Mechanismen der Übertragung von Viren zwischen Vögeln, Schweinen und Menschen besser zu verstehen.

Nutzen höher als Risiko?

Das US-Expertengremium NSABB, das die Regierung in Washington berät, hatte von der Veröffentlichung abgeraten. «Nature» berief sich bei der Veröffentlichung nun auf Empfehlungen einer Institution «ausserhalb der USA», nach deren Einschätzung der Nutzen der Veröffentlichung der Erkenntnisse höher sei als die Risiken.

Das Vogelgrippe-Virus mutiere auch ohne menschliche Eingriffe. Die Veröffentlichung der Erkenntnisse könne dazu beitragen, Gegenmittel zu entwickeln.

Die Parallel-Forschung des niederländischen Teams vom Erasmus- Zentrum in Rotterdam soll demnächst im US-Wissenschaftsmagazin «Science» vorgestellt werden. Die Überprüfung durch einen wissenschaftlichen Beirat sei aber noch nicht abgeschlossen, teilte das Magazin mit.

(sda)

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