Trotz Hirntod

20. September 2013 21:13; Akt: 20.09.2013 21:14 Print

Hirnsignale bei Koma-Patienten gefunden

Kanadische und rumänische Forscher haben erstmals bei einem Patienten im tiefsten Koma Hirnaktivität nachweisen können. Sie entsprang im innersten Teil des Hirns.

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Wenn ein Elektroenzephalogramm (EEG) eines Menschen im Koma über mindestens 30 Minuten hinweg keinerlei Ausschläge mehr zeigt, gilt dies als Anzeichen dafür, dass der Hirntod eingetreten ist. Danach, so die Annahme, ist eine Rückkehr ins Leben nicht mehr möglich, schrieb der Onlinedienst «wissenschaft.de» am Donnerstag.

Doch jetzt haben Daniel Kroeger und Kollegen der Université de Montreal in Kanada und des Medical Centre Regina Maria bei einem Koma-Patienten in Rumänien erstmals Hirnaktivitäten aufgezeichnet, die offenbar einem noch tieferen Koma entspringen als jenem, das bei einer Hirnstrommessung als Nulllinie auftaucht. Die Forscher fanden ein bisher unbekanntes Wellenmuster elektrischer Aktivität im EEG, nachdem starke Medikamente zur Unterdrückung von epileptischen Anfällen abgesetzt wurden, berichten sie im Fachjournal «PLOS ONE». Die Signale wanderten vom Gedächtniszentrum Hippocampus bis zur Kontrollinstanz Grosshirnrinde.

Kein Bewusstsein

Versuche an Katzen, die medikamentös in ein reversibles Koma versetzt wurden, zeigten die gleichen Wellensignale. «Wir haben nun Beweise dafür, dass das Gehirn ein extrem tiefes Koma überleben kann, wenn die Integrität der neuronalen Strukturen erhalten bleibt», sagte Kroeger in einer Mitteilung der Hochschule.

Die gemessenen Hirnwellen sind laut den Ärzten kein Zeichen von Bewusstsein. Sie entspringen Entladungen von Zellen im Hippocampus tief im Inneren des Gehirns, einer der ältesten Gehirnstrukturen. Deshalb kann seine Aktivität mit Elektroden auf der Schädeloberfläche nicht erkannt werden.

Künstliches Koma

Ihre Erkenntnisse hoffen die Wissenschaftler zu nutzen, um Menschen im künstlichen Koma besser behandeln zu können. «Das tiefe Koma der Katzenversuche könnte besser geeignet sein, um das Gehirn zu schützen», sagte Mitautor Florin Amzica. Der Vorteil sei, dass die Nervenzellen aktiv bleiben, nach dem Prinzip «use it or lose it».

An den Kriterien für die Diagnose Hirntod rütteln die Forscher indes nicht. Diese seien extrem stringent, sagte Amzica. «Eines Tages könnten unsere Erkenntnisse vielleicht zu einer Neudefinition dieser Kriterien führen, aber davon sind wir noch sehr weit entfernt.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • KPD am 20.09.2013 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Organ Spende

    Auch wenn ein wiederaufleben im Hirntot nicht möglich ist, so verspreche ich mir davon ein wenig Transparenz bei der Organ Spende.

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  • Pit Rorschach am 21.09.2013 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Hirntod ist kein Tod.

    Ein Hirntoter ist nicht Tot. Hier ist der beweis erbracht. Und genau deshalb sollten Organspenden verboten werden. Man entnimmt die Organe einem Lebenden, weil die eines Toten unbrauchbar sind.

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  • Werner K. Schweizer am 21.09.2013 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon der Gedanke daran, lässt uns...

    .... erschauern...Endlich wird die Wahrheit ausgesprochen, dass bei Komapatienten eben doch noch Hirnsignale vorhanden sind!!! Es sind auch Komapatienten wieder aufgewacht, die sich übrigens an alles erinnern konnten, als Aerzte und Angehörige sich über den Patienten unterhielten in der Annahme, dass dieser nichts mitbekomme! Schlimm für den Betroffenen, der aus welchen Gründen auch immer (ev. kurzzeitige Muskellähmung?) sich nicht äussern kann - dann von den Ärzten vorschnell für tot erklärt wird - um dann diesem noch Lebenden SEINE Organe für ANDERE aus dem Leib zu schneiden - SCHRECKLICH!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Colle am 22.09.2013 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hirnströme bei EINEM Patienten gemessen

    Also was manche Leute hier so von sich geben..! Wenn dort steht es wurden bei einem Patienten im inneren Hirnströme gemessen,heisst das nicht gleich das es bei jedem gleich ist und vor allem wieviel Nutzen diese "wenigen Ströme" haben. Hirntot und was ist mit der Lebensqualität?! Dieses Mensch wird keine mehr haben! Wenn ein Mensch durch die Maschinen am Leben gehalten wird und aus eigener Kraft nicht mehr funktioniert, welche Lebensqualität hat er dann noch? KEINE! Organe: Wenn man diesen Pat. nicht mehr ins gesunde Leben zurückverhelfen kann und die Organe alle schadlos im Einsatz ist, warum sollte man diese dann nicht Spenden? Was wenn dieser eine Mensch 6 anderen Menschen das Leben retten kann und ihnen die Lebensqualität zurückgeben kann? Dann lebt doch ein Teil des geliebten Menschen in einem anderen weiter. Das ist doch toll? Nach dem Tod haben die Organe auch keine Funktion mehr u sterben mit. Also lasst uns doch wenigstens andere Leute helfen! Und die Forschung entwickelt sich ohne Tests auch nicht weiter. vielleicht rettet Sie auch mal Ihr Leben!!! An irgendwem muss man Forschen, Mensch und Tier!

  • a. de luc am 22.09.2013 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo ist die würde

    ich bin zu tiefst genervt dass man wieder tiere für solche experimente benutzt es ist ja traurig dass menschen in solche situationen gelangen und traurig für die familie aber katzen sind such lebewesen und nicht weniger wert als ein menschenleben!

    • Sandra Wermuth am 22.09.2013 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Traurig das Katzen hinhalten müssen für Tierversuc

      Ja es ist traurig das es immer noch Tierversuche gibt. Den ich bin selber kstzenhalterin!!!!

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  • Petra Chevalier am 21.09.2013 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    WC-Lektüre und Anstand beim Ton

    @Tobs - auch für Sie gibt es wohl keinen Anstand im Ton beim diskutieren?

  • Petra Chevalier am 21.09.2013 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    Koma und Entscheidung

    Antwort an @Koma Verwanter Ich habe ja geschrieben, dass ich mich auch entscheiden musste (bei meinem Liebsten). Mein Mann war auch im Koma. Allerdings an Apparaten angeschlossen. Und diese hätte man, um ihn zum Untersuch bringen zu können, (gem. Ärzten) alle abhängen müssen. Und das hätte mein Mann nicht überlebt.

    • Koma Verwanter am 22.09.2013 00:07 Report Diesen Beitrag melden

      Langer Entscheidungsweg

      @petra, tut mir Leid wenn Dir dass auch erfahren ist. In deinem Eintrag auf den ich geantwortet habe stand leider nichts. Deinen Zorn gegen die klassische Medizin verstehe ich nicht. In unserem Fall haben wir die Maschinen in der Intensivstation abgestellt und Sie mit dem Atmen begonnen. Hätten die Ärzte genauer verstanden wie sehr das Gehirn funktionsfähig ist wäre dieser Entscheid für die ganze Familie einfacher gewesen. So haben wir aber am Heiligabend auf die Todesnachricht gewartet und man hat die ganze Organspende organisiert. Nach 9 Monaten hat man dann die künstliche Ernährung entfernt

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  • Petra Chevalier am 21.09.2013 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Gehirn

    Nur noch kurz als Laie an Herr Leutwiler und Mebo: Gehört den das vegetative Nervensystem nicht zum Gehirn?

    • Miri am 22.09.2013 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nein..

      Nicht im engeren Sinne. Es gibt das Zentral-Nervensystem, welches das Gehirn und das Rückenmark umfasst. Das vegetative Nervensystem (zu welchem Sympathikus und Parasympathikus gehören), steuert unsere Organe. Ich hoffe ich konnte helfen.

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