Studie

04. März 2011 06:31; Akt: 04.03.2011 16:25 Print

Herber Schlag gegen Coca-Cola & Co.

von Hans Peter Arnold - Softdrinks können Ihre Gesundheit gefährden: Wer übermässig Limonaden und Fruchtsäfte konsumiert, riskiert Bluthochdruck.

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Softdrinks können die Gesundheit mehr schädigen als erwartet. (Bild: Keystone)

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Schlechte Nachrichten für die Getränke-Industrie; allen voran für den globalen Giganten Coca-Cola, dessen Rezept für das Getränk eben erst gelüftet worden ist. Die teuerste Marke der Welt steht zudem wegen potenziell schädigenden Diät-Getränken in der Kritik.

Personen, die überdurchschnittlich viele Softdrinks konsumieren, haben erheblich höhere Blutdruckwerte. Bereits der Konsum von mehr als einer Dose (355 Milliliter) pro Tag kann das Risiko für Bluthochdruck stark erhöhen. Das zeigt eine Studie an 2700 Personen in den USA und Grossbritannien. Der Zucker - Glucose und Fructose - in den Softdrinks sei schädlich. So lautet das Fazit. Die Studie wurde soeben im Fachmagazin «Hypertension» veröffentlicht.

Das Problem verschärfe sich bei überhöhtem Salz-Konsum, meint Ian J. Brown vom Imperial College London und Autor der Studie. Der überhöhte Softdrink-Konsum stehe mit dem erhöhten Risiko von Herz- und Gefässerkrankungen und Diabetes im Zusammenhang.

Light-Getränke: Keine Entwarnung

Die Studie zeigt auch, dass die Limonade-Liebhaber häufiger an Übergewicht leiden und sich ungesünder ernähren. Doch auch innerhalb der Gruppe mit einem normalen Body-Mass-Index (BMI) gab es einen klaren Zusammenhang zwischen Süssgetränken und Bluthochdruck. Getestet wurden Personen im Alter von 40 bis 59 Jahren. Bluthochdruck tritt in jüngeren Jahren generell seltener auf.

Selbst der Genuss von Light-Getränken bzw. Diät-Getränken ergab nur einen leichten Abfall des Blutdrucks. Damit gibt es für Light-Getränke keine Entwarnung. Immerhin eine positive Nachricht für Coca-Cola und vor allem für alle Kaffee-Liebhaber: Der Koffeinkonsum hat offenbar keine Auswirkungen auf den Blutdruck.

Unterschiede zwischen den Süssgetränken sind gering

Eine Dose Coca-Cola enthält mit 10,3 Milliliter (ml) pro 100 Milliliter am meisten Zucker, wie ein Vergleich von 20 Minuten Online zeigt. Allerdings sind die Unterschiede gering. Sprite enthält 10,1 Milliliter Zucker, Fanta und Rivella Rot enthalten je 9 Milliliter Zucker. Die Zucker Glucose und Fructose werden den Kohlehydraten zugerechnet. Sie beeinflussen wesentlich den Kaloriengehalt der Getränke. - Coca-Cola wollte auf Anfrage von 20 Minuten Online die Studie nicht kommentieren.

Migros: Warnhinweis ist nicht notwendig

Gezuckerte Getränke sollten mit Mass genossen werden, meint auf Anfrage Monika Weibel, Mediensprecherin vom Migros-Genossenschafts-Bund. Einen Warnhinweis in Sinne von «Dieses Getränk kann Ihre Gesundheit gefährden» erachtet die Migros jedoch weder als nötig noch als sinnvoll. Die Nährwertangaben auf den Produkten, die «Migros Food Facts», würden zur Aufklärung und Sensibilierung der Konsumenten beitragen. Auf den Verpackungen werde transparent über den Kalorien- und Zuckergehalt pro 100ml und pro Portion informiert. Weibel: «Zusätzlich findet sich die Information, wie viel Prozent des täglichen Bedarfs einer erwachsenen Person durch eine Portion gedeckt wird. Somit kann der Konsument selbst entscheiden, welche Menge er geniessen will.»

Soft-Drink-Produzenten: «Resultate relativieren»

«Die Resultate dieser Studie sind klar zu relativieren,» meint Marcel Kreber, Generalsekretär vom Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten (SMS). Der Beweis, dass ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Softdrinks und einem erhöhten Blutdruck bestehe, werde nicht schlüssig erbracht. Zudem weise die Studie einige Mängel auf. Es gelte zudem zu bedenken, dass es an sich keine «guten» oder «schlechten» Lebensmittel oder Getränke gebe, sondern lediglich eine gute oder schlechte Ernährungsweise bzw. einen mehr oder weniger gesunden Lebensstil insgesamt.

Eine weitere Studie hat im übrigen einen Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Bildungsniveau ergeben. Über das Thema Übergewicht und Bluthochdruck informieren unter anderem die Schweizerische Adipositas-Sftiftung. Wertvolle Informationen gibt auch das CDC Centers for Disease Control and Prevention.