Wundermittel im Netz

06. Juni 2011 08:31; Akt: 06.06.2011 11:51 Print

Krank statt schlank

Swissmedic warnt vor Arzneimitteln, die via Internet vertrieben werden. Das Heilmittelinstitut untersuchte 122 Schlankmacher. Die meisten davon enthalten gefährliche Substanzen.

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122 Proben von verschiedenen Schlankheitsmitteln untersuchte das Schweizer Heilmittelinstitut. Das Resultat ist ernüchternd: Die Analysen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Produkte schwere Qualitätsmängel aufweisen. Ausserdem enthielten fast 90 Prozent der Schlankheitsmittel Wirkstoffe, welche die Gesundheit gefährden. Die Proben stammen aus illegalen Arzneimittelimporten, welche die Eidgenössische Zollverwaltung letztes Jahr beschlagnahmt hat, wie das Schweizerische Heilmittelinstitut am Montag mitteilte. Vor deren Vernichtung untersuchte sie Swissmedic im Labor.

Lebensgefährliche Dosierung

So fand sich in vielen Produkten der Wirkstoff Sibutramin, der vor mehr als einem Jahr weltweit vom Markt zurückgezogen wurde, weil er Herz-Kreislauf-Komplikationen verursachen kann. In einzelnen Proben fand sich das Dreifache der früher zugelassenen Dosierung, was lebensgefährlich ist.

Rimonabant, ein weiterer Wirkstoff zum Gewichtsverlust, ist ebenfalls wegen des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses international von Arzneimittelbehörden zurückgezogen worden. Trotzdem wird auch dieser Wirkstoff vor allem in chinesischen Betrieben noch hergestellt und auf illegalen Internetplattformen angeboten.

Ein Drittel der untersuchten Proben waren als rein pflanzlich deklariert, enthielten jedoch chemische Inhaltsstoffe. Zunehmend werden - nicht nur in der Schweiz - solche Produkte aus dem Internet bestellt. Sie würden zu «erschreckend günstigen Preisen verkauft», schreibt Swissmedic.

Als Genussmittel präsentiert

Swissmedic wurden letztes Jahr von Partnerbehörden 74 als pflanzlich angepriesene Schlankheitsmittel gemeldet, die alle Sibutramin enthielten, meist in gefährlicher Dosis. Diese Produkte tragen oft asiatische Namen, und die Kapseln sind meist ansprechend verpackt, zum Teil werden sie als Genussmittel wie Tee oder Kaffee präsentiert.

Swissmedic warnt erneut eindringlich davor, im Internet Arzneimittel zu bestellen, da diese die Gesundheit massiv gefährden können. Das Heilmittelinstitut erinnert zudem daran, dass es Privatpersonen gesetzlich verboten ist, aus dem Ausland grössere Mengen Arzneimittel in die Schweiz zu importieren.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alexander Kasper am 06.06.2011 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    selbst schuld

    irgendwie logisch das ganze oder?

  • G. O. am 06.06.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schlankmacher ...

    ... werden meist aus den US importiert wo die Regelung etwas lockerer ist. Auf der anderen Seite kann sich in der Schweiz jeder billig und unwissend Tabletten kaufen, welche gesundheitsschädlich sind. Wichtig ist wenn solche Produkte importiert werden diese auch von einem Doktor in der Schweiz bzw. dem jeweiligen Land individuell geprüft werden.

  • thurgauer am 06.06.2011 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Gesunder Menschenverstand

    Erstens kennt man die Problematik der Arzneimittelimporte. Was mich hingegen befremdet ist dass es (wieder mal !) für Privatpersonen verboten ist grössere Mengen Arzneimittel zu importieren. Gesetzlicher Heimatschutz für unsere notleidende Pharmaindustrie oder die Grossimporteure ? Oder schlicht Abzockerei ?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Darko am 06.06.2011 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    da steckt die Pharma-Lobby dahinter

    Leider werden oft Indische Generika Produkte zweifelhafter Qualität bei diesen meist dubiosen Internetshops verkauft, da hier die Margen am grössten sind. Es kann druchaus "sicher" gespart werden und zwar mit einem Vor-Ort Einkauf in einer Apotheke im Ausland, die Preise sind bei mir bekannten Produkten durchs Band ca. 10x mal tiefer, so kostet 1 Amp von XY hier CHF 22.- und im Ausland kriegt man diese für CHF 1.45 in der Apotheke.

  • Erwin Bene am 06.06.2011 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Konsumenten sind nicht blöd!

    Hier geht es doch vor allem um's Geld! Unsere Pharmas wollen einfach, dass wir ihre überteuerten Mittelchen in den Läden abkaufen. Dafür wird die günstigere Konkurrenz im Internet madig gemacht und mit Horrornachrichten die Käufer vertrieben. Ganz klar.

  • toine us züRI am 06.06.2011 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    ach ja...

    Swissmedic kommt reichlich spät mit dieser Erkenntnis!

  • Martin am 06.06.2011 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Swissmedic = Zulassung

    Vielleicht müsste man an dieser Stelle mal erwähnen, dass die Swissmedic für die ZULASSUNG zuständig ist und nicht für den Preis (das ist die Aufgabe des BAG). Ausserdem ist kaum der Preis der Grund, weshalb die Medikamente im Internet bestellt werden, sondern weil Magersüchtige (im Idealfall) solche Medikamente vom Arzt nicht verschrieben kriegen.

  • Patrick Keller am 06.06.2011 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ist nur gut gemeint

    Dient lediglich zum Selbstschutz der Bevölkerung, welche das Gefühl hat mit "Internethalbwissen" ausreichend informiert zu sein. Wer keine fundierte akademische Ausbildung hat Hände weg oder aber die Konsequenzen selber tragen.