Verräterische Handydaten

18. Juli 2015 15:45; Akt: 18.07.2015 15:45 Print

Ihr Smartphone weiss, ob Sie depressiv sind

Allein an der Nutzungsdauer und den GPS-Daten unseres Handys lässt sich ablesen, ob wir depressiv sind. In einer Studie lag die Trefferquote bei 87 Prozent.

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Wer viel unterwegs ist, hat ein deutlich geringeres Risiko für eine Depression. (Bild: Keystone/AP/Manu Fernandez)

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Schritte zählen, Tempo messen und Herzfrequenz überwachen: Smartphones können heute bereits viel mehr als nur telefonieren oder Fotos schiessen. In Zukunft dürften noch viel mehr Features hinzukommen. Unter anderem eine App, mit der sich feststellen lässt, wie unser Gemütszustand ist.

Denn Forscher um Sohrob Saeb von der Northwestern University in Chicago haben nun jedoch ein Programm entwickelt, das allein anhand der Nutzerdaten erkennt, ob der Smartphone-User depressiv ist.

Nutzungszeiten und GPS-Daten

In ihrer Studie unterzogen Saeb und seine Kollegen 28 Handynutzer zunächst einem psychologischen Test, mit dem festgestellt wurde, ob sie Anzeichen für eine mittlere bis schwere Depression zeigen, was bei 14 Probanden der Fall war. Anschliessend dokumentierten sie während zwei Wochen die Nutzungszeiten und GPS-Daten derer Smartphones.

In einem nächsten Schritt prüften die Forscher, ob sich die depressiven Teilnehmer anhand ihrer Smartphone-Daten identifizieren lassen.

Verräterische Hinweise

Dabei stiessen sie auf Unterschiede: So lag die durchschnittliche tägliche Nutzungszeit bei depressiven Probanden mit 68 Minuten deutlich höher als bei den gesunden Teilnehmern, die ihr Handy im Durchschnitt nur 17 Minuten pro Tag nutzten. Das berichtet das Team im «Journal of Medical Internet Research». Die Forscher vermuten, dass Depressive weniger telefonieren, dafür mehr surfen und spielen – um sich von ihren trüben Gedanken abzulenken.

Die erhobenen GPS-Daten zeigten zudem, dass die depressiven Probanden mehr Zeit an einem Ort verbrachten, als die gesunden. Das reflektiert laut Co-Autor David Mohr den für eine Depression typischen Motivationsverlust: «Wenn Menschen depressiv sind, neigen sie dazu, sich zurückzuziehen und haben nicht die Energie oder Lust, auszugehen und etwas zu unternehmen.»

Grosse Trefferquote, hohe Ziele

Allein anhand der Nutzerdaten gelang es den Forschern, in 87 Prozent der Fälle eine depressive Phase der Teilnehmer richtig zu identifizieren, heisst es in der Mitteilung der Hochschule. Das schüre Hoffnungen, depressive Verstimmungen bald frühzeitig zu erkennen. Und das ohne Anstrengungen oder Zeitaufwand von Seiten des Betroffenen.

Saeb und seine Kollegen wollen nun erforschen, ob ihr Programm sich erweitern lässt. Beispielsweise wäre es von Vorteil, wenn es depressive Nutzer warnen könnte und ihnen gegebenenfalls Massnahmen vorschlägt, um dem Depressionsschub entgegenwirken zu können.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D.R. am 18.07.2015 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Verwirrung

    Ich spiele ständig damit rum und komme sicherlich auf einige Stunden pro Tag. Bin ich also reif für die Psychiatrie?

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  • Andreas Widmer am 18.07.2015 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Repräsentativ?

    Aus einer Studie mit 28 Probanden lässt sich kein Fazit ziehen.

  • Kein Wunder am 18.07.2015 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Depri

    Wo kann man heut zu tage noch freunde finden,ausser zb in der disco oder in einer bar. mit den man was unternehmen kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Damian am 19.07.2015 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Man kann aber auch

    einfach nur ein zufriedener Mensch sein, der sein Handy für's Geschäftliche nutzt und abends gemütlich seine Terrasse mit ein, zwei Bierchen und schöner Aussicht geniesst. Studien eben.

  • Apple am 19.07.2015 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selten so gestaunt!

    Anstelle eines iPhones das anzeigt ob man Depressiv ist, sollte man eher eines lancieren welches anzeigt bevor man Agressiv wird ( mit schrillem Warnton) das ist offensichtlich von grösserem nutzen, und man rettet leben damit.Andere und sein eigenes.

  • m.r. am 19.07.2015 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grund für iv?

    kann man dann iv beziehen? suche schon lange einen weg ;-) warum arbeiten und steuern zahlen, wenn man vom sozialstaat schweiz leben kann ;-)

  • Aussendienst am 18.07.2015 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt weiss ich es......

    O.k, laut dieser Studie, bin ich ja voll Depressiv. Denn ich benutze das Händy sehr viel, denn ich bin viel unterwegs und habe Termine sowie besprechungen alles über Handy.

    • Marco am 19.07.2015 02:12 Report Diesen Beitrag melden

      Wow!

      Sie sind nicht nur voll depressiv, sondern auch ein ganz toller Hecht.

    • Der Duke am 19.07.2015 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ohja

      Oh ja, geht mir genau so. Bin auch im Aussendienst und darum auch dauernd am Handy! bin voll Depressiv!

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  • Präventionsfachmann am 18.07.2015 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Depression wird zur grössten Volkskrankheit

    Depression ist und wird in Zukunft zur grössten Krankheit unserer Gesellschaft ! Es betrifft zunehmend Junge und Alte .... Die Gründe sind vielschichtig Im Aussen kommunizieren und auf Aussenstatus sich definieren Du bist nur wer wenn Du wirkst Mode - In sein - etc Die wirklich Sehnsucht und Erfüllung jedes Menschen liegt im Innen - nicht im Aussen

    • Sulani am 18.07.2015 23:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Vo wegä depro...

      Nein! Übergewicht lässt uns weniger alt werden... Für beides gilt: Geht möglichst oft raus und bewegt euch, sprecht mit Mitmenschen (so oft es euch gelingt)!

    • Intro Verti am 18.07.2015 23:39 Report Diesen Beitrag melden

      Innerliche Zufriedenheit

      Wenn man im Aussen wenig Leute findet, welche auf der gleichen Wellenlänge reiten, lebt man halt in der eigenen Innenwelt.

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