Neue Studie

06. Februar 2019 21:33; Akt: 06.02.2019 21:33 Print

Ist Cannabis etwa doch ein Spermien-Booster?

Bislang hiess es, Marihuana wirke sich negativ auf die männliche Fruchtbarkeit aus. US-Forscher kommen nun aber zu einem ganz anderen Ergebnis.

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Bisher hiess es: Kiffen ist bei Kinderwunsch eher kontraproduktiv, wie Forscher der University of Sheffield nachgewiesen haben. Zu einem ganz anderen Ergebnis kommen nun Forscher der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston. Laut ihnen haben Männer, die gelegentlich Marihuana rauchen oder dies früher einmal getan haben, eine erhöhte Spermienkonzentration. Während sie 63 Millionen Spermien pro Milliliter Samen aufwiesen, waren es bei den Marihuana-Jungfrauen im Schnitt 45 Millionen. Dabei machte es keinen Unterschied, ob sie aktuell kifften oder mittlerweile davon absahen. Die Forscher warnen allerdings vor vorschnellen Schlussfolgerungen: Es sei noch nicht klar, was Ursache und was Wirkung sei. Es brauche weitere Studien zum Thema. Weitere spannende Fakten zu Sperma finden Sie in den folgenden Bildern. Sperma besteht zu 91,8 Prozent aus Wasser. Weiter enthält es Proteine, Enzyme, Elektrolyte, verschiedene Hormone und Pheromone sowie Zink, Magnesium und Calcium. Es ist mit einem pH-Wert zwischen 7 und 7,8 leicht basisch, was die Samenzellen vor der sauren Umgebung der Vagina schützt. Nicht zu verwechseln sind Sperma und Lusttropfen. Bei Letzterem handelt es sich um ein Sekret, das dazu dient, Urin-Reste in der Harnröhre zu neutralisieren und die Gleitfähigkeit der Eichel zu verbessern. Dennoch können in ihm Spermien enthalten sein. Heisst: Eine Frau kann dadurch bereits schwanger werden. Es gibt noch einen weiteren Unterschied zwischen Sperma und Lusttropfen: Zu Ersterem gibt es ein Kochbuch, zum zweiten jedoch nicht. «Natural Harvest. A collection of semen-based recipes» von Paul «Fotie» Photenhauer ist 2008 erschienen. Im Schnitt beträgt die Menge eines menschlichen Samenergusses 2 bis 6 Milliliter, wobei 1 Milliliter durchschnittlich 20 bis 150 Millionen Spermien enthält. Das sind 0,5 Prozent des gesamten Ejakulats - der Rest ist Samenflüssigkeit. Viel und regelmässiger Sex verbessert die Qualität der Spermien. Das haben Forscher des Soroka Universtity Hospital nachgewiesen. Laut ihrer Studie bewirkt häufiges Kopulieren, dass die Spermien des Mannes beweglicher werden - was bei Kinderwunsch essenziell ist. Ebenfalls positiv auf die Beweglichkeit von Spermien wirkt sich Kaffeekonsum aus. Laut Wissenschaftlern der Universität Sao Paulo machen schon drei Tassen pro Tag einen Unterschied aus. Ganz anders sieht es bei Vegetariern und Veganern aus: Wissenschaftler der Loma Linda University Medical School in Kalifornien haben Hinweise darauf gefunden, dass deren Fruchtbarkeit unter ihrer Ernährung leidet. Die Spermien von Fleischessern sind wesentlich aktiver. Auf dem Weg zur Eizelle der Frau liefern sich die Spermien des Mannes ein regelrechtes Wettschwimmen. Doch nicht alle haben die gleichen Chancen, wie spanische Forscher nun herausgefunden haben. Demnach sind die ersten Tropfen besser in Form als der Rest. Beim Wettschwimmen der Spermien entscheidet übrigens nicht nur blosses Tempo: Es machen die Zellen das Rennen, die die beste Taktik an den Tag legen. Spermien nutzen gleich mehrere verschiedene Schwimmtechniken, um ans Ziel zu gelangen, so deutsche Forscher im Fachjournal <a href="http://bmcbiol.biomedcentral.com/articles/10.1186/1741-7007-12-6" target="_blank">«BMC Biology»</a>. Forscher der State University of New York in Albany haben gezeigt, dass Sperma gegen Depressionen hilft. Der stimmungsaufhellende Effekt geht auf die im Ejakulat vorhandenen Hormone Testosteron und Östrogen zurück. Geschluckt werden muss das Sperma dafür übrigens nicht. Die Hormone werden auch durch die Schleimhäute in der Vagina aufgenommen. Auch Schwangeren kann Sperma helfen. Laut dem US-Biopsychologen Gordon G. Gallup lässt der Samen des biologischen Vaters die werdenden Mütter weniger anfällig für lästige Symptome wie morgendliche Übelkeit werden. Sperma-Allergiker sollten darauf jedoch verzichten. Denn bei einer leichten Form kann es beim Kontakt mit der Samenflüssigkeit zu Ausschlag am ganzen Körper, Schwellungen und Rötungen kommen. Ist die Allergie stärker, leiden die Betroffenen zusätzlich unter Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Im schlimmsten Fall droht ein anaphylaktischer Schock. Bei älteren Männern ist bei Kinderwunsch offenbar Vorsicht geboten. Gemäss Forschern des Karolinska Instituts gibt es einen Zusammenhang zwischen bipolarer Störung und dem Alter des Vaters: Nachwuchs, der von Männern über 55 Jahren gezeugt wurde, hat ein 1,37-mal höheres Risiko zu erkranken, als Kinder, deren Väter bei der Befruchtung zwischen 20 und 24 Jahre alt waren. (Im Bild: Bruce Willis mit Tochter Mabel Ray) Sperma kann als unsichtbare Tinte benutzt werden. Es mag absurd klingen, aber der britische Geheimdienst MI6 entdeckte diese Eigenschaft von Sperma im Ersten Weltkrieg, wie der britische <a href="http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/8015180/MI6-used-bodily-fluids-as-invisible-ink.html" target="_blank">«Telegraph»</a> berichtete. . Ums Highwerden, geht es ihnen nicht. Vielmehr sorgt er laut Bochumer Forschern dafür, dass die Spermien im Genitaltrakt der Frau ihre Kopfhülle abwerfen und so überhaupt befruchtungsfähig werden: «Sie schalten die Samenzellen scharf.»

Zum Thema
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Männer mit Kinderwunsch sollten besser vom Kiffen absehen. So lautete die Empfehlung von Forschern bislang. Dies weil frühere Studien darauf hindeuteten, dass der Konsum von Cannabis die männliche Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen scheint, indem er die Qualität der Samen mindert.

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Allerdings basierte diese Untersuchung auf den Daten von Männern, die besonders viel kifften und auch sonst zu Drogenkonsum neigten. Bei Männern, die nur hin und wieder einen Joint rauchen, ist das Ergebnis ein völlig anderes. Das berichten Forscher der Harvard T.H. Chan School of Public Health im Fachjournal «Human Reproduction».

Samenproben und Selbstauskünfte

Das Team um Feiby Nassan hatte für seine Arbeit die Daten von 662 Männern mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren ausgewertet – darunter Samenproben. In einem Fragebogen gaben die Probanden zudem Auskunft zu ihrem aktuellen oder früheren Cannabiskonsum.

Demnach hatten 297 Teilnehmer (45 Prozent) keine Erfahrungen mit Marihuana, die restlichen 365 (55 Prozent) gaben an, es gelegentlich konsumiert zu haben. Elf Prozent von diesen kiffte laut eigenen Angaben nach wie vor.

Deutlich höhere Spermienkonzentration

Das Ergebnis: Die Männer mit Cannabiserfahrungen besassen eine deutlich höhere Spermienkonzentration als diejenigen ohne. Während sie 63 Millionen Spermien pro Milliliter Samen aufwiesen, waren es bei den Marihuana-Jungfrauen im Schnitt 45 Millionen. Dabei machte es keinen Unterschied, ob sie aktuell kifften oder mittlerweile davon absahen.

Weiter stellte das Team um Nassan fest, dass Männern mit Cannabiserfahrung einen leicht erhöhten Testosteronspiegel hatten.

Kein vorschnelles Interpretieren

«Die Ergebnisse widersprachen unserer ursprünglichen Annahme», so Nassan in einer Mitteilung der Hochschule. Dennoch gebe es eine plausible Erklärung dafür. So sei es möglich, dass ein moderater Cannabiskonsum die Produktion der Spermien nachhaltig fördere, während ein höherer Konsum diesen wieder zunichtemache.

Trotzdem raten die Forscher davon ab, die Ergebnisse vorschnell zu interpretieren: Es sei noch nicht klar, was Ursache und was Wirkung sei. So sei auch möglich, dass Männer mit höheren Testosteronspiegeln einfach risikobereiter seien und darum eher zu Cannabiskonsum neigten. «Somit wäre der Zusammenhang zwischen Marihuana, Spermienkonzentration und Testosteronspiegel auf die Wirkung des Hormons als Grundlage zurückzuführen», so Nassans Kollege Jorge Chavarro. Auf jeden Fall seien weitere Studien nötig, um den Zusammenhang genauer zu untersuchen.

Wer kifft, hat mehr Sex

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • alter kiffer am 06.02.2019 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geht immer

    Bin jetzt 51-jährig und kiffe seit ich 15 jahre alt bin. stolzer vater von 3 kindern (25, 23 und 15 jahre alt) und bringe ihn immer noch hoch. geniesse den sex immer noch. wenn die potenz nachlassen sollte dann wegen dem alter. denke jeder ist anders veranlagt.

  • Belmam am 07.02.2019 05:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    neue Wege, neue Ziele

    und noch eine Studie über das verbotene Kraut. legalize it

    einklappen einklappen
  • Franco am 06.02.2019 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Studie hier, Studie da

    Hab trotz exzessivem Kiffen meine Frau nach 2 Monaten unverhütetem Sex geschwängert... nur so... bin seit der Schwangerschaft clean.

Die neusten Leser-Kommentare

  • A. E. Neumann am 07.02.2019 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Überraschung

    denn schliesslich dürfte langsam jeder gemerkt haben, dass gegen Cannabis in den letzten Jahrzenten eine tendenziöse Studie nach der anderen fabriziert wurde. Reefer Madness lässt grüssen!

  • van de weed am 07.02.2019 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Lügen..

    Ich habe in den letzten Jahren so viele Lügen über Cannabis gehört, dass ich nur noch lachen kann. Ich (w/25) kiffe jeden Abend und mein Freund hat es immer noch voll drauf...dank Cannabis! Hoffe der Stoff wird bald legalisiert.

  • ...ups... am 07.02.2019 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    also amerika, dort läuft

    eh alles anders als hier, ich bin auch so ein kampf-kiffer seit über 35 jahren (um die 10 joints täglich) und habe 2 gesunde erwachsene kinder 2 uneheliche und unzählige verschiedener frauen, die leider abgetrieben werden mussten, weil wir diese immer zu zeiten mit verhütung gezeugt hatten, ich würde sagen cana-power eben...

  • Marc Scherer am 07.02.2019 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Interpretation

    Ich bin pro Legalisierung, aber diese Ergebnisse könnten auch bedeuten, dass Männer mit höherer Spermienzahl eher zu Cannabis greifen... nur so zum Thema Interpretation.

  • Soso am 07.02.2019 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll!

    Sehr sinnvolle Studie, wirklich! Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von kiffenden Forschern ersonnen... was dann ja auch wieder Rückschlüsse auf die Folgen des THC Konsums zulässt...!!