Lebensrettende Amputation

29. August 2018 15:17; Akt: 29.08.2018 15:17 Print

Mann isst Sushi und verliert seinen Arm

Zu rohem Fisch gibt es beim Sushi manchmal auch krankmachende Parasiten dazu. Einem Südkoreaner wurde deswegen nun sogar der Unterarm abgetrennt.

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Sushi-Fans werden das nicht gerne hören: Über den rohen Fisch können auch fleischfressende Bakterien wie Vibrio vulnificus in den menschlichen Körper gelangen. Diese Erfahrung musste jetzt auch ein 71-jähriger Mann aus Südkorea machen. Zwölf Stunden nach seinem Sushi-Mahl schwoll plötzlich seine linke Hand stark an und fing an zu schmerzen. Kurz darauf bildeten sich auf dem gesamten Unterarm Blutergüsse und Blasen, von denen eine so gross wie ein Golfball wurde. Weil Aufstechen der Blasen, Entfernung des infizierten Gewebes und Antibiotika nicht den gewünschten Erfolg brachten, entschlossen sich die behandelnden Ärzte, den betroffenen Arm zu amputieren. Wie eine nekrotisierende Fasziitis auch enden kann, zeigt ein Fall von Anfang Juni 2018: Weil ein russischer Passagier übel stank, musste ein Flugzeug notlanden. Der Mann litt an einer Nekrotisierenden Fasziitis, an der er einen knappen Monat später starb. Welches Bakterium für den Tod des Mannes verantwortlich ist, konnte laut Medienberichten nicht geklärt werden. Es gibt verschiedene Auslöser für eine Nekrose, die Unterhaut und Muskelstränge nach und nach verfaulen lässt. Da ist zum Beispiel der Erreger Vibrio vulnificus (im Bild), der über infizierte rohe Meeresfrüchte oder Wunden in den Körper gelangt. Seinetwegen verlor Richard Empson (M.) ein Bein. Er hatte sich beim Fischen in seichtem Wasser an der Küste von Mississippi angesteckt. Das Problem ist, dass man es oft nicht gleich merkt, wenn sich die Bakterien am Körper zu schaffen machen. Zudem schreitet der Verlauf rasch fort. (Im Bild: Der Knöchel eines anderen Patienten, zwischen den Bildern liegen nur wenige Stunden) Ein weiterer Verursacher einer Nekrose ist das Bakterium Mycobacterium ulcerans. Es löst die Hautkrankheit Buruli-Ulkus aus, die zu offenen Geschwüren führt, und ist eng mit dem Erreger von Tuberkulose und Lepra verwandt. Oft bleiben die Betroffenen entstellt. (Im Bild: Erkrankte Person aus Afrika). Auch zu einer Amputation kann eine Infektion mit dem Bakterium Aeromonas führen. Dies musste die Amerikanerin Aimee Copeland erfahren. Sie hatte sich bei einem Ausflug an den Fluss Tallapoosa im US-Bundesstaat Georgia an der Wade verletzt – und dabei mit dem Erreger infiziert. Die Diagnose: nekrotisierende Fasziitis.

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Rund zwölf Stunden nachdem ein Mann aus Südkorea Sushi gegessen hatte, verschlechterte sich sein Zustand auf einmal.

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Übel war ihm zwar nicht, aber plötzlich schwoll seine linke Hand stark an und fing an zu schmerzen. Kurz darauf bildeten sich auf dem gesamten Unterarm Blutergüsse und Blasen, von denen eine so gross wie ein Golfball wurde.

Bakterielle Infektion

Im Spital diagnostizierten die Ärzte eine beginnende nekrotisierende Fasziitis, ausgelöst durch das Bakterium Vibrio vulnificus (siehe Box). Dabei handelt es sich um eine sehr heftig verlaufende Infektionskrankheit der Unterhaut und Faszien. Sie frisst sie sich durch den Körper und lässt ihn nach und nach verfaulen.

Im schlimmsten Fall führt sie zum Tod wie bei dem russischen Musiker, wegen dem im Juni sogar ein Flugzeug zwischenlanden musste.

Radikaler Schritt bringt Erlösung

So fortgeschritten war die Infektion bei dem Südkoreaner allerdings noch nicht. Deshalb versuchten seine Ärzte der Infektion mittels Aufstechen der Blasen, Entfernung des infizierten Gewebes und Antibiotika Herr zu werden. Jedoch ohne Erfolg, sein Zustand verschlechterte sich weiter.

Als auch die intravenöse Gabe von Antibiotika nichts brachte, entschieden sich die Mediziner nach 25 Tagen zu einem radikalen Schritt: Sie amputierten den von der Infektion betroffenen Unterarm – ein, wie es im «New England Journal of Medicine» heisst, guter Entscheid. Denn der Patient konnte bald darauf entlassen werden.

Dass es dem Südkoreaner derart schlecht ging, könnte laut den Medizinern daran liegen, dass er bereits 71 Jahre alt war und zahlreiche Vorerkrankungen hatte. So war er zum Zeitpunkt der Infektion bereits wegen Diabetes, Bluthochdruck und einer Nierenerkrankung in Behandlung.

Daran erkennen Sie gutes Sushi

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TheBöng am 29.08.2018 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    An die Hobby Sushi Macher ..

    Quizfrage: muss der Fisch ganz frisch sein?? NEIN !! er sollte mindestens 3 Tage tiefgefroren sein. Nur so sterben die Parasiten ab. Viele Hobby Sushi Köche machen das falsch!

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  • Marco am 29.08.2018 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sushi-Festival

    Interessanter Artikel. Gutes Timing, zum Beginn des Zürcher Sushi-Festival.

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  • Mike am 29.08.2018 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    kein roher Fisch bei uns

    Bei uns müssen alle Fische für einige Tage bei -28° gefroren werden, damit solche Parasiten abgetötet werden. Erst der aufgetaute Fisch darf als Sushi in den Verkauf gelangen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Didi am 30.08.2018 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Darum meide ich Sushi ...

    Genau darum mag ich kein Sushi ...

  • Reto am 30.08.2018 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    eidg. Chefkoch FA

    Bakterien werden im Gefrierfach nicht abgetötet. Der Fisch wird eingefroren um Würmer und Parasiten zu töten. Bakterien vermehren sich auch bei -20 Grad, aber sehr langsam. Trotzdem verdirbt Essen im Tiefkühlfach. Man wird meistens nicht von Bakterien krank sondern von den Stoffwechselprodukten der Bakterien, die Gift produzieren. Und nur mal so nebenbei, krank kann man auch vom gekochtem Rüebli werden, wenn der Koch keine Ahnung hat.

  • Tierli am 30.08.2018 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Häufiger parasitäre Infektionen

    Bakterien sterben durch Einfrieren nicht ab - nur durch Erhitzung über (in der Regel) 70 Grad Celsius. Damit Endoparasiten und ihre Eier- und Larvenstadien absterben, muss roher Fisch bei mind. minus 25 Grad Celsius über 7 Tage eingefrohren werden. Es gibt auch Parasiten, die das überleben. Die einzige Möglichkeit eine Erkrankung fast gänzlich auszuschliessen ist der Verzicht auf rohen Fisch und rohes Fleisch. Trotzdem können Parasiten auch durch den Koch oder per Handkontakt übertragen werden. Und nein, Infektionen sind nicht selten. Es erzählt nur Niemand davon.

  • Weber Walter am 30.08.2018 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst isst der Mann!

    Ich bereite mein Essen selber zu, da weis man was man isst!!!

  • Maggyitbe am 30.08.2018 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gruselig was es allesfür KH gibt

    Na in der Schweiz sushi essen nicht im Ausland, dort sollte man alles mit Fisch verzichten oder was im Öl eingelegt wurde. Zumindest sollten sich Touristen das zu herzen nehmen.. in China gabs auch schon ein Mann der wegen Sushi im ganz Körper würmer trug, bemerkt hat ers wegen Juckreiz auf der Haut..