Neue Studie

12. September 2012 22:42; Akt: 12.09.2012 22:43 Print

Krebs kann schon Babys traumatisieren

Bereits die Diagnose Krebs ist ein Schock, und auch die Behandlung kann sehr belastend sein. Bei jedem fünften Kleinkind und jedem zehnten Säugling führt dies zu einer Traumastörung.

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Infografik: Tödliche Krankheit Krebs

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Sie leiden an Alpträumen, Flashbacks oder wiederholen die traumatischen Erlebnisse immer wieder im Spiel: Kinder, die durch die Diagnose und die Behandlung von Krebs traumatisiert sind. Eine Studie des Kindespitals Zürich hat die Problematik erstmals untersucht.

Im Rahmen der Studie hatte das Team um den Psychologen Markus Landolt vom Kinderspital Zürich insgesamt 48 Mütter befragt, deren Kinder an Krebs erkrankt waren. Die Kinder hatten sehr belastende Behandlungen wie Operationen, Chemo- oder Radiotherapie durchgemacht, wie die Universität Zürich am Donnerstag mitteilte.

Jedes fünfte Kleinkind und jeder zehnte Säugling litten danach an einer ausgewachsenen kleinkindlichen posttraumatischen Belastungsstörung, wie die Forscher im Fachblatt «Psycho-Oncology» berichten. Bei weiteren 20 Kindern (41,7 Prozent) stellten sie zumindest einen Teil der Symptome einer Belastungsstörung fest.

Langfristige Störungen

Am häufigsten waren Symptome des Wiedererlebens und Ängste. Kinder über 18 Monate hatten ein deutlich höheres Risiko für eine Störung als jüngere Kinder. Wenn die Mutter selbst eine Traumastörung aufwies, stieg auch das Risiko für die Kinder. Dabei spielte es keine Rolle, welche medizinischen Behandlungen durchgeführt worden waren.

«Unsere Befunde zeigen, dass eine Krebserkrankung und deren Behandlung auch im Säuglings- und Kleinkindalter traumatisierend wirken kann», erklärt Landolt gemäss der Mitteilung. Die Kinder könnten langfristige Störungen entwickeln, welche ihre Entwicklung beeinträchtigen.

Kindgerechter Spitalalltag

Um dies zu verhindern, müsse noch besser darauf geachtet werden, dass potenziell belastende Behandlungen wie die Knochenmarkpunktion möglichst kinderfreundlich und schmerzfrei durchgeführt werden, empfiehlt der Psychologe.

Zudem sollten alle Massnahmen gefördert werden, die das Sicherheitsgefühl des Kindes im Spital und während der Behandlung verbessern und damit die Angst reduzieren.

Dafür brauche es zwingend speziell für das Kindesalter geschultes Personal und eine kindgerechte Infrastruktur. Nicht zuletzt sollen auch die Eltern als absolut wichtigste Bezugspersonen und Ressourcen des Kindes während der Erkrankung des Kindes möglichst gut psychologisch unterstützt werden.

Die Studie wurde von Oncosuisse und der Claus Cramer Stiftung finanziell unterstützt.

(sda)