Immunsystem

01. November 2019 20:36; Akt: 01.11.2019 20:36 Print

Masern töten Antikörper gegen andere Krankheiten

Das Masernvirus macht nicht nur akut krank, es hat auch schwerwiegende Nachwirkungen: Es macht zuvor erworbene Abwehrkräfte zunichte.

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Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm, denn eigentlich könnten die Masern längst ausgerottet sein. Dabei führt laut einer US-Studie eine Verringerung der Quote bei der Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) um 5 Prozent zu einer Verdreifachung der Masernfälle. Auf die Schweiz angewandt, würde das bedeuten, dass die Fallzahl von 66 Fällen (2016) auf knapp 200 steigen würde. Um die Bevölkerung vor einer Infektion zu schützen, ist es wichtig, die Masern zu eliminieren. Dafür muss eine Impfquote von 95 Prozent erreicht werden. Dann kann sich der Erreger nicht mehr verbreiten. Nur so können immunschwache Menschen, ... ... das heisst jene, die sich aus medizinischen Gründen wie beispielsweise Allergien oder akuten Infektionen nicht impfen lassen können, sowie Babys im ersten Lebensjahr geschützt werden. Den besten Schutz bringt die Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Die Schutzwirkung einer Masernimpfung mit zwei Dosen wird mit mehr als 98 Prozent angegeben. Selbst in den seltenen Fällen, in denen es trotz Impfung zu Masern kommt, ist der Krankheitsverlauf abgeschwächt. Das Perfide an Masern: Erkrankte sind auch dann schon ansteckend, wenn sie noch nicht den typischen Hautausschlag entwickelt haben. Die Infektionsgefahr besteht nämlich drei bis fünf Tage vor dem Ausbruch des Hautausschlags und bis vier Tage danach. Masern beginnen wie eine heftige Grippe: mit hohem Fieber, einer laufenden Nase und Husten sowie entzündeten Schleimhäuten. Der einzige eindeutige Hinweis auf Masern findet sich zu diesem Zeitpunkt im Mundraum des Betroffenen: die sogenannten Koplik-Flecken – weisse Flecken mit rotem Rand an den Wangeninnenseiten. Oft werden Masern als Kinderkrankheit abgetan. Doch das ist falsch. So können Menschen jeden Alters erkranken, zudem kommt es bei jeder zehnten Person zu Komplikationen. Am schwerwiegendsten sind Lungen- und Gehirnentzündungen. In Europa verlaufen bei einem von rund 3000 Erkrankten die Masern tödlich. Weltweit fordern Masern jedes Jahr etwa 158'000 Todesfälle. Doch auch wenn die Masernerkrankung glimpflich verläuft, ist Schaden angerichtet, wie im Oktober 2019 gleich zwei Studien zeigten. So verursachen sie eine «immunologische Amnesie». Das heisst: Sie setzen das menschliche Immunsystem zurück – auf das Stadium eines Säuglings.

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Obwohl Masern zu Behinderungen oder sogar zum Tod führen können, halten viele Menschen sie noch immer für eine harmlose Kinderkrankheit. Nun zeigen Forscher, dass die Virusinfektion noch viel mehr Schaden anrichtet als bislang gedacht – auch dann, wenn die eigentliche Masernerkrankung glimpflich verläuft.

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Wie das Team um Michael Mina von der Harvard Medical School in Boston im Fachjournal «Science» schreibt, ruft das Masernvirus im Körper der Betroffenen eine Art «immunologische Amnesie» hervor.

Antikörper im Blut

Die Wissenschaftler hatten Blutproben von 77 nicht geimpften Schulkindern analysiert, die 2013 in den Niederlanden eine Maserninfektion überstanden hatten. Die erste Probe war vor der Erkrankung und die zweite bis zu zwei Monate danach entnommen worden. Zusätzlich untersuchten sie Blutproben von gegen Masern geimpften sowie von ungeimpften, nicht erkrankten Kindern – zum Vergleich.

Bei allen Proben untersuchten die Forscher, welche und wie viele Antikörper gegen verschiedene Viren und Bakterien im Blut der Kinder präsent waren. Das menschliche Immunsystem bildet solche jeweils nach dem Kontakt mit einem Erreger oder nach einer Impfung. Sie schützen den Körper gegen Infektionen.

Masern löschen Erinnerung

Ergebnis: Vor der Maserninfektion trugen alle Kinder zahlreiche Antikörper gegen gängige Erreger in sich, so die Forscher. Danach habe es anders ausgesehen. «Die Maserninfektionen waren mit einer mittleren Reduktion des Antikörper-Repertoires um 20 Prozent verknüpft», so die Forscher. Die geimpften und nicht erkrankten Kinder hatten dagegen noch ihren vollen Immunschutz.

In einer weiteren Studie zeigte ein internationales Forscherteam, wie es dazu kommt. Im Fachjournal «Science Immunology» erläutern sie, dass das Masernvirus Antikörper gegen andere Erreger zerstört und so bereits erworbene Abwehrkräfte wieder zunichtemacht. Auch die Gedächtniszellen des Immunsystems würden dezimiert.

«Damit sehen wir zum ersten Mal, dass die Masern das Immunsystem quasi zurücksetzen – auf das Stadium eines Säuglings», so der an der Untersuchung beteiligte Colin Russell von der Universität Amsterdam in einer Mitteilung. Das erkläre, warum Menschen nach einer Masernerkrankung häufiger auch an anderen Infekten erkranken.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Es Mami vomne Imunn gschechte Chliching am 01.11.2019 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    denkt nicht nur an euch

    Es ist sehr wichtig dass sich alle gegen die Masern, Mumpf und Röteln impfen lassen. Denn es gibt viele Kinder und Erwachsene, dessen Immunsystem wegen schweren Krankheiten sehr geschwächt ist. Diese können sich zum grössten Teil gegen diese Krankheiten nicht mal impfen lassen, weil ihr Körper die Impfung nicht verträgt. Wenn ein Immun geschwäches Kind oder Erwachsener angesteckt wird, kann es sein dass das Kind oder der Erwachsene daran sterben kann. Ich schreibe diesen Text, weil mein 13 Monate alter Sohnleider nicht geimpft werden kann. Seine grosse Schwester wurde geimpft. Ich kann verstehen , dass einige Leute ihre Kinder nicht impfen möchten, weil sie glauben dass ihre Kinder dann trotzdem Krank werden. Ich bitte euch, nicht nur für euch zu schauen, sondern eben auch für die anderen Menschen. Einen schönen Abend.

  • Dinu42 am 01.11.2019 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Impfung

    ...und die Impfgegner haben auch darauf das passende Gegenargument.

  • H. Bangerter am 01.11.2019 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch Herr Meier

    Impfen sollte Heute so selbstverständlich sind wie das angurten im Auto. Aber auch dort gab es lange solche die behaupteten das angurten viel gefährlicher wäre.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 02.11.2019 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Logik

    Die Masern löschen also die Erinnerung des Immunsystems? Aber bei einer Impfung bekommt man das Masernvirus in abgeschwächter Form verabreicht und da soll nichts gelöscht werden? Ich bin geimpft, hatte aber trotz Impfung die Masern, also scheint die Impfung nicht viel zu bringen. Und solche Fälle wurden nicht Untersucht, schon etwas merkwürdig, nur keine Impfung+Masern und Impfung+keine Masern.

  • lobo am 02.11.2019 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja klar

    Wer die masern durchlebt hat einen 100 % Schutz durch das Immunsystem, wer impft hat das nicht. Das ist halt einfach Fakt. Die Gefahr für die Bevölkerung geht also von den Geimpften aus .

  • Bea Igge am 02.11.2019 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ich auch

    Herdenschutz sei dank

  • perla der wal am 02.11.2019 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jösses nei...

    wenn das so wäre, wie diese forscher sagen, dann gäbe es uns menschen schon lange nicht mehr.

  • Der FImunologe am 02.11.2019 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn einfach nur Blödsinn

    Alles nur Phantasien von der Pharmaindustrie. Das Immunsystem funktioniert immer auch ohne Unnötige Impfungen. Und im Ernstfall kann man immer noch einem Arzt konsultieren wen eine Krankheit ausartet. wie Frühr wen ein Kind Masern oder Röteln hat weiter geben und auskurieren fertig. Das geht auch bei dem völlig sturen Schulsystem da Gesundheit wichtiger ist als Schule. Das Klima ist ja auch ein Grund schule zu schwänzen und da stirbt keiner daran, aber eine Krankheit soll dann kein Grund sein ? (Behörden Engstirnigkeit)