Opioidkrise

18. Mai 2018 21:38; Akt: 18.05.2018 21:38 Print

Mehr Spenderorgane wegen US-Drogenkrise

Die katastrophale Opioidkrise in den USA fordert jährlich Zehntausende Tote. Das hat unerwartete Auswirkungen auf die Organspenden.

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Mitverantwortlich an der Drogenkrise in den USA ist Fentanyl. Das sind 2 Milligramm des Opioids. Das reicht, um bei 99 Prozent der Menschen zum sofortigen Tod zu führen. Kein Wunder: Fentanyl ist 100-mal stärker als Morphium. Nochmals zur Verdeutlichung: Rechts neben dem amerikanischen 1-Cent-Stück liegt eine tödliche Menge Fentanyl. In den USA sind Rettungskräfte und Ordnungshüter angehalten, Schutzkleidung zu tragen, wenn Fentanyl im Spiel ist, da selbst Hautkontakt zu einer Überdosis führen kann. Das ursprünglich als Anästhesie- und Schmerzmittel entwickelte Fentanyl kann im Labor synthetisch und entsprechend billig hergestellt werden. Für die Drogenkartelle ist es ein besseres Geschäft als Heroin. Nach Auffassung der US-Behörden stammt der Grossteil des illegalen Fentanyls aus China, was Peking dementiert. Mexikanische Kartelle bringen es dann in die USA, entweder in Reinform oder mit Heroin vermischt. Nach Angaben des US-Justizministeriums gingen im vergangenen Jahr rund 20'000 der 64'000 Todesfälle durch Drogen-Überdosierungen auf pures oder mit anderen Drogen versetztes Fentanyl zurück. Im Bild: Huntington, West Virginia, ein Ort im Rostgürtel der USA, der besonders stark von der US-Drogenkrise betroffen ist. Um eine Überdosis mit Opioiden zu behandeln, verabreichen die Rettungskräfte intravenös Naloxon. Es hebt augenblicklich die Wirkung der Opioide auf. Der Patient beginnt wieder zu atmen. (AP Photo/Mel Evans) Inzwischen hat US-Präsident Donald Trump angesichts des massenhaften Missbrauchs von Heroin und anderen Opioiden wie Fentanyl den nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Zusätzliches Geld wird mit der Massnahme allerdings nicht zur Verfügung gestellt. Stattdessen sollen Mittel aus bestehenden Töpfen umgeschichtet werden und besonders schlimm betroffene Bundesstaaten mehr Spielraum bekommen (im Bild: Ein obdachloser Drogenabhängiger in Aberdeen, Washington). Das bisher prominenteste Opfer einer Fentanyl-Überdosis: der 2016 verstorbene Musiker Prince.

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In den USA kam es in den letzten Jahren zu einer deutlichen Zunahme bei den Spenderorganen. Diese eigentlich erfreuliche Tatsache hat einen traurigen Hintergrund, wie eine im «New England Journal of Medicine» veröffentlichte Studie zeigt. Demnach besteht ein direkter Zusammenhang zum drastischen Anstieg an Drogentoten seit dem Jahr 2000.

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Damals gab es lediglich 59 Organspender, die aufgrund einer Überdosis gestorben waren. Sie machten 1,2 Prozent aller Spenden aus. 2016 waren es 1029 Organspender, die an einer Drogen- oder Schmerzmittel-Überdosis gestorben waren. Sie waren für 13,7 Prozent aller Spenden in jenem Jahr verantwortlich.

Nur in den USA

Laut den Forschern konnte die Zunahme der Transplantationen in den vergangenen fünf Jahren hauptsächlich auf die Organe von Drogentoten zurückgeführt werden. Daten aus acht europäischen Ländern aus dem gleichen Zeitraum zeigten keinen vergleichbaren Anstieg, weder von Spenderorganen allgemein noch von solchen von Drogentoten.

Diese Verschiedenheit werfe ein Schlaglicht darauf, wie sehr die Opioidkrise ein rein amerikanisches Problem sei, sagte der Hauptautor der Studie, Josef Stehlik von der Universität Utah, zu Gizmodo.com.

Organe unbedenklich

Die Forscher gingen auch der Frage nach, ob Organe von Drogentoten genauso sicher sind wie andere Spenderorgane. Zu diesem Zweck untersuchten sie die Gesundheit ein Jahr nach der Transplantation von 2360 Personen, die neue Herzen oder Lungen erhalten hatten. Dies, weil diese Organe am ehesten Schaden nehmen können, wenn sie mit zu wenig Sauerstoff versorgt werden, wie das bei Überdosis-Opfern üblich ist.

Stehlik erklärte dazu, dass man keine wesentlichen Unterschiede festgestellt habe zwischen Patienten, die Spenden von Überdosis-Opfern erhalten hatten, und jenen, die Organe von Personen erhalten hatten, die an anderen Ursachen gestorben waren.

Die Forscher hoffen, mit ihrer Studie dazu beizutragen, Ärzten, Patienten und deren Familien die Furcht vor Organen zu nehmen, die von Drogentoten stammen. «Wir müssen das Vorurteil abbauen, wonach Opfer von Überdosen wegen ihrer Krankengeschichte keine guten Spender seien», so Stehlik. Gleichzeitig müsse man natürlich auch alles unternehmen, um die Zahl der Drogentoten in den USA zu senken.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sonderegger am 18.05.2018 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Die Einen werfen ihr Leben weg und die Anderen warten sehnsüchtig auf Hilfe damit ihr Leben gerettet wird

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  • Erik am 18.05.2018 22:15 Report Diesen Beitrag melden

    Glück im Unglück

    So ist deren Tod zumindest nicht ganz Sinnlos...

  • Dornbusch am 18.05.2018 22:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso?

    Alles gewollt. Waffen gegen Drogen - Bush, Clinton, Obama.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frage am 20.05.2018 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Werden Drogentote entrechtet

    dass ihnen Organe entnommen werden können, oder spenden die tatsächlich aus freiem Willen. Und falls sie entrechtet werden, mit welcher Begründung? Wegen der Strafbarkeit von Drogenkonsum oder warum?

  • regula am 19.05.2018 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    opiate vs ethanol

    Würden die Organe von einem Alkoholiker stammen, da wären sie nicht mehr zu gebrauchen, denn Alkohol ist viel giftiger und schädlicher als Heroin oder Fentanyl. Alkohol ist ein Zellgift, dass jedes Organ im Körper angreift. Opiate wie Heroin oder Fentanyl dagegen sind körperlich sehr gut verträglich und richten keinen nennenswerten Schaden an den Organen an - dafür machen sie bei Dauerkonsum schon nach etwa zwei wochen schwer körperlich abhängig

  • A.Einstonec am 19.05.2018 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Schelm der Böses denkt

    Wie sich doch alles immer so wunderbar für die Einen in unserer Gesellschaft fügt. So ein Zufall, oder Schicksal? Sicher nichts anderes, oder? Wer könnte sich das vorstellen? Widerspricht doch jedem menschlichen Drang, sein heiles Weltbild mit wenigen Dellen in das wirkliche Szenario umzuwandeln, das sich direkt vor unseren Augen abspielt, und das alle mit einem blinden Auge im toten Winkel als positive Entwicklung mittragen....nur weil es nicht direkt vor der eigenen Türe oder im eigenen sozialen Umfeld passiert...obwohl, sicher?

  • Drogen sind böse am 19.05.2018 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Mysteriös

    Manche Drogen führen zum Drogentod durch Herzinfarkt oder sonstiger Schädigung des Herzmuskels. Wie kann man dann denen das Herz verpflanzen? Mysteriös. Das erinnert an den Film Awake.

  • Saubermann am 19.05.2018 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Organe??

    Wuerde mich interessieren, wie gut diese Organe sind, welche von Drogentoten kommen?? Sind diese nicht auch Drogenverseucht??

    • nano am 20.05.2018 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Saubermann

      Die Restdrogen in solchen Spenderkörperteile wird rasch ausgeschwemmt sein. Um abhängig zu werden müsste das Gehirn verpflanzt werden denn da ist die Abhängigkeit.

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