Stärkung der Abwehr

17. Mai 2016 18:58; Akt: 17.05.2016 18:58 Print

Kranksein macht gesund

Durch akute Infektionen wird der Körper nicht etwa geschwächt, sondern überraschenderweise gestärkt. Verantwortlich dafür ist das Stoffwechselprodukt Acetat, wie eine Basler Studie zeigt.

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Infekt setzt Stoffwechselprodukt Acetat in höherer Konzentration frei: Wer krank ist, greift oft auf Medikamente zur Symptombekämpfung zurück. (Bild: Keystone/Gaetan Bally/Archivbild)

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Wer akut krank wird, fühlt sich schlecht, hat keinen Appetit mehr, bekommt Fieber und verkriecht sich im Bett. Was dabei im Stoffwechsel passiert, haben Forschende am Departement Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel untersucht. Die Fachzeitschrift «Immunity» hat ihre Resultate am Dienstag publiziert.

«Krank sein macht gesund», fasst das Universitätsspital die Erkenntnisse der Studie in einer Mitteilung zusammen. Demnach nehmen die Zellen den bei Infekten veränderten Stoffwechsel genau wahr, passen ihre Funktion an das Gefahrenniveau im Körper an und sorgen dafür, dass das Abwehrsystem hochgefahren wird.

Funktionierendes Alarmsystem

Die Forschenden haben folgenden molekularen Mechanismus beobachtet: Bei einem akuten Infekt wird das Stoffwechselprodukt Acetat, welches im Blut vorhanden ist, in höherer Konzentration freigesetzt. Als Folge davon wird die Funktion einer wichtigen Gruppe von Abwehrzellen, nämlich der Gedächtniszellen, verstärkt.

Die Gedächtniszellen realisieren, dass der Organismus krank ist. Sie steigern dank dem Acetat ihre Abwehrleistung und eliminieren idealerweise die infizierten Zellen.

Studienleiter Christoph Hess vergleicht diesen Mechanismus mit einem Alarmsystem: «Bei einem akuten Infekt fahren die Gedächtniszellen auf Alarmstufe Rot hoch. Geht das Fieber zurück, stellen die Gedächtniszellen wieder auf Bereitschaftsdienst um», wird Hess in der Mitteilung zitiert.

Acetat-Infusionen als mögliche Therapie

Das Basler Forschungsteam hat herausgefunden, dass die Gedächtniszellen ihre Funktion besser wahrnehmen, wenn sie mit Acetat versorgt werden. Die Forschenden haben Daten zu bakteriellen Infektionen erhoben, doch gehen sie davon aus, dass der Mechanismus prinzipiell auch bei viralen Infektionen funktioniert.

Mögliche Anwendungsgebiete sehen sie bei der Behandlung von schweren bakteriellen Infektionen wie Lungen- oder Hirnhautentzündungen. Es könne beispielsweise evaluiert werden, ob Acetat-Infusionen, welche sich bei Säure-Base-Störungen bereits bewährt hätten, auch als Therapie bei akuten Infektionen zum Einsatz kommen könnten.

(bee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gian am 17.05.2016 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Erkenntnis

    Für mich ist das der Beweis das eine Grippe mit Tee auskuriert werden sollte damit der Körper sich überhaupt erst stärken kann... Medis bekämpfen Symptome und somit schaden sie dem Körper in dem Sie ihn seine "Arbeit" nicht machen lassen ...

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  • Rafael am 17.05.2016 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Aehm

    Ist doch nichts neues? Das Problem ist, dass heute jeder, eine noch so kleine, Grippe mit 17 Tabletten am Tag kurieren mag.

  • Andy am 17.05.2016 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oO

    Und wenn die Krankheiten immer mit Antibiotika behandelt werden, wird der Mensch schneller sterben, da die Bakterien immer resistenter werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc am 18.05.2016 01:59 Report Diesen Beitrag melden

    Medieneuphorie

    "Kranksein macht gesund" wie kommt man auf diese Schlussfolgerung? Der Titel dieses Artikel ist irreführend und falsch. Was rausgefunden wurde ist, dass für eine optimale Funktion von bestimmte Zellen (memory cells) erhöhte Acetatkonzentrationen, was durch stress verursacht wird, gebraucht wird. Vielmehr sollte es heissen: "Stress durch Infektionen aktivieren bestimmte Zellen und ermöglichen eine optimale Immunantwort". Nichts neues ausser für diesen spezifischen Fall (memory cells - Acetat).

  • Carmali am 18.05.2016 00:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habs geahnt

    Da hab ich meine ganz eigene Medizin:> hilft immer, auch als Tee.:)

  • R. Walther am 17.05.2016 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War als Kind oft krank

    Ich war als Kind ziemlich oft krank. Im Erwachsenenalter ist es nun umgekehrt: Die meisten Grippewellen der letzten Jahre habe ich ohne (merkliche) Anzeichen überstanden und wenn dann hatte ich höchstens ein paar Tage leichtes Fieber. Das dies etwas mit meiner Krankheitsgeschichte in der Kindheit zu tun haben könnte, habe ich schon lange vermutet.

  • R. S. am 17.05.2016 21:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber das weiss man schon lange

    Bettruhe, Bettruhe und nochmals Bettruhe. In der modernen Zeit schmeisst jeder dem Chef zuliebe sofort Antibiotika ein und wundert sich dann, dass es ihn immer wieder erwischt. Man lege sich ins Bett, sorge für genügend Flüssigkeitszufuhr um auszuschwemmen und esse Zwieback wie früher, gebe dem Körper die Zeit die er braucht um sich selber zu kurieren. Auch gegen Husten gibt es genügend Hausmittel. Erst wenn es echt schlimm wird, weil der Organismus schon vorgeschädigt ist zum Arzt.

    • den körper machen lassen und relaxen am 18.05.2016 08:40 Report Diesen Beitrag melden

      mitschuld der ärzte

      ich werde beim arzt immer ganz schräg angeschaut, wenn ich dort max. 1x im jahr auftauche und einfach nur ein arztzeugnis will und keine medis. die drängen einem div. pülverchen und tabletten geradezu auf. dabei gibt es in meinen augen fast nix besseres als ein heisses bad mit ätherischen ölen bei einer grippe/erkältung. man wird ohnehin nicht schneller gesund mit medis. man unterdrückt einfach nur die symptome. dabei haben diese "symptome" sehr wichtige funktionen! die giftstoffe, die den körper eigentlich verlassen sollten, lagern sich so halt einfach ab. irgendwann rächt es sich dann.

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  • Antonell am 17.05.2016 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständlich, aber schon bekannt und nix neues

    Das erklärt sich so ein bischen, warum in der Pflege soviele Krankheitstage anfallen. Das Personal härtet sich ab. Und wieso impfen lassen, wenn das Immunsystem für Schutz sorgt und es mundschutz gibt....???

    • Der Pfleger am 17.05.2016 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Antonell

      Grippe-Impfung ist für Risikogruppen, welche ein eingeschränktes Abwehrsystem haben. Menschen ab 60 sollten es tun, schwangere in Absprache mit dem Arzt. etc.! Die Grippe-Impfung hat schon sehr viele Menschen vor dem frühzeitigen Tod geschützt!

    • Sanitäter am 17.05.2016 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Pfleger

      ich finde auch das Babys und ältere Menschen ab 60 sich impfen können. Aber hier meine Frage: der Impfschutz bezieht sich ja immer auf ein oder zwei Grippenzyklen zurück. Welchen Schutz hat dann die Impfung zu einer aktuellen Grippe. Und, ich bin der Meinung, dass sich Menschen zu viel Tabletten reinstopfen als es gut ist. Die Körper eigenen natürlichen Abwehrstoffe gehen so verloren, oder können nicht entstehen. Vor allem eben bei Jungen und Mittelaterlichen Generationen. Würde gerne von Ihnen lesen - danke

    • Der Pfleger am 17.05.2016 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sanitäter

      Die Weltgesundheits-Organisation verfolgt die weltweite Viren-Entwicklung. So können Grippe-Viren und deren Verlauf (erahnt) werden. Bis zu einem hohen Prozentsatz srtzen sich diese dsnn auch ein.

    • Anatoll am 17.05.2016 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Pfleger

      Du schreibst, "erahnt".... Wie komisch, das die Grippe Zahl trotz Impfleistung statistisch steigt und der Schutz laut WHO "nur bedingt" vor der ersten Mutation hilft. Also was hilft impfen, wenn die Grippe Welle erst im Februar/März ihren Höhepunkt hat...??? Immungeschwächte, ältere und Kinder, gern. Aber ich trage lieber mundschutz und lass meinen Körper machen. Da hab ich lebenslangen Impfschutz, statt synthetisch hergestellte Eiweiße

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