Peru

11. November 2010 14:33; Akt: 11.11.2010 15:21 Print

Mit fünfeinhalb Jahren schon Mutter

In Spanien schlägt der Fall eines schwangeren minderjährigen Roma-Mädchens hohe Wellen. Doch im Vergleich zur jüngsten Mutter aller Zeiten scheint sie schon fast überreif.

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Auf dem rechten Bild ist die im siebten Monat schwangere Lina zu sehen. Links steht sie neben ihrem Arzt Gerardo Lozada, im Kinderwagen sitzt Klein-Gerardo.

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Vor knapp einer Woche wurde bekannt, dass im Süden Spaniens, in Jerez, ein zehnjähriges Mädchen ein Baby zur Welt brachte, 20 Minuten Online hat darüber berichtet. Später wurde ihr Alter auf «schon» 13 bis 15 Jahre geschätzt, doch das wahre Alter des Roma-Mädchens zu eruieren dürfte wegen fehlender Geburtsurkunde schwierig sein.

In der Schweiz passiert es rund ein Dutzend Mal pro Jahr, dass ein Mädchen unter 16 Jahren ein Kind zur Welt bringt. Doch diese Mädchen scheinen schon fast reif, wenn man sie vergleicht mit der allerjüngsten Mutter der Welt.

Fünf Jahre, sieben Monate, 21 Tage

Die heute 77-jährige Peruanerin Lina Medina war zum Zeitpunkt der Geburt ihres Sohnes erst fünf Jahre und sieben Monate alt. Ihre Eltern haben das Mädchen zum Arzt gebracht, da sein Bauch immer dicker wurde. Im Spital ging man von einem Tumor aus, doch nach den Untersuchungen war klar: Lina war im siebten Monat schwanger.

Der behandelnde Arzt Dr. Gerardo Lozada brachte das Mädchen in die Hauptstadt Lima, wo es am 14. Mai 1939 einen gesunden, wenn mit 2,7 Kilo auch sehr leichten Knaben zur Welt brachte. Er wurde nach Dr. Gerardo Lozada, der den Kaiserschnitt ausführte, benannt.

Gerardo, der bis zu seinem zehnten Lebensjahr glaubte, Lina sei seine Schwester, starb 1979 im Alter von 40 Jahren. Er hatte eine Knochenkrankheit, doch wurde zwischen dieser und dem damals jungen Alter seiner Mutter kein Zusammenhang gefunden.

Ungeklärte Vaterschaft

Lina arbeitete als junge Erwachsene als Sekretärin in der Klinik von Dr. Lozada in Lima. Der gute Doktor ermöglichte ihr nicht nur eine Ausbildung, er half ihr auch, Gerardo durch die Schule zu bringen.

Wer der Vater von Gerardo war, ist bis heute nicht bekannt. Zwar wurde Linas Vater mit Verdacht auf Vergewaltigung und Inzest verhaftet, aber aus Mangel an Beweisen wieder entlassen.

Lina selber machte nie Angaben zum Kindsvater oder den Umständen der Schwangerschaft. Sie heiratete und wurde 1972 zum zweiten Mal Mutter eines Knabens. Dieser lebt heute in Mexiko, Lina und ihr Ehemann Raúl Jurado wohnen in Limas Armenviertel Chigaco Chico (Klein-Chicago).

(lue)