Der Alkohol fliesst

23. Mai 2012 11:19; Akt: 23.05.2012 12:17 Print

Junge trinken doppelt so viel wie angenommen

Mit einer Mobiltelefon-Befragung haben Psychologen das Trinkverhalten von jungen Schweizerinnen und Schweizern analysiert. Die Resultate sind beunruhigend.

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Viele junge Erwachsene in der Schweiz konsumieren an den Wochenenden grosse Mengen Alkohol. Vor allem an Samstagabenden schauen die 19- bis 26-Jährigen besonders tief ins Glas. Besonders männliche Personen sind dem Rauschtrinken nicht abgeneigt. Im Durchschnitt trinken sie an einem Samstagabend zwei Liter Bier, also fast doppelt so viel wie bisher angenommen. Die Folgen sind unter anderem Unfälle, Spitaleinweisungen und gewalttätige Auseinandersetzungen.

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Auch das sogenannte Warmtrinken, also das beliebte preisgünstige Trinken im privaten Kreis vor dem Besuch eines Lokals, verringert den darauf folgenden Alkoholkonsum nicht – im Gegenteil. Das zeigt ein vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstütztes Forschungsprojekt. Nicht bekannt war bisher, wie sich der Alkoholkonsum im Verlauf eines Abends entwickelt und welche Konsumformen vorherrschen – für die Prävention zentrale Fragen.

Der Psychologe Emmanuel Kuntsche und sein Team von Sucht Schweiz in Lausanne haben mit einer Mobiltelefon-Befragung das Trinkverhalten von 183 Westschweizern und -schweizerinnen – 86 Männer und 97 Frauen – im Alter zwischen 19 und 26 Jahren bestimmt. Die Teilnehmenden gaben während fünf Wochen von Donnerstag bis Samstag stündlich ihren aktuellen Alkoholkonsum an, vom frühen Abend bis Mitternacht sowie am Morgen danach. Zudem wurden sie zu Beginn der Befragung zu ihrem Konsum der letzten 30 Tage befragt.

Am Samstagabend bis zu 28 Gläser Alkohol

Die jungen Erwachsene gaben direkt am Abend gefragt einen fast doppelt so hohen Alkoholkonsum an wie rückschauend am Tag danach. Dieses Resultat ist für Kuntsche beunruhigend, weil es darauf hindeutet, dass Jugendliche wahrscheinlich doppelt so viel trinken wie bisher angenommen.

Für alle 1441 untersuchten Abende lag der Durchschnitt bei ungefähr 3 Gläsern Alkohol pro Person und Abend, wobei 1 Glas 2.5 dl Bier, 1 dl Wein oder 0.25 dl Schnaps entspricht. Die männlichen Befragten tranken durchschnittlich 5 Gläser am Donnerstag, 7 am Freitag und 8 am Samstag, mit Spitzenwerten von bis zu 28 Gläsern an einem Abend. Mädchen tranken durchschnittlich 4.5, 5 und 5.5 Gläser, maximal 25. Unterschiede zwischen den Wochentagen zeigten sich jeweils zu später Stunde: Während der Konsum pro Stunde im Verlauf der Donnerstagabende abnahm, blieb er an den Freitagabenden konstant; markant stieg er an den Samstagabenden an.

Öffnungszeiten einschränken, Preise erhöhen

Laut Kuntsche würden die Ergebnisse für die Deutschschweiz ähnlich ausfallen. Die Daten deuteten darauf hin, dass einige Jugendliche die psychoaktiven Wirkungen des Alkohols gezielt einsetzten, «um abzuschalten und dem Stress und dem Alltag zu entfliehen oder um einen Kick zu erleben und in euphorische Stimmung zu kommen».

Weil in diesen Fällen Ratschläge nicht ausreichten, empfiehlt Kuntsche zusätzliche strukturelle Präventionsmassnahmen: abends und nachts eingeschränkte Öffnungszeiten für Geschäfte, die Alkohol verkaufen, oder die Erhöhung der Preise. «Heute ist ein Vollrausch bereits ab 10 Franken erhältlich und damit selbst für Jugendliche mit kleinem Budget problemlos zu realisieren», sagt Kuntsche.

Wie halten Sie es mit dem Alkoholkonsum? Trinken Sie häufig über den Durst? Schreiben Sie uns Ihre Meinung im Talkback.

(sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ja.. Sitzen wir herum und kiffen - nichts ist gut. Unternehmen wir etwas draussen - sind wir zu laut. Bleiben wir drinnen Sitzen - sind wir zu fett und faul. Gehen wir in eine Bar sind ruhig und saufe soll jetzt auch wider nicht gut sein, was dürfen wir denn noch? Klar ein Argument: Jugendliche gehen in den Ausgang und machen Lärm.. es handelt sich dabei um eine Randgruppierung die alles ins Negative zieht - also auch kein trifiges Argument. Statistiken wie diesen sind nicht viel Wert.. Der Staat soll besser mal die realen Probleme in den Griff bekommen! – Ein Jugendlicher

Von wegen, Junge, welche nicht arbeiten und nur herumhängen. Ich (Student) arbeite durch die ganze Woche für die Uni, Arbeite nebenbei 40%, und habe das Anrecht auf Alkohol. Die Bevölkerung der Schweiz wird immer auf ihre Noxen reduziert. Klar können Langzeitschäden erscheinen, wenn ich jedoch lust habe, ein Bier zu trinken, will ich mich nicht rechtfertigen und will ich nicht teure Preise zahlen. Das sind Einschneidungen in die Autorität. Im Moment werden Zigaretten teurer, morgen wirds der Alkohol sein, übermorgen Fettnahrung. Das kanns doch nicht sein. – greg von burg

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jose Miranda am 24.05.2012 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll die Aufregung

    Ihr wundert euch wieso Jugendliche soviel trinken und rauchen? Aber sie machen doch nur nach was die Erwachsene tun! Also tut nicht so scheinheilig! Wenn du als Jugendlicher nicht rauchts, trinkts oder kiffts, dann gehörts du zur Gruppe nicht dazu und bist uncool! Zum guten Glück habe ich den Gruppendruck standgehalten!

  • l.r am 25.05.2012 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    freizeitbeschäftigung

    ich gehe in die 8. klasse. ich finde das einfach krass, wieviel an unserer schule schon besoffen waren, rauchen und nur hängen. die meisten die das machen haben kein richtiges hobby (das ist nicht böse gemeint, sie wissen nur nich was machen in ihrer freizeit). ich gehe ein paar mal in der woche trainieren und hsbe somit gar keine zeit für so was :)

  • Mandala am 23.05.2012 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nehmt nichts weg, gebt Wissen

    Zum Thema Öffnungszeiten, die sind bei uns in Chur sowieso schon extrem eingeschränkt und das ändert nichts am Konsum, den Preis erhöhen macht es nur schlimmer dann geht man vor dem Ausgang in den Denner und betrinkt sich zu Hause wie die Amis, das Problem ist die Einstellung und das fehlende Wissen über Auswirkungen! Man muss die Einstellung zum Alkohol verändern und die Kids informieren was sie sich damit antun... immer dagegenwirken ist idiotisch man muss ihnen das Wissen geben und das Selbstbewusstsein!

Die neusten Leser-Kommentare

  • l.r am 25.05.2012 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    freizeitbeschäftigung

    ich gehe in die 8. klasse. ich finde das einfach krass, wieviel an unserer schule schon besoffen waren, rauchen und nur hängen. die meisten die das machen haben kein richtiges hobby (das ist nicht böse gemeint, sie wissen nur nich was machen in ihrer freizeit). ich gehe ein paar mal in der woche trainieren und hsbe somit gar keine zeit für so was :)

  • Luca Kern am 24.05.2012 23:30 Report Diesen Beitrag melden

    Zuhause = besser??

    Leute öffnet doch die Augen.. Ich habe letztens in einer ü50 Zeitschrift einen Artikel gelesen der als "Ratschlag" zu verstehen ist. Darin steht, dass man für den Besuch einen halben Liter Wein + 2 Liter Bier bereit halten sollte als "guter" Gastgeber... Jugendliche treffen sich nunmal gerne mit Freunden und geniessen dazu ein paar Bierchen.. In der gehobenen Gesellschaft währt ihr alles schlechte Gastgeber..

  • Cedi am 24.05.2012 22:22 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenkompetenz

    Ich bin der Meinung dass ich zu viel und nicht zu wenig für meinen alkohol bezahle! Ausserdem ist das mein Geld welches ich verdient habe und ich bin der menung, dass es in meiner eigenkompetenz liegt dies zu entscheiden!

  • Jose Miranda am 24.05.2012 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll die Aufregung

    Ihr wundert euch wieso Jugendliche soviel trinken und rauchen? Aber sie machen doch nur nach was die Erwachsene tun! Also tut nicht so scheinheilig! Wenn du als Jugendlicher nicht rauchts, trinkts oder kiffts, dann gehörts du zur Gruppe nicht dazu und bist uncool! Zum guten Glück habe ich den Gruppendruck standgehalten!

  • Alexandra Kaden am 24.05.2012 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Was mich nervt..

    ist ja das hier alle in den gleichen Topf geworfen werden. ich kenne immer mehr Jugendliche die vom Alkohol abschwören, die Kiffen doof finden und sich für ihre Gesundheit einsetzen. Man kann jedes Thema so aufbauschen, dass es schockierend wirkt. Aber wenn man schon schockiert ist, sollte man überlegen was man gegen den angeblichen Missstand tun könnte.