WHO

29. August 2019 10:04; Akt: 29.08.2019 10:04 Print

In 4 Ländern Europas sind die Masern ausgebrochen

Die Anzahl an Masern erkrankter Menschen ist im Vergleich zum Vorjahr drastisch gestiegen. Die Krankheit hat sich auf bisher masernfreie Gebiete ausgeweitet.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm, denn eigentlich könnten die Masern längst ausgerottet sein. Dabei führt laut einer US-Studie eine Verringerung der Quote bei der Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) um 5 Prozent zu einer Verdreifachung der Masernfälle. Auf die Schweiz angewandt würde das bedeuten, dass die Fallzahl von 66 Fällen (2016) auf knapp 200 steigen würde. Um die Bevölkerung vor einer Infektion zu schützen, ist es wichtig, die Masern zu eliminieren. Dafür muss eine Impfquote von 95 Prozent erreicht werden. Dann kann sich der Erreger nicht mehr verbreiten. Nur so können immunschwache Menschen ... ... das heisst jene, die sich aus medizinischen Gründen wie beispielsweise Allergien oder akuten Infektionen nicht impfen lassen können, sowie Babys im ersten Lebensjahr geschützt werden. Den besten Schutz bringt die Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Die Schutzwirkung einer Masernimpfung mit zwei Dosen wird mit mehr als 98 Prozent angegeben. Selbst in den seltenen Fällen, in denen es trotz Impfung zu Masern kommt, ist der Krankheitsverlauf abgeschwächt. Das Perfide an Masern: Erkrankte sind auch dann schon ansteckend, wenn sie noch nicht den typischen Hautausschlag entwickelt haben. Denn die Infektionsgefahr besteht drei bis fünf Tage vor dem Ausbruch des Hautausschlags und bis vier Tage danach. Masern beginnen wie eine heftige Grippe: mit hohem Fieber, einer laufenden Nase und Husten sowie entzündeten Schleimhäuten. Der einzige eindeutige Hinweis auf Masern findet sich zu diesem Zeitpunkt im Mundraum des Betroffenen: die sogenannten Koplik-Flecken – weisse Flecken mit rotem Rand an den Wangeninnenseiten. Oft werden Masern als Kinderkrankheit abgetan. Doch das ist falsch. So können Menschen jeden Alters erkranken, zudem kommt es bei jeder zehnten Person zu Komplikationen. Am schwerwiegendsten sind Lungen- und Gehirnentzündungen. In Europa verlaufen bei einem von rund 3000 Erkrankten die Masern tödlich. Weltweit fordern Masern jedes Jahr etwa 158'000 Todesfälle.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Masern sind in Europa wieder auf dem Vormarsch. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) registrierte in der ersten Jahreshälfte 2019 in 48 europäischen Ländern mehr als doppelt so viele Masernfälle wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Nach den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen stieg die Zahl der Masernfälle von 44'175 auf 89'994. Vier europäische Staaten – Grossbritannien, Griechenland, Tschechien und Albanien – büssten den Status als masernfrei ein.

Umfrage
Sind Sie gegen Masern geimpft?

Als von Masern frei gilt ein Land, wenn dort über einen Zeitraum von zwölf Monaten keine Übertragung der Krankheit festgestellt wird. Aufgrund der Statistiken für das Jahr 2018 können Griechenland, Grossbritannien, Tschechien und Albanien nicht mehr als masernfrei angesehen werden. In Griechenland wurden 2193 Fälle festgestellt, in Albanien 1466, in Grossbritannien 953 und in Tschechien 217.

Schon 37 Maserntote in diesem Jahr

«Die zunehmende Übertragung der Masern ist beunruhigend», sagte Günter Pfaff, der Vorsitzende der Europäischen Verifizierungskommission für die Eliminierung von Masern und Röteln. Wenn keine hohe Impfquote gewährleistet werde, führe das bei den Betroffenen zu «unnötigem Leid» und in einigen Fällen zum «tragischen Tod». In Europa wurden 2018 insgesamt 74 tödliche Masernfälle registriert, in der ersten Jahreshälfte 2019 waren es 37.

Masern sind eine Viruserkrankung, die schneller übertragen wird als etwa die Grippe oder Ebola. Wenn ein Infizierter niest oder hustet, bleiben die Viren noch zwei Stunden aktiv. Eine Infektion kann also noch erfolgen, wenn gar kein Infizierter mehr im Raum ist. Ausserdem können Infizierte das Masernvirus bereits vier Tage vor Ausbruch des typischen Ausschlags übertragen. Es können lebensgefährliche Komplikationen wie eine Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung auftreten, insbesondere bei ohnehin abwehrgeschwächten Menschen wie Säuglingen oder Senioren.

Die Schweiz ist masernfrei

In zwölf europäischen Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, sind die Masern laut WHO endemisch, diese Länder sind also nicht von Masern frei. Österreich und die Schweiz hingegen geniessen auf der Basis der Daten von 2018 nun diesen Status. In Deutschland soll ab dem 1. März 2020 eine Impfpflicht für Masern gelten.

Im weltweiten Vergleich wurden in der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar und der Ukraine die meisten Masernfälle registriert. Nach Einschätzung der WHO gehen jedoch nur etwa zehn Prozent der Fälle in die Statistik ein.

(vro/afp)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Spielgruppenleiterin am 29.08.2019 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wo keine Verantwortung, da Regeln

    Ich erlebe immer wieder wie Eltern ihre kleinen Kinder total krank in die Spielgruppe bringen. Oft wird mit Unverständnis reagiert wenn wir ihnen erklären dass sie es gleich wieder mit nach Hause nehmen können, weil es sonst alle anderen ansteckt. Solange es Eltern gibt, die so verantwortungslos handeln, kommt man um impfen nicht herum. Wenn sich Menschen selbst wie Kinder benehmen muss man ihnen leider Regeln aufzwängen. Gibt ja auch schwangere Leiterinnen, wenn die den Masernvirus auflesen dann gute Nacht für das Ungeborene Kind. Und die meisten haben auch noch kleine Kinder zu Hause....

  • XxTheDay am 29.08.2019 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimm

    Ich gratuliere allen Impfgegnern..

    einklappen einklappen
  • Dorli K am 29.08.2019 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Was stimmt jetzt?

    Und all die Artikel über Masernausbruch in der Schweiz in den letzten Monaten? Und doch soll die Schweiz masernfrei sein-komisch!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • idontno am 29.08.2019 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Immer das selbe.

    Wieso seid ihr alle immer besserwisser? durch das Internet, Medien usw? Es gibt guten sachen wie schlechte sachen auf dieser Welt. Alle Impfiger wann war das Letztes mal, euch geimpft habt, aber ihr lebt noch, oder? Glaub ihr wilrklich an alles? Impfgegner, nicht alles ist schlecht, wir brauchen keine impfungen, blablabla. Kinderlähumung ist nicht lustig. Ich lasse mich seit Jahren nicht mehr impfen mir geht bestens. Aber meine Tochter habe ich impfen lassen, aber auch nicht alles. Wenn sie gross ist kann sie selbst eintscheiden. Ihr sollt einen Mittelweg finden.

  • viggi schweitzer am 29.08.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    blablabla

    wir hatten alle trotz impfung nur mein ungeimpfter sohn wurde verschohnt. der beste Beweis für die warheit an diese misere

    • hgf am 29.08.2019 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @viggi schweitzer

      Als ob jemals ein Einzelfall der Beweis für irgendwas gewesen wäre.

    einklappen einklappen
  • C.C. am 29.08.2019 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Merkblatt

    Ich Zitiere: Österreich und die Schweiz hingegen geniessen auf der Basis der Daten von 2018 nun diesen Status Masernfrei zu sein. Eigenartig, im Spätherbst 2018 hat unsere Schule allen Kindern ein Merkblatt mit nach Hause gegeben. " Achtung Masern. " Komisch, was stimmt jetzt Masernfrei oder doch nicht.

  • Freier Mensch am 29.08.2019 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ich hatte Masern und alle

    meine Kindergartenkollegen ebenfalls. Haben wir überlebt. Gefährlich sind die Masern nur für Erwachsene. Die können sich ja impfen. Wer die Masern als Kind nicht übersteht ist sowieso nicht überlebensfähig. That's about nature.

  • Pädagogische Veranstaltungen am 29.08.2019 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Nützliches und Angenehmes verbinden

    Wieso nicht an allen grossen Hauptkreuzungen in den Städten, die Liste mit den Namen aller Nicht-Geimpfter veröffentlichen. Dann ihm Zufallsverfahren öffentliche Auspeitschungen vor Ort, jeweils am Wochenende 25 Auserwählte vor der johlenden Menge bestrafen. Das wäre ein Volksfest mit Insektenstand und Vegan-Burger Verpflegung. Ethnische Volkstanz Gruppen aller Länder runden das ganze folkloristisch ab.