62 Personen erkrankt

16. Februar 2009 18:27; Akt: 16.02.2009 18:28 Print

Masern in der Waadt auf dem Vormarsch

Die Masern im Kanton Waadt breiten sich weiter aus: Bis Montag sind in der Waadt 62 Personen an Masern erkrankt, 20 mehr als eine Woche zuvor. Krankheitsherd ist eine Rudolf-Steiner-Schule in Crissier.

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Allein 46 Jugendliche dieser Schule sind seit Anfang 2009 an Masern erkrankt, wie der Waadtländer Kantonsarzt Eric Masserey am Montag erklärte. Neun weitere Fälle stehen in indirektem Zusammenhang mit der Steiner-Schule. Erkrankt sind Geschwister der Patienten oder weitere Personen aus deren Umfeld.

Dass die Steiner-Schule zu einem der Herde der Masern-Welle wurde, überrascht Masserey nicht. An der Schule sind nämlich schätzungsweise nur 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler gegen die Krankheit geimpft. Kantonsweit beträgt der Impfgrad dagegen 93 Prozent.

Tiefer Impfgrad

Grund für den tiefen Impfgrad ist nach Angaben der Direktion der Steiner-Schule die Grundhaltung vieler Eltern, wonach Kinderkrankheiten zur natürlichen Entwicklung der Menschen gehören und Impfungen das Immunsystem der Kinder auch schwächen.

Um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, schickte der Kanton Waadt in den letzten Wochen viele Kinder und Jugendliche in Quarantäne. Neben den Erkrankten traf diese Massnahme auch deren Geschwister oder andere Angehörige.

In den Klassen der Steiner-Schule fand deshalb der Unterricht in den letzten Wochen vor gelichteten Rängen statt. Aber auch ausserhalb des anthrophosophischen Milieus befanden sich am Montag noch 18 Kinder in Quarantäne.

Unsicherheitsfaktor Sportwoche

Masserey hofft, dass mit diesen Massnahmen die weitere Ausbreitung gestoppt werden kann. Da in der Waadt aber zurzeit die Sportwoche läuft, könnte sich die Krankheit dennoch weiter ausbreiten.

Im Zusammenhang mit den Masern-Erkrankungen in der Steiner- Schule hatte Masserey vor Wochenfrist die Eröffnung von vier Administrativuntersuchungen gegen Ärzte bekanntgegeben. Diese hatten die Fälle entgegen ihren Verpflichtungen nicht gemeldet.

Aufgrund der Häufung im Kanton hatte der Waadtländer Staatsrat Pierre-Yves Maillard zudem angekündigt, dass er für seinen Kanton ein Impf-Obligatorium prüfen lasse. Diese Abklärungen hat er nun als Präsident auch in der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) durchgesetzt.

(sda)