Violinkonzert im OP

19. März 2010 15:15; Akt: 19.03.2010 15:39 Print

Mit D-Dur ins offene Gehirn

Nur eine Operation am geöffneten Schädel konnte einen Berufsmusiker aus den USA von seinen Zitteranfällen befreien. Während des Eingriffs musste er wach bleiben – und Taktgefühl beweisen.

Roger Frisch: Selbst während der OP kann er das Geigen nicht lassen.
(Quelle: «abcnews.com»
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Seine Hände sind sein Kapital: Seit über 30 Jahren spielt Roger Frisch aus Plymouth im US-Bundesstaat Minnesota Geige, seine Passion machte er zum Beruf. Doch seine Extremitäten wollen seit einiger Zeit nicht mehr so, wie er will - die Hände zittern. Zuerst nur ein wenig, dann wurden die unruhigen, zuckenden Bewegungen derart intensiv, dass er seinen Bogen nicht mehr halten konnte. Nachdem Erkrankungen wie Parkinson ausgeschlossen wurden, diagnostizierten die Ärzte beim Violonisten einen sogenannten Essentiellen Tremor - chronisches Zittern.

Einzige Behandlungsmöglichkeit: OP

Warum es zu dieser ungewöhnlichen Störung kommt, konnte bislang noch nicht zuverlässig geklärt werden. Bekannt ist, dass sie im Thalamus stattfindet - ein wichtiges Areal unseres Gehirns, das auch als Tor des Bewusstseins bezeichnt wird. Nachdem die medikamentöse Behandlung durch Beta-Blocker keinen Erfolg zeigte, blieb Frisch nur noch ein Weg, um seine Karriere und somit seine Existenz zu retten: Eine äusserst riskante Operation am offenen Gehirn.

Während der tiefen Hirnstimulation wird dem Patienten bei vollem Bewusstsein ein Schrittmacher an die betreffende Stelle im Gehirn gesetzt, um fehlgeleitete Impulse zu normalisieren. Ein Verfahren, das sich im Besonderen bei Parkinson-Patienten bewährt hat, aber auch Tremor-Betroffenen weiterhilft: «Nach gelungener Implantierung des Geräts ist die Erfolgsrate ernorm hoch», erklärte Dr. Michele Tagliati, leitende Ärztin der Abteilung für Bewegungsstörungen an der Mount of Sinai School of Medicine in New York auf Anfrage von «abcnews.com».

Nicht ohne meine Violine

Für Roger Frisch gab es während seiner Operation nur eine wirklich sinnvolle Methode um zu überprüfen, ob der Hirnschrittmacher nach seiner Positionierung auch tatsächlich die gewünschte Wirkung zeigt: Er spielte Violine - und das seit vielen Jahren endlich wieder ohne zu zittern. Und zum ersten Mal war aus einem Operationssaal der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, nach vollendetem Eingriff ein tosender Applaus zu hören ... .


(rre)