Vogelgrippe-Erreger H5N1

23. Januar 2012 08:38; Akt: 23.01.2012 08:52 Print

Ist die Arbeit am tödlichen Virus zu gefährlich?

Ein im Labor entwickeltes Supervirus sorgt für Angst: Was könnte geschehen, wenn es in die falschen Hände gerät? Die beteiligten Forscher unterbrechen vorsichtshalber ihre Arbeiten.

storybild

Das H5N1-Virus ist hochgradig gefährlich: Es tötet fast alle Vögel und bis zu 60 Prozent aller infizierten Menschen. (Bild: Keystone/AP)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Aus Angst vor Bioterrorismus haben Wissenschaftler ihre Forschungen an einem im Labor entwickelten Supervirus gestoppt. Freiwillig unterbrechen sie für 60 Tage Experimente mit der neuen Variante des Vogelgrippe-Erregers H5N1. Gesundheitspolitiker sollen in dieser Zeit Massnahmen beschliessen, damit der Erreger nicht in falsche Hände gerät.

Umfrage
Die Forscher haben die Arbeit an einem im Labor entwickelten Supervirus unterbrochen – aus Sicherheitsbedenken. Was denken Sie, sollte in dieser Situation den Vorrang haben?
28 %
72 %
Insgesamt 994 Teilnehmer

Die US-Regierung hatte im Dezember an die Forscher und Fachjournale appelliert, die Daten des Erregers unter Verschluss zu halten. Die USA und andere Länder fürchten, dass Terroristen mit dem gefährlichen und hochansteckenden Virus Biowaffen bauen könnten.

Debatten geplant

«Wir sehen ein, dass wir und andere Wissenschaftler die Vorteile unserer wichtigen Untersuchungen klar darlegen und Massnahmen zur Reduzierung möglicher Risiken vorschlagen müssen», heisst es in einer gemeinsamen Erklärung der Forscher, die von den renommierten Fachzeitschriften «Nature» und «Science» veröffentlicht worden ist.

Darin fordern die Unterzeichner, 39 H5N1-Experten aus aller Welt, ein internationales Forum zur Debatte über die Gefahren des Erregers und angemessene Gegenmassnahmen. Nach Angaben der Journale will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Experten und Behörden zu einer Konferenz Ende Februar in Genf einladen.

Der grösste internationale Wissenschaftlerverband AAAS (American Association for the Advancement of Science) werde das Thema bei seiner Jahresversammlung Mitte Februar im kanadischen Vancouver ebenfalls in Vorträgen und Seminaren erörtern, hiess es.

Hochansteckend und tödlich

Die Viren waren von Ron Fouchier (Erasmus Universität in Rotterdam/Niederlande) und Yoshihiro Kawaoka (US-Universität von Wisconsin-Madison) hergestellt worden. Beide Teams entdeckten, dass es nur weniger Mutationen bedurfte, um den tödlichen Erreger unter Säugetieren – Menschen eingeschlossen – hochansteckend zu machen.

Die Nationalen Gesundheitsforschungsinstitute (NIH) der USA hatten die Studien finanziert, um die Infektionsgefahr des H5N1- Virus besser einschätzen und Vorbeugung treffen zu können. Die Forscher wollen mit ihren Arbeiten dazu beitragen, mögliche Veränderungen des Vogelgrippe-Erregers in der Natur frühzeitig zu entdecken.

Vorsichtig agieren

Das H5N1-Virus ist hochgradig gefährlich. Es tötet fast alle Vögel und bis zu 60 Prozent aller infizierten Menschen. Seit 2003 sind weltweit fast 600 Erkrankungsfälle beim Menschen bekannt geworden.

Der Leiter des Nationalen Forschungsinstituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) der USA, Anthony Fauci, begrüsste das Moratorium der Forscher. «Wir müssen extrem vorsichtig sein, was die Sicherheit angeht. Jeder stimmt darin überein. Aber ich sorge mich auch um Überreaktionen».

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dännel am 23.01.2012 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Murphy's Law

    Wird sich hoffentlich (in diesem Fall) nicht bestätigen....

  • Rolf am 23.01.2012 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    ja, aber

    Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung. Abbrechen ist gut, einstellen aber notwendig!

  • W. Modvo am 23.01.2012 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ein im Labor entwickeltes Supervirus?

    Das, muss ja schief laufen! Ein Supervirus das plötzlich ausbricht? "Bewusst" ausbricht? Gab, gibt es nicht schon solche Zenarien!?!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anke am 26.01.2012 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nach mir die Sintflut

    Warum werden überhaupt solche Superviren entwickelt?? Warum zum Teufel wurde die Atombombe erfunden?? So ein Virus kann die ganze Menschheit auslöschen...

  • Willem am 24.01.2012 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschaftler sind auch nur Menschen

    Die Wissenschaft, die Politik und das grosse Geld bilden zusammen eine Macht, die zu allem fähig ist. Es ist nicht eine Frage ob, sondern nur wann dieses Virus auf die Menschheit losgelassen wird, denn es kommt niemand auf die Idee, es zu vernichten.

  • Echtzeit am 24.01.2012 01:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir fehlen die Worte!

    Wie hiess doch gleich die Geschichte von Stephen King in welcher ein mutierter Virus entweicht und die ganze Menschheit auslöscht?

  • root am 24.01.2012 01:10 Report Diesen Beitrag melden

    Gedankenspiel...

    Theoretisch würde ein hochansteckendes Virus mit einer Mortalitätsrate von 60% viele Probleme der Welt lösen... Die Wahrscheinlichkeit dass es als Waffe eingesetzt wird ist jedoch gleich 0, da sich die Ausbreitung von Viren nur schlecht steuern und nicht voraussagen lässt. Das wäre zu 60% Selbstmord...

    • Naja am 26.01.2012 12:26 Report Diesen Beitrag melden

      ... Stufe 2

      Gehen wir einen Schritt weiter. Die Länder mit den besten Waffentechnologen werden ein Gegenmittel finden, das sie ihrer Bevölkerung à la Tamiflu verkaufen. Dumm nur, dass zu wenig Gegenmittel für die politischen Gegner verfügbar sein wird.

    einklappen einklappen
  • J. Meyer am 23.01.2012 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    Angst verständlich, Forschung aber auch

    Die Sicherheitsbedenken und Ängste sind verständlich wie auch natürlich, vor allem, wenn sie keiner versteht. Auch ich verstehe sie nicht und habe grob gesagt Angst. Aber Forschung ist unser wichtigstes Gebiet zur Bekämpfung von verschiedenen Erregern. Ohne diese Forschung gäbe es vielleicht deutlich mehr Infizierte u wohl auch Tote. Und das Viren mutieren, ist wohl ein natürlicher Effekt u den können nur Forscher entgegnen. So gefährlich für uns Laien es auch ist, so wichtig ist auch die Forschung. Und die Forscher wollen sich sicher auch nicht anstecken, oder?