Fachleute warnen

11. Juli 2014 23:07; Akt: 11.07.2014 23:07 Print

Mittel gegen Syphilis fehlen – Epidemie droht

Die Pharmaindustrie hat die Produktion der Medikamente eingestellt – aus wirtschaftlichen Gründen. Laut Fachleuten könnte in der Schweiz eine Syphilis-Epidemie ausbrechen.

storybild

Der Syphilis-Erreger Treponema pallidum. (Quelle: Wikipedia)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine Syphilis-Epidemie bedroht die Schweiz. Medikamente, die zur Behandlung der Geschlechtskrankheit dringend notwendig sind, werden nicht mehr hergestellt. Grund: Für die Pharma-Unternehmen rentiert die Herstellung nicht genug.

Die auf Geschlechtskrankheiten spezialisierte Dermatologin Laurence Toutous Trellu sagt zu «Le Matin»: «Die französische Marke Extencillin gibt es schon nicht mehr und die Zukunft von ähnlichen Behandlungen ist nicht langfristig garantiert. Finanziell sind diese Produkte nicht interessant genug für die Laboratorien.»

Das Fehlen der Antibiotika sei ein ernsthaftes Problem für die öffentliche Gesundheit, sagt Toutous Trellu. Es sei nun zwingend notwendig, Druck zu machen, «einschliesslich der politischen Ebene».

Homosexuelle besonders bedroht

Die Syphilis-Ansteckungen sind in der Schweiz seit 2006 um durchschnittlich 16 Prozent pro Jahr gestiegen. 2012 sind 1084 Fälle diagnostiziert worden, die Hälfte davon wurde bestätigt. In den 1990er-Jahren war Syphilis noch beinahe ausgerottet gewesen.

Vor allem Männer sind von Syphilis betroffen. Homosexuelle mit häufig wechselnden Partnern machen laut «Le Matin» einen grossen Anteil der Erkrankungen aus. Weniger Ansteckungen gibt es bei den Frauen: Nur etwa 20 Prozent der Betroffenen sind weiblich.

(nsa)