Aus Versehen

27. November 2019 19:46; Akt: 27.11.2019 19:50 Print

Frau (26) infiziert sich mit pockenähnlichem Virus

Eine US-Laborantin hätte sich impfen lassen können, lehnte den Piks aber ab – aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen. Das sollte sie bereuen.

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Eine Infektion mit Pockenviren (Variola major und Variola minor) kann schwere Folgen haben. Durch ihre hohe Infektiosität und Mortalität gehört die Erkrankung zu den gefährlichsten des Menschen. Die Übertragung der Viren erfolgt laut Bundesamt für Gesundheit durch Tröpfchen auf kurze Entfernung, durch direkten Kontakt mit Verletzungen (Haut, Mund und Rachen) oder indirekt über kontaminierte Gegenstände. Die ersten Symptome treten nach etwa 10 bis 14 Tagen auf: plötzliches Fieber, Unwohlsein sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Nach 2 bis 4 Tagen erscheinen kleine rote Punkte auf der Zunge und im Rachen. Dann tritt ein Hautausschlag auf, der im Gesicht beginnt und sich rasch ausbreitet. Unbehandelt liegt die Sterblichkeit bei etwa 30 Prozent. Doch dank einem rigorosen Impfprogramm der WHO gelten Pocken seit dem Jahr 1980 als ausgerottet. (Im Bild: ein mit Pocken infiziertes Kind, Bangladesch, 1973) Es gibt weltweit nur zwei Laboratorien, die Variolaviren zu Forschungszwecken aufbewahren dürfen: das Vektor Institut in Nowosibirsk, Russland, und das Center for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta, USA. Trotz aller Vorkehrungen ist es in den USA zu einer Ansteckung gekommen. Eine Laborantin infizierte sich aus Versehen mit einem gentechnisch verändertem Stamm pockenähnlicher Viren. Eigentlich hatte sie die Viren einer Labormaus injizieren wollen. Wie bei einer Infektion mit echten Pockenviren ... ... traten nach 10 Tagen die ersten Symptome auf: An der Einstichstelle bildeten sich für Pocken typische Bläschen. Dann kamen noch Fieber, geschwollene Lymphknoten in der linken Achselhöhle, Unwohlsein und Schmerzen hinzu. Zudem formte sich ein Ödem. (Im Bild: der Finger an Tag 11) Doch dabei blieb es nicht. So entwickelte sich an ihrem Finger ein Kompartmentsyndrom, bei dem zunehmender Druck im Gewebe zu einer Verminderung der Durchblutung führt. Im Fall der Amerikanerin kam es sogar zum Absterben des Gewebes (Nekrose). (Im Bild: der Finger an Tag 25) Um Schlimmeres zu vermeiden, spritzten ihr die Mediziner am 12. Tag eine hohe Dosis Vaccinia-Antikörper, die Grundlage aller Pockenimpfstoffe. Zudem verschrieben sie ihr eine zweiwöchige Therapie mit Tecovirimat. (Im Bild: der Finger an Tag 57) Dabei handelt es sich um einen antiviralen Wirkstoff, der noch nie zuvor zur Behandlung eines Menschen eingesetzt wurde, weil Pocken als ausgerottet gelten. Entwickelt worden war Tecovirimat, um auf einen eventuellen Einsatz des Pockenerregers als biologischer Kampfstoff vorbereitet zu sein. Die Premiere glückte: Zwar hatte die Patientin mit leichten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Muskelschmerzen und Juckreiz zu kämpfen, aber innerhalb von 48 Stunden bildeten sich die Symptome zurück. Lediglich die Nekrose dauerte 94 Tage an. (Im Bild: der Finger an Tag 94) Dass es zu einer Infektion kam, hat sich die Amerikanerin laut CDC selbst zuzuschreiben. So hatte der neue Arbeitgeber ihr noch vor Arbeitsantritt angeboten, sich gegen das Pockenvirus impfen zu lassen. Dies habe sie aber aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen der Immunisierung abgelehnt. Doch der Fall hat auch etwas Gutes, wie die CDC schreibt. Demnach habe er gezeigt, dass die Kombination aus Tecovirimat und Vaccinia-Antikörper eine Pockeninfektion beim Menschen abklingen lasse. Dennoch sei es sicherer, Personen, die mit pockenähnlichen Erregern zu tun hätten, im Voraus zu impfen.

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Die 26-jährige Amerikanerin hatte gerade erst angefangen in einem Hochsicherheitslabor zu arbeiten, als es zu einem folgenschweren Zwischenfall kam: Sie infizierte sich mit einem gentechnisch veränderten Stamm pockenähnlicher Viren.

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Dies aus Versehen, wie die US-Seuchenschutzbehörde CDC im «Mobidity and Mortality Weekly Report» schreibt. Eigentlich habe sie die Viren einer Labormaus injizieren wollen.

Erste Symptome nach zehn Tagen

Als Sofortmassnahme spülte die Laborantin die betroffene Stelle 15 Minuten unter fliessendem Wasser aus und informierte ihren Vorgesetzten über den Vorfall. Dieser beurlaubte sie augenblicklich und schickte sie in die Notaufnahme. Dort konnten die Ärzte jedoch nicht viel ausrichten. Auch vor der Gefahr, andere anzustecken, warnten sie ihre Patientin nicht.

Nach zehn Tagen traten dann die ersten Symptome auf. So hatten sich an der Einstichstelle einige für Pocken typische Bläschen gebildet. Nach weiteren zwei Tagen kamen Fieber, geschwollene Lymphknoten in der linken Achselhöhle, Unwohlsein und Schmerzen hinzu. An ihrem Finger hatte sich zudem ein Ödem gebildet (siehe Bildstrecke).

Gewebe stirbt ab

Daraufhin übernahmen Seuchenexperten von der CDC. Diese zeigten sich beunruhigt über die rasch voranschreitenden Probleme der 26-Jährigen, wie es im Fallbericht heisst. So entwickelte sich an ihrem Finger ein Kompartmentsyndrom, bei dem zunehmender Druck im Gewebe zu einer Verminderung der Durchblutung führt. Im Fall der Amerikanerin kam es sogar zum Absterben des Gewebes (Nekrose).

Ein weiteres Problem aus Sicht der Experten: Die Frau hatte sich nicht gemerkt, mit welchem Virenstamm sie zum Zeitpunkt des Unfalls hantiert hatte. Darum konnte niemand den weiteren Verlauf der Infektion vorhersagen.

Wirkstoff erstmals am Menschen getestet

Um Schlimmeres zu vermeiden, spritzten ihr die Mediziner am 12. Tag eine hohe Dosis Vaccinia-Antikörper, die Grundlage aller Pockenimpfstoffe. Zudem verschrieben sie ihr eine zweiwöchige Therapie mit Tecovirimat. Dabei handelt es sich um einen antiviralen Wirkstoff, der jedoch noch nie zuvor zur Behandlung eines Menschen eingesetzt wurde. Dies, weil Pocken seit 1980 als ausgerottet gelten (siehe Box). Entwickelt worden war Tecovirimat, um auf einen eventuellen Einsatz des Pockenerregers als biologischer Kampfstoff vorbereitet zu sein.

Die Premiere glückte: Zwar hatte die Patientin mit leichten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Muskelschmerzen und Juckreiz zu kämpfen, aber innerhalb von 48 Stunden bildeten sich die Symptome zurück. Lediglich die Nekrose dauerte 94 Tage an. Deshalb – und um eine Übertragung des Virus auszuschliessen – wurde die Patientin etwa vier Monate von der Arbeit ausgeschlossen.

Fall hat auch Positives

Dass es überhaupt zu einer Infektion gekommen ist, hat sich die 26-Jährige gemäss den Informationen der CDC selbst zuzuschreiben. So hatte der neue Arbeitgeber ihr noch vor Arbeitsantritt angeboten, sie gegen das Pockenvirus impfen zu lassen. Dies habe die Laborantin jedoch aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen der Immunisierung abgelehnt.

Doch der Fall habe auch etwas Gutes, wie die CDC schreibt. Demnach habe er gezeigt, dass die Kombination aus Tecovirimat und Vaccinia-Antikörper eine Pockeninfektion beim Menschen abklingen lässt. Dennoch sei es sicherer, Personen, die mit pockenähnlichen Erregern zu tun hätten, im Voraus zu impfen.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Farsight am 27.11.2019 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    best Aussage

    zu diesem Thema: die Leute fürchten sich vor den Nebenwirkungen, weil sie vergessen haben wie schlimm diese Krankheiten sind.

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  • Marc am 27.11.2019 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selten doof

    Tja, also wenn ich in einem Hochsicherheitslabor arbeiten würde, würde ich mich bestmöglich impfen lassen. Und bei einer Infizierung gehört sie sofort ins Spital in eine Quarantänestation. Der Vorfall hätte sowieso sofort den Behörden gemeldet werden müssen.

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  • Klara am 27.11.2019 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragen? Machen!

    Das sollte keine Frage sein!!! Wer im Labor mit Viren hantiert soll sich impfen müssen. Wer weiss, wen sie sonst alles noch hätte anstecken können?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • V.R. am 28.11.2019 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    War lässt man Sie überhaupt Arbeiten???

    Toll, dank Impfkritikern werden nun alle aufgescheucht und verängstigt wie eine Herde Schafe. Wenn mein Arbeitsgeber mir sagen würde: "Hey, wir arbeiten mit einem genetisch Veränderten Magalodon-Hai und der beste Schutz ist ein Stahlkäfig mit Stacheldraht" und ich antworten würde "Nein danke, ich habe Angst dass der Stacheldraht meine Arme zerkratzt" dann würde ich ganz sicher nicht ins Wasser gelassen werden. Himmel, man würde mich nicht einmal in die Nähe des Schiffs lassen! Hier hat der Arbeitsgeber einfach versagt.

    • HerrLassEsHirnRegnen am 28.11.2019 21:32 Report Diesen Beitrag melden

      Ein schlechter Vergleich

      der Stahlkäfig mit Stacheldraht entspricht nicht etwa der Impfung, sondern dem Hochsicherheitslabor und der Super-Virus ist der Magalodon-Hai ist. Vermutlich gibt es solche die denken dass man sich gegen den Magalodon-Hai impfen kann und dieser dann nach einem Biss von einem selbst ablassen würde, vergisst aber dass ein Biss des Magalodon-Hai schon mehr als ausreicht durch die Verletzung des Bisses den Tod herbeizuführen.

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  • Virola am 28.11.2019 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    menschliches Versuchskaninchen

    Ups, da wurde unverhoft am Menschen getestet... Das ist auch eine Möglichleit die Wirksamkeit zu testen.

  • Aufgewachter am 28.11.2019 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Extrembeispiele

    Immer diese Extrembeispiele. Und Impfbefürworter sehen sich dadurch auch noch in ihrer Ansicht bestätigt. Zeigt, dass eine Impfung gegen Dummheit längst überfällig ist. (Oh, der letzte Satz wird wohl vom einen oder anderen Befürworter nicht verstanden werden ...)

    • Toni D am 28.11.2019 13:09 Report Diesen Beitrag melden

      Impfgegner

      sind wandelnde Bio-Zeitbomben. Leute die dafür sorgen, dass gewisse Krankheiten nie ganz aussterben werden. Esotherischer Schwachsinn.

    • Peter M am 28.11.2019 13:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Aufgewachter

      Vielen dank, denn du bist damit mitverantwortlich, dass gewisse Krankheiten nicht ausgerottet werden können. In nicht allzunaher Zukunft werdet genau IHR dafür sorgen, dass Millionen von Menschen sterben werden. Danke.

    • Aufgewachter am 28.11.2019 14:17 Report Diesen Beitrag melden

      @Toni D

      Überlegt doch mal wie diese Krankheiten erst entstanden sind e.g. Domestizierung/Massentierhaltung, und dasselbe passiert in einer Zivilisation mit den Menschen. Wenn eine Impfung effektiv ist, dann wird die Natur eine neue Schwachstelle finden, und die moderne Lebensweise (i.e. eingepfercht in Mega Citys, domestiziert und Massenhaltung wie bei den Tieren) ist idealer Nährboden dafür. Wir wiederholen bzw verschlimmern die anfänglichen Fehler. Versteht ihr nicht, dass das was ihr befürwortet NOCH mehr Schaden anrichtet?

    • Schlafen Schickender am 28.11.2019 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Aufgewachter

      Grundsätzlich verstehe ich nicht wieso du "NOCH" gross schreibst und nicht "MEHR" oder einfach keines von beiden..

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  • O. B. am 28.11.2019 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Impfgegner = Egoisten

    Wer sich nicht gegen schwere Krankheiten impft, neugeborene, ältere und immunschwache Menschen gefährdet, ist nur ein kleiner armseliger Egoist... Traurig wie Menschen aus Angst andere einfach so gefährden... Aber so ist der Mensch, aus einer irrationalen Angst, nimmt man den Tod anderer in Kauf...

    • M. K: am 28.11.2019 12:41 Report Diesen Beitrag melden

      Na und?

      Dann bin ich halt ein Egoist. Ein Egoist, aber ein gesunder. Ihr seid Kollektivlemminge die krank gemacht werden. Die meisten Fälle in denen die Krankheit ausbricht ist bei dein geimpften selbst!

    • H.G. am 28.11.2019 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      Pharma, die du bist im Himmel

      1. Auch nach einer Impfung kann man an der entsprechenden Krankheit erkranken, auch wenn immer so getan wird, als sei das dann unmöglich. 2. Nebenwirkungen von Impfungen werden von der Pharmaindustrie stets kleingeredet, können aber äußerst massiv sein und lassen sich ggf. noch schlechter behandeln als die eigentlichen Infektionssymptome. 3. die Verdummungskampagnen der Pharmaindustrie sind recht erfolgreich, es hat ja auch keine andere Berufgruppe eine derartige Lobby. 4. Wer z.B. in sein Auto steigt, nimmt mit der damit einher gehenden Umweltverschmutzung auch den Tod anderer in Kauf.

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  • Peter am 28.11.2019 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist entlarvend

    Wie stark die Daumen runter Quote ist wenn jemand nur im Ansatz etwas gegen Impfungen sagt. Die unreifen und unüberlegten Kommentare der Impf Befürworter sind reinste Realsatire.

    • Peter M am 28.11.2019 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Immerhin haben die Befürwortet Argumente.

    • Otto Normalverbraucher am 28.11.2019 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Das sehe ich beidseitig, schliesslich ist das ja auch kein Fachjournal über Virologie oder Esotherik.

    • Thomas am 28.11.2019 14:11 Report Diesen Beitrag melden

      Immer wieder witzig die Impfgegner

      @Peter Was haben Impfgegner für Argumente? Nehmt lieber mal den Aluhut ab, und tummelt euch weniger in den einschlägigen Foren rum.

    • Michelangelo am 28.11.2019 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas

      Sind Sie gegen Pocken geimpft? Wenn nein, dann würde ich leiser sprechen. Apropos, ja ich bin geimpft.

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