Fiese Milbe

07. Dezember 2016 14:30; Akt: 07.12.2016 14:30 Print

Krätze auf dem Vormarsch, weil sich der Parasit tarnt

Krätze war hierzulande lange kein Thema. Doch nun breitet sie sich wieder aus. Schuld sind laut einem Dermatologen aber nicht die Flüchtlinge, wie es oft heisst.

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Die Krätze (Scabies) ist für viele eine Krankheit aus anderen Zeiten. Doch nun häufen sich die Fälle – vor allem im Westen von Deutschland, aber auch hierzulande. Verantwortlich für den juckenden Hautausschlag ... ... sind weibliche Krätzmilben (Sarcoptes scabiei). Sie leben in den oberen Hautschichten und ernähren sich von Schuppen und Zellflüssigkeit. Ihr Kot und die Eier der Tiere ... ... lösen beim Menschen eine allergische Reaktion aus. Typische Symptome: Betroffene leiden unter starkem Juckreiz, ... ... insbesondere in der Nacht. Auf der Haut bilden sich Pusteln und Knötchen, sie schuppt sich, schwillt an und ist aufgekratzt. Ein Befall mit den Milben zeigt sich vor allem an typischen Hautstellen wie den Zwischenräumen der Finger, an Handgelenken, Leisten, Ellenbogen und Knien. Besonders gerne halten sich die Krätzmilben auch im Genitalbereich auf. Dass die Krätzmilbe schuld am unerträglichen Juckreiz ist, ist erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt. Damals unterzog sich der Wiener Dermatologe Ferdinand Hebra einem Selbstversuch. Unter dem Mikroskop beobachtete er, wie sich die Krätzmilbe durch seine Haut pflügte. (Im Bild: Bohrkanal einer Milbe am Fuss, der Parasit ist links oben als dunkler Punkt erkennbar) Doch woher kommt der derzeitige Anstieg der Krätzefälle? Eine Rolle könnten dabei Flüchtlinge spielen. Auf ihrem Weg in die Schweiz kommen sie an jeder Menge unhygienischer Orte vorbei, ... (im Bild: Flüchtlinge bei Idomeni) ... wo sie die für das Jucken verantwortlichen Krätzmilben aufgabeln könnten. Bereits im November 2015 machte der St. Galler Kantonsarzt Markus Betschart seine Kollegen darauf aufmerksam, dass sich die Hautkrankheit unter Asylsuchenden ausbreite. Doch dies ist nur ein Teil der Wahrheit: Laut Bernhard Korge, Dermatologe und Lehrbeauftragter an der Universität Köln, arbeitet die Scabies-Milbe heutzutage unauffälliger als früher: Die Erkrankung ähnele heute mehr einem Hautekzem. Dadurch lässt sich der Ausschlag nicht mehr eindeutig der Krätze zuordnen. Deshalb dauert es länger, bis die Diagnose gestellt wird. Damit haben die Betroffenen mehr Gelegenheit, andere Menschen zu infizieren. Denn übertragen wird die Krätze bei innigem Körperkontakt, ... ... etwa wenn man im gleichen Bett schläft. Eine Infektion ist zwar äusserst unangenehm, doch problemlos behandelbar. Lautet die Diagnose Krätze, verschreiben Mediziner in der Regel eine Salbe, die mehrmals aufgetragen werden muss. Nach Beginn der Therapie heilen die Hautveränderungen innerhalb weniger Wochen ab. Um einen Rückfall zu vermeiden, müssen zudem alle Textilien, mit denen der Betroffene in Kontakt gewesen sein könnte, bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Stoffe, bei denen Waschen nicht möglich ist, kommen für mehrere Tage in einen verschlossenen Plastiksack. Für die Krätzmilbe ist der Kontakt mit der menschlichen Haut lebenswichtig. Ohne ihn stirbt sie in der Regel nach drei bis fünf Tagen.

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Viele Jahre war es still geworden um die Krätze (Scabies). Doch jetzt kehrt die juckende Hautkrankheit (siehe Box) zurück. Vor allem Grossstädte im Westen von Deutschland sind betroffen. Auch in der Schweiz werden immer wieder Fälle bekannt. Dafür gibt es laut Dermatologen mehrere Gründe.

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Haben Sie schon einmal die Krätze gehabt?
5 %
9 %
4 %
82 %
Insgesamt 3402 Teilnehmer

Eine Rolle könnten dabei Flüchtlinge spielen. Denn auf ihrem Weg in die Schweiz kommen sie an jeder Menge unhygienischer Orte vorbei, wo sie die für das Jucken verantwortlichen Krätzmilben (Sarcoptes scabiei) aufgabeln könnten.

Bereits im November 2015 machte der St. Galler Kantonsarzt Markus Betschart seine Kollegen darauf aufmerksam, dass sich die Hautkrankheit unter Asylsuchenden ausbreite.

Parasit tarnt sich neuerdings

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit: Laut Bernhard Korge, Dermatologe und Lehrbeauftragter an der Universität Köln, arbeitet die Scabies-Milbe heutzutage unauffälliger als früher. «Das klinische Erscheinungsbild der Erkrankung hat sich verändert», zitiert ihn die «Welt». Es ähnele jetzt mehr einem Hautekzem.

Weil die Symptome dadurch nicht mehr eindeutig der Krätze zuzuordnen sind, dauere es länger, bis die Diagnose gestellt wird. Somit haben die unwissenden Betroffenen mehr Gelegenheit, andere Menschen zu infizieren. Auch dies könnte laut Korge ein Grund für die zunehmende Verbreitung der Krankheit sein.

«Für eine Ansteckung muss man sich sehr nahe kommen», sagte Hausarzt Reto Gross vor einiger Zeit zu 20 Minuten. Denn übertragen wird die Krätze bei innigem Körperkontakt, etwa wenn man im gleichen Bett schläft, aber auch in unhygienischen Verhältnissen.

Wie sich Krätze äussert und man den juckenden Ausschlag wieder loswird, erfahren Sie in der Bildstrecke.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hypo Chonder am 07.12.2016 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Muss nicht sein

    Wir müssen wirklich aufpassen in Europa. Immer mehr Krankheiten kommen wieder auf. Aufgrund mangelnder Impfungen/Hygiene, durch Import aus Ferien oder durch Flüchtlinge oder aufgrund unseres Sexualverhaltens. PS: bin ich der einzige den es im Anschluss an den Artikel juckt?

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  • Serge H. am 07.12.2016 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Titel stimmt nicht mi Artikel überein

    Der Artikel sagt aber was anderes aus als der Titel. Nun die alten neuen Infektionskrankheiten treffen wohl nur diejenigen, welche ihre Kinder in eine öffentliche Schule oder Betreuungseinrichtung schicken müssen. Also ist es unseren Politikern wieder einmal "wurscht". Danke für diese Bereicherung.

  • Manu ZH am 07.12.2016 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Ärtzte kennen Krätze nicht

    Das Hauptproblem: Es dauert teilweise Monate bis Jahre bis die Ärtzte erkennen das es sich um die Krätze handelt. Und manche Ärtzte untersuchen einem nicht mal dann auf die Krätze wenn man sie darauf hinweist. Selber mehrfach erlebt .Zudem ist das beste Medikament gegen Krätze in der Schweiz nicht zugelassen. Man behilft sich meistens mit anti Laus Shampoo... Und das in einem Hochentwickelten Land. Scheinbar haben die Ärtze in der Umgebung der Zürcher Goldküste das Gefühl das es hier sowas wie die Krätze nicht geben kann oder nur Flüchtlinge betroffen sind...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 31 am 07.12.2016 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jucken

    Das krazen macht's nur schlimmer

  • Steinwerfer am 07.12.2016 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Da kann ich mich aber freuen :(

    Ich leide unter Schuppenflechte und die ist an den Händen und Ellenbogen sichtbar... Ab jetzt denkt denn wohl wieder jeder Schlauberger, ich hätte Scabies und ich sollte doch besser auf meine Hygiene achten. Untersucht doch die Flüchtlinge und behandelt Sie! Scabies sind nun wirklich nicht soooo schwer zu behandeln.

    • psylognom am 08.12.2016 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Steinwerfer

      schuppenflechte. hatte ein kolleg. er las mal das man das auf natürliche art behandeln kann. sein ganzer körper war betroffen. ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber glaube was mit naturjoghurt. damit streichte er sich ein. aber muss nochmals bei ihm nachfragen. aber es bewirkte wunder. nicht so wie die cortison verseuchte bodylotion vom arzt verschrieben. gebe dir gerne bescheid, wenn ich die details genauer kenne.

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  • psylognom am 07.12.2016 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ewiger juckreiz

    hatte die krätze in genf in der armeekaserne eingefangen.. war gar nicht lustig. und es waren viele davon betroffen. da sieht man wie es das militär mit der hygiene und sicherheit sieht. meine nur die hirnhaut entzündung kommt im militär häufiger vor, wie von zecken.

  • Cäcilia am 07.12.2016 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Die Nerven liegen blank

    Dieses Kratzen ist oft eine innere Unruhe der Nerven. Durch das Jucken wird zuviel gekratzt bis es blutet. Dadurch entstehen offene Wunden. Bitte sofort behandeln ansonsten entstehen Ekzeme durch Schmutz und Umwelt. Hatte selber schon damit zu kämpfen, auch im Alter.

  • Hypo Chonder am 07.12.2016 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Muss nicht sein

    Wir müssen wirklich aufpassen in Europa. Immer mehr Krankheiten kommen wieder auf. Aufgrund mangelnder Impfungen/Hygiene, durch Import aus Ferien oder durch Flüchtlinge oder aufgrund unseres Sexualverhaltens. PS: bin ich der einzige den es im Anschluss an den Artikel juckt?

    • P.S. aus B am 07.12.2016 16:40 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt so nicht

      @Hypo Chonder: was hat das bitte schön mit impfen zu tun? Rein garnichts...!!!!

    • Chlempi am 07.12.2016 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hypo Chonder

      Nö, mich juckt es auch.

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