Unsichtbare Gefahr

28. Dezember 2019 07:19; Akt: 28.12.2019 09:21 Print

In London regnet es am meisten Mikroplastik

Die Londoner Luft ist mit Mikroplastik verseucht. Auf den Bewohnern regnen so viele Partikel herab, wie sonst in keiner anderen Stadt der Welt.

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Es regnet in London - allerdings findet man dort im Regenwasser so viel Mikroplatik-Partikel wie in keiner anderen Stadt auf der Welt. Die Kontaminierungssraten lagen zwischen 575 und 1008 Partikeln täglich pro Quadratmeter, wie eine Studie von Ende 2019 zeigt. Damit ist in London ist die Mikroplastikablagerung 20-mal höher als in Dongguan, China, sieben Mal höher als in Paris und fast dreimal höher als in Hamburg. Mikroplastik landet im Körper des Menschen durch die Luft, die wir atmen, unsere Nahrung und das Wasser, das wir trinken. Die folgenden Zahlen sind erschreckend: nimmt der Mensch zu sich ein. Das entspricht etwa dem - pro Woche. Seit dem Jahr 2000 wurde laut WWF so viel Plastik produziert wie in allen Jahren zuvor zusammen. Aus einer Studie kanadischer Wissenschaftler, die am 5. Juni 2019 in der Zeitschrift Environmental Science and Technology veröffentlicht wurde, geht hervor, dass der Mensch pro Jahr zu sich einnimmt. So stellten sie auch fest, dass, wer ein Jahr lang nur Wasser aus Plastikflaschen trinkt, zu sich nimmt. Partikel mit einem «haben das Potenzial, Teil des menschlichen Gewebes zu werden (und) eine lokale Immunreaktion auszulösen», heisst es in der Studie. Als Mikroplastik werden Plastikteilchen mit einer Grösse bezeichnet. Es entsteht vor allem ungewollt durch Zerkleinerung, Abrieb oder Zersetzung grösserer Plastikteile in der Umwelt. Im Sommer 2018 haben Forscher aus Österreich von Probanden nachgewiesen. Die Mehrzahl der Probanden der Studie hatte Fisch oder Meeresfrüchte verzehrt.

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Die Stadt London hat ein grosses Problem mit einem fast unsichtbaren Feind: Mikroplastik. Wissenschaftliche Untersuchungen zufolge weist die britische Hauptstadt die höchsten Mikroplastik-Werte in der Luft auf, die bisher verzeichnet wurden.

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Wie der «Guardian» berichtet, seien bis anhin die Verunreinigungen durch Kunststoffteilchen in vier Grossstädten gemessen worden. In allen vier Orten fanden die Forscher Anzeichen von Kontamination. Doch in London ist die Mikroplastikablagerung 20-mal höher als in Dongguan, China, sieben Mal höher als in Paris und fast dreimal höher als in Hamburg.

In London regnet es 15 verschiedene Plastik-Typen

Die Studie wurde vom Kings College London durchgeführt und in der Fachzeitschrift Environment International veröffentlicht. Für die Untersuchung wurden acht Proben aus Regenwasser entnommen, das auf dem Dach eines neunstöckigen Gebäudes im Zentrum Londons angesammelt wurde.

Die Kontaminierungsraten lagen zwischen 575 und 1008 Partikeln täglich pro Quadratmeter. In den Proben seien 15 verschiedene Kunststoffe identifiziert worden, gab die leitende Forscherin Stephanie Wright bekannt. Die meisten Partikeln bestanden aus Acrylfasern, die wahrscheinlich aus Kleidungsstücken stammen. 8 Prozent der Mikrokunststoffpartikeln bestanden aus Polystyrol und Polyethylen, die normalerweise in der Lebensmittelindustrie als Verpackungsmaterial verwendet werden.

Mikroplastik ist überall

Die Grösse der untersuchten Partikeln lag zwischen 0,02 und 0,5 Millimeter – klein genug, um sich beim Einatmen auf den Atemwegen abzulagern oder mit dem Speichel verschluckt zu werden. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Mikroplastik im menschlichen Körper sind nicht bekannt. «Ich finde das sehr besorgniserregend», meinte dazu Wissenschaftlerin Wright.

Erst im vergangenen Sommer hatte eine Studie am Alfred-Wegener-Institut im deutschen Bremerhaven gezeigt, dass auch die Atmosphäre winzige Plastikpartikel aufnimmt, über weite Strecken transportiert und sie anschliessend durch Schnee und Regen wieder aus der Luft wäscht. Die Wissenschaftler hatten signifikante Konzentrationen der künstlichen Materialien sogar an entlegenen Orten in der Arktis und der Alpen nachweisen können.

(kle)