Seltenes Phänomen

11. Januar 2019 21:23; Akt: 11.01.2019 21:23 Print

Mit der Spenderlunge kam die Erdnuss-Allergie

Die Lungentransplantation überstand die Amerikanerin gut, doch ein Sandwich mit Erdnussbutter kostete sie danach fast das Leben.

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Die Aussicht auf eine neue Lunge dürfte bei einer 53-jährigen Amerikanerin Hoffnungen auf ein Leben ohne Atemnot geweckt haben. Doch obwohl die Transplantation erfolgreich war, wurden ihre Erwartungen enttäuscht. Denn nachdem sie ein Sandwich mit Erdnussbutter gegessen hatte, bekam sie eine schwere allergische Reaktion und drohte zu ersticken. Untersuchungen zeigten, dass der Organspender der Empfängerin nicht nur seine Lunge, sondern auch seine Erdnuss-Allergie vermacht hatte. Dabei handelt es sich laut Mazen Odish von der University of California um ein «äusserst seltenes Phänomen». Ihm seien nur fünf weitere Fälle bekannt. Dabei hatte die Amerikanerin mit der transplantierten Lunge noch Glück im Unglück. Das zeigt der Fall einer 39-jährigen Französin, die im November 2015 eine neue Lunge transplantiert bekommen hatte. Dies war aufgrund ihrer Mukoviszidose-Erkrankung nötig geworden. Doch zwei Jahre später starb die Patientin ... ... an Lungenkrebs. Die 39-Jährige hatte das Organ einer Kettenraucherin transplantiert bekommen. Zwar wies deren Lunge zum Zeitpunkt der Operation keine Anomalien auf, wie es in einer Studie heisst, doch offenbar hatten die Immunsuppressiva auf den unerkannt wachsenden Tumor wie ein Turbo gewirkt. Die Studienautoren raten nun angesichts der langen Latenzzeit bei Lungenkrebs, die Transplantation von Lungen von Rauchern oder solchen Spendern, die erst vor kurzem mit dem Rauchen aufgehört haben, zu überdenken. Schliesslich solle so etwas nicht noch einmal vorkommen.

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Die Transplantation einer Spenderlunge rettete einer 53-jährigen Amerikanerin das Leben. Aber das neue Organ brachte neue Probleme, von denen zunächst niemand etwas ahnte. Erst als sich die gesundete Patientin ein Erdnussbutter-Sandwich genehmigte, wurde klar: Nicht nur die Lunge ist neu.

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Hatte die Frau früher Erdnüsse mühelos vertragen, wie es im Fachjournal «Transplantation Proceedings» heisst, bekam sie nach dem ersten Erdnuss-Snack nach der Operation eine schwere allergische Reaktion und drohte zu ersticken. Was war passiert?

«Äusserst seltenes Phänomen»

Die Antwort auf diese Frage fand das Team um den Mediziner Mazen Odish von der University of California in San Diego, das sich des mysteriösen Falls angenommen hatte. Der 22-jährige Organspender hatte der Empfängerin nicht nur seine Lunge, sondern auch seine Erdnuss-Allergie vermacht.

Dabei handelt es sich gemäss Odish um ein «äusserst seltenes Phänomen». Ihm seien nur fünf weitere Fälle bekannt, ihnen denen sich Organempfänger mit ähnlichen Beschwerden konfrontiert sahen, sagte er gegenüber Livescience.com.

Übertragungsweg ist unklar

Wie genau die Übertragung der Überempfindlichkeit abgelaufen ist, ist nach wie vor offen. Möglich ist etwa, dass mit dem Spenderorgan Antikörper oder Immunabwehrzellen übertragen wurden, die beim Organempfänger zu allergischen Reaktionen führen können.

Vorstellbar ist aber auch, dass Medikamente, die verhindern sollen, dass das neue Organ vom Körper des Empfängers wieder abgestossen wird, eine Rolle spielten. Gleich mehrere Studien deuten darauf hin, dass Patienten nach der Einnahme des Präparats Tacrolimus häufig Allergien entwickeln. Auch die Amerikanerin hatte es erhalten.

Um weitere Überreaktionen zu verhindern, rieten die Ärzte ihr, fortan auf Erdnüsse und weitere Schalenfrüchte zu verzichten. Zudem soll sie sich regelmässig testen lassen. Es sei möglich, dass die Allergie so schnell wieder verschwinde, wie sie aufgetaucht sei.

(fee)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mina am 11.01.2019 23:36 Report Diesen Beitrag melden

    Gaaaanz einfach warum...

    Nach so vielen Jahren des Wissens, weiss man die einfachsten Sachen nicht. Die Antwort wäre so einfach...Auch unsere Organe bestehen aus Zellen. In jeder Zelle, sind alle Informationen von uns und unseren Vorfahren gespeichert. Wie ein Chip. Wenn man ein Organ in einen neuen Körper transplantiert, transplantiert man nicht nur das Organ, sondern auch die Informationen mit. Deshalb haben viele Patienten plötzlich Vorlieben, Allergien etc. des Spenders übernommen weil halt alles in jeder Zelle gespeichert wird. Eigentlich sehr einfach und logisch ;-)

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  • John Lansing am 11.01.2019 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plötzlich Allergisch

    Ich hatte nach einer Kieferbruch Operation plötzlich Heuschnupfen bis heute noch, und jetzt 15 Jahren später, nach einer Zeckenimpfung bin ich plötzlich Allergisch auf gewisse Weine.

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  • die Ritterin am 11.01.2019 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuckerkrankheit ade, dank Transplantation

    Ich kenne jemanden, die Diabetes Typ 1 hatte und seit einer Transplantation von Niere und Bauchspeicheldrüse frei von Diabetes ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Zobel am 14.01.2019 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Was ich mich frage, Organempfänger müssen ja immer noch jede Menge Medikamente nehmen damit der Körper das Organ nicht abstosst. Könnte man bei zeitlich nicht dringenden Fällen die Organe nicht "waschen" und mit Zellen des Empfängers wieder "füllen" um so die Abstossrate und die Medikamentenbelastung zu verringern?

    • Freddi am 14.01.2019 18:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Zobel

      Klar KÖNNTE man alles, aber eben... Wollen tut man das nicht, warum wohl? Es ist möglich, durch eigene Zellen ein Organ nachwachsen zu lassen. "Die Russen" haben das drauf, infos dazu im Netz.

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  • Felic Transer am 14.01.2019 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    Clonen statt Occasion

    Hätte man bei Clonaid bestellt, wäre das nicht passiert!

  • Bianca am 12.01.2019 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Leben gerettet

    Schön, dass der Frau danke einer Spenderlunge das Leben geretteten werden konnte - die Nussallergie ist so gesehen wohl ein 'kleines' Übel.

    • Phil am 14.01.2019 18:48 Report Diesen Beitrag melden

      @Bianca

      Wird nicht das Einzige sein - jeden Tag ein Medi-Cocktail einnehmen und ein fremdes Organ wird immer abgestossen. Ist das DIE Lebensqualität, die Organempfänger wirklich wollen?

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  • Laura am 12.01.2019 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich sowas.....

    Du bekommst ne neue Lunge und darfst am Leben bleiben, danach beschwerst du dich über eine Allergie. 1 einzige Allergie. Da hauts mich weg echt!!!

    • Mona am 12.01.2019 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laura

      Die Dame hat sich doch nicht beschwert?! Der Fall wurde einfach veröffentlicht, weil er so selten ist.

    • Toni am 12.01.2019 20:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Mona

      Ob etwas selten ist oder nicht, entscheidet den Fakt, ob es veröffentlicht wird oder nicht. Viele Dinge sind an der Tagesordnung, werden aber nie veröffentlich - Z.B. die Dummmachung und Verblendung von jungen Menschen in den Gesinnungsschmieden Schulen und Unis.

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  • Jan am 12.01.2019 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Häufig!

    Dass mit Spenderorganen plötzlich Eigenschaften des Spender "importiert" ist kein seltenes Phänomen, sondern fast schon die Regel. Es gibt unzählige Beispiele, auch von Leuten, die nicht "daran glauben". Eine Erdnussallergie mag selten sein...