USA

07. September 2019 05:30; Akt: 08.09.2019 11:29 Print

Wohl schon der fünfte Tote wegen E-Zigaretten

Die Fälle von Lungenerkrankungen und Todesfällen nach E-Zigaretten-Konsum geben den Ermittlern Rätsel auf. Doch es könnte einen Durchbruch geben.

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E-Zigaretten gelten als weniger schädlich als klassische Zigaretten. Doch ob das so stimmt, ist fraglich. Im Sommer 2019 kamen erstmals Meldungen auf, wonach mehrere Menschen in den USA mit unerklärten Atemwegserkrankungen ins Spital eingeliefert wurden. Sie alle hatten zuvor E-Zigaretten konsumiert. Viele der Betroffenen hatten Liquids mit dem psychoaktiven Cannabis-Wirkstoff THC konsumiert. Zwei Menschen verstarben in der Folge sogar. Trotzdem ist bislang unklar, was genau die Gesundheitsprobleme auslöst. Doch nun scheint es eine erste heisse Spur zu geben. Laut der «Washington Post» haben Untersuchungen der gerauchten Liquids einen Stoff in den Fokus gerückt, ... (Im Bild: einige der untersuchten Liquids) ... der die Atemwegserkrankungen auslösen könnte: Vitamin-E-Öl. Die Ermittler hätten den Stoff in Proben von Cannabisprodukten gefunden, die die Erkrankten zuvor geraucht hatten. In einigen US-Bundesstaaten ist der Verkauf von entsprechenden THC-Produkten erlaubt. Vitamin E kommt natürlicherweise in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Ölen oder Nüssen vor. Doch der Stoff kann wegen seiner molekularen Struktur beim Einatmen gefährlich werden. Es ist nicht das erste Mal, dass über die Gefährlichkeit des E-Zigi-Konsums diskutiert wird. Studien zeigten, dass beim Verdampfen unter anderem freie Radikale und potenziell schädliche Chemikalien entstehen, die Entzündungen der Schleimhäute fördern und die DNA-Reparatur in den Zellen hemmen können. Derart erhöht sich auch das Krebsrisiko. Eine Arbeit von Stanford-Forschern zeigte ausserdem, dass auch die Auswahl des Aromas einen Einfluss auf die Gesundheit hat. Konkret wird die Ausschüttung von Entzündungsmarkern in den Zellen erhöht und das Zellwachstum beeinträchtigt, was zum Zelltod führen kann. Wie schwerwiegend die Folgen waren, hing stark vom Aroma ab. Als besonders schädlich entpuppten sich die Liquids mit Menthol- und Zimtaroma. Sie reduzierten die Überlebensrate der Zellen am deutlichsten, formulieren die Forscher. Laut den Wissenschaftlern zeigt die im «Journal of the American College of Cardiology» erschienene Studie deutlich, dass E-Zigis keine sichere Alternative zum Tabakrauchen darstellen. Konkret habe sich gezeigt, dass die Liquids Veränderungen bewirken, ... ... die stark an jene erinnern, die während der Entwicklung von Gefässkrankheiten auftreten. Das ist angesichts der steigenden Nutzerzahlen – vor allem bei jungen Personen – beunruhigend. Sucht Schweiz hat für die im März 2019 vorgestellten Zahlen über 11'000 Schüler im ganzen Land befragt. Dabei zeigte sich, dass Dampfen bei den 15-Jährigen weit verbreitet ist. Eine weitere aktuelle Studie aus den USA zeigt zudem: 32 Prozent der College-Studenten besitzen eine E-Zigarette, und 50 Prozent haben schon beobachtet, wie andere in der Vorlesung oder in der Bibliothek gedampft haben.

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In den USA ist nun wohl auch in Kalifornien und Minnesota je ein Mensch durch den Konsum von E-Zigaretten gestorben. Damit steigt die Zahl der Todesfälle bereits auf fünf. Die Behörden führten den Tod der beiden letzten Personen auf E-Zigaretten zurück, obwohl sie schon seit längerem unter gesundheitlichen Problemen litten.

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Gleichzeitig könnte es nach der Suche nach den Ursachen für die Todesfällen und mehr als drei Todesfällen und 200 Lungenerkrankungen eine heisse Spur geben.

Untersuchungen der gerauchten Produkte hätten einen Stoff in den Fokus gerückt, der möglicherweise für die Beschwerden verantwortlich sei, berichtete die «Washington Post». Die Zeitung berief sich dabei auf die interne Kommunikation der Gesundheitsbehörde FDA mit Behörden aus den betroffenen Bundesstaaten.

Vitamin der Auslöser?

Bei dem Stoff, der bei verschiedenen Marken in mehreren der sogenannten Liquids – Flüssigkeiten, die verdampft werden – vorkommt, handelt es sich demnach um ein Vitamin-E-Öl. Die Ermittler hätten den Stoff in Proben von Cannabisprodukten gefunden, die die Erkrankten zuvor geraucht hatten. In einigen US-Bundesstaaten ist der Verkauf von entsprechenden THC-Produkten erlaubt.

Vitamin E kommt natürlicherweise in verschiedenen Nahrungsmitteln wie Ölen oder Nüssen vor. Wie die «Washington Post» berichtete, kann der Stoff wegen seiner molekularen Struktur beim Einatmen gefährlich werden.

Vor allem Cannabis-Liquids betroffen

In einer Stellungnahme gegenüber der Deutschen Presse-Agentur kommentierte die FDA den Bericht nicht direkt. Sie erklärte, dass mehr Informationen benötigt würden, um die Verbindung zwischen speziellen Produkten oder Substanzen und den gemeldeten Krankheitsfällen besser zu verstehen.

«Es gibt keine Substanz, einschliesslich Vitamin-E-Azetat, die in allen Proben identifiziert wurde», hiess es. Die Zusammensetzung der Stoffe in den Proben, von denen die FDA nun schon mehr als 100 erhalten habe, seien nur ein Stück des Puzzles. Die Untersuchungen gingen weiter.

Andere Länder, andere Sitten

In den USA haben sich die Meldungen ungeklärter Lungenerkrankungen, die nach dem Konsum von E-Zigaretten auftreten, in den vergangenen Wochen gehäuft.

Die Symptome reichten von Atembeschwerden, Atemnot und Brustschmerzen bis hin zu Fällen von Magen-Darm-Erkrankungen mit Erbrechen und Durchfall. Viele der Betroffenen hatten Liquids mit dem psychoaktiven Cannabis-Wirkstoff THC konsumiert. In der Schweiz sind Liquids mit mehr als einem Prozent THC verboten.

(fee/roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Florian am 06.09.2019 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schon seit jahren warnen vaper vor ölen

    Die vaping community warnt schon seit jahren keine öle zu vapen (lipid pneumonia). Aber wer hört denn schon auf uns gell?

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  • Marcel. Bi am 06.09.2019 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebensmittel

    Mann muss ja auch nicht jedes Liquide reinziehen. Ist wie beim Lebensmittel lesen was draufsteht und selber entscheiden ob es Konsumiert wird oder nicht. Ich selbst habe damit das Rauchen abgewöhnt seit 2 jahren.

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  • Dampfer seit 2015ZH am 06.09.2019 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rauchen!!!

    In dem Bericht wird von Rauchen geredet. Dass sagt schon alles über den Bericht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Delta Queen am 07.09.2019 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    gefällt mir

    Ich finde solche umweltbewussten Firmen sympathisch. Die tun was!

  • Der B am 07.09.2019 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches Verfahren

    THC oder CBD liquids werden gleich produziert. Ich würde auch die in der Schweiz erhältlichen CBD Liquids nicht konsumieren, die könnten auch dieses Öl drin haben. Lieber das CBD Kraut direkt mit einem Vaporizer dampfen.

  • Herr Max Bünzli mit der Tubakpfeife am 07.09.2019 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    das Kraut besser rauchen !

  • Runkel am 07.09.2019 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Die Kirche im Dorf lassen

    In den USA gibt es also wohl bisher 5 Tote durch E-Zigaretten. Wieviele Tote gibt es denn durch normales Rauchen? Oder durch Autounfälle? Oder etwa durch Amok-Läufe oder wiederum normale Morde? Was für eine Schlagzeile.

  • BRUMMPÄNGLI am 07.09.2019 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politisch?

    Ich hoffe das wird nicht wieder der neue Beginn von einer Cannabis verteufelung. Jetzt wo die Amis wenigstens auf dem medizinischen Gebiet vorwärts gekommen sind.