Intersex

03. Februar 2011 19:36; Akt: 03.02.2011 19:42 Print

Mädchen oder Junge? Das ist nicht immer klar

von Martina Huber - In der Schweiz hat eines von 4000 Neugeborenen kei eindeutiges Geschlecht. Experten fordern, dass die Betroffenen künftig besser behandelt und betreut werden.

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Wer kein eindeutig bestimmbares Geschlecht hat (siehe Box), kommt seit den 1950er-Jahren unters Messer: Meist wird so aus dem Unbestimmbaren etwas geschaffen, das «weiblich» aussieht. Der Eingriff wird dabei bis heute meist in den ersten Lebensjahren vorgenommen. Aber: «Mittlerweile wissen wir, dass die Medizin allein das Problem nicht lösen kann» sagt Jürg Streuli, Mediziner und Ethiker an der Uni Zürich. Und auch die Kritik von Betroffenen wird immer lauter.

Kathrin Zehnder, Soziologin an der Uni Basel, hat die Meinungen von Intersexuellen untersucht, die sich auf Internetplattformen austauschen: Viele leiden unter einer gestörten Sexualität. Jedoch nicht, weil sie intersexuell sind, sondern weil sie in ihren frühen Lebensjahren immer wieder von verschiedenen Experten untersucht und an den Genitalien berührt worden sind. Dass die frühe Operation wirklich einen Vorteil für das Kind bringe, sei in keiner Studie belegt. Deshalb findet Zehnder, man müsste mit der OP zuwarten, bis das Kind älter ist und sich selbst dazu äussern kann.

Um Kind und Eltern sowohl im Spital als auch ausserhalb besser zu betreuen, hat Mediziner Streuli 2010 das Schweizer Netzwerk für Intersex und Variationen der Geschlechtsentwicklung (SNIV) ins Leben gerufen: Es soll den Austausch der Ärzte mit Hebammen, Psychologen, Sozialpädagogen und anderen Fachpersonen fördern. Denn laut Streuli sollte man weniger darüber streiten, ob und wann operiert werden soll. Wichtiger sei die Unterstützung der Kinder und Familien.