Berliner Experte

14. Januar 2020 10:05; Akt: 14.01.2020 10:05 Print

Mysteriöser Erreger in China ist ein Sars-Virus

Über 40 Menschen haben sich in der Millionenstadt Wuhan mit einem neuartigen Virus infiziert, das die Lunge befällt. Nun gibt es erste Anhaltspunkte.

Bildstrecke im Grossformat »
Kurz nachdem bekannt worden war, dass sich mehrere Menschen in der chinesischen Metropole Wuhan mit einem bislang unbekannten Virus infiziert haben, hiess es: Es ist kein Sars (schweres akutes respiratorisches Syndrom). Doch laut dem Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin ist es das doch: «Es ist dieselbe Virusart, nur in einer anderen Variante.» Unterschiede gebe es vor allem bei den Proteinen, mit denen das Virus an menschliche Zellen andocke. In die Ursachenfindung ist auch die WHO involviert. Sie verfolge die Situation aufmerksam und stehe in Kontakt mit den chinesischen Behörden, hiess es am Montag aus Genf. Grund für die Beteiligung der WHO war die schnelle Zunahme der gemeldeten Fälle in der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan. Dort, so wird vermutet, nahm die mysteriöse Lungenkrankheit ihren Anfang – auf dem Huanan Seafood Market, auf dem Fische und andere Tiere verkauft werden. Sie gelten als mögliche Virusquelle. Der Markt wurde inzwischen geschlossen und soll gründlich gereinigt werden. Bereits vergangene Woche teilten chinesische Forscher mit, dass es sich beim Erreger um ein bislang unbekanntes Virus aus der Familie der Coronaviren handelt. Dafür spreche einiges. (Im Bild: ein Coronavirus) Auch ausserhalb Wuhans wurden Sicherheitsmassnahmen ergriffen, etwa im mehreren 100 Kilometer entfernten Hongkong. Dort wurden am Flughafen Fieber-Messgeräte installiert. Reisende aus Wuhan werden gesondert kontrolliert. Auch an vier thailändischen Flughäfen – Suvarnabumi, Don Mueang, Phuket und Chiang Mai – werden aus Wuhan kommende Fluggäste thermisch untersucht. Des Weiteren wird den Reisenden ein Kärtchen mit Verhaltensanweisungen überreicht. Sollten sie sich innerhalb der nächsten 14 Tage krank fühlen, sollten sie sofort zum Arzt gehen. Laut Presseberichten gibt es bislang auch Verdachtsfälle ausserhalb Chinas. So wurde in Singapur ein dreijähriges Mädchen, das Wuhan, aber nicht den dortigen Fischmarkt besucht hatte, ins Spital gebracht. Weitere Verdachtsfälle wurden in Thailand und Südkorea gemeldet. Diese seien allerdings mit Vorsicht zu beurteilen, selbst wenn eine vermeintliche Laborbestätigung vorliege, so Drosten. Die Aussagekraft der eingesetzten Tests sei unterschiedlich, möglicherweise müssten Testergebnisse im Nachhinein revidiert werden. (Im Bild: Chinesische Forscher untersuchen Proben einer Erkrankten) Laut der Gesundheitskommission von Wuhan gibt es nach bisherigen Analysen «keine klaren Beweise» für eine Übertragung von Mensch zu Mensch. Auch sei kein medizinisches Personal infiziert worden. Schon vor einigen Tagen war den Fachleuten klar gewesen, dass es sich bei der Virus-Erkrankung nicht um Mers (Middle East respiratory syndrome coronavirus) handelt. Auch Grippe und Vogelgrippe (Bild) konnten da schon ausgeschlossen werden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der in China kursierende neue Erreger ist dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge ein Sars-Virus, das jenem bei der Sars-Pandemie 2002/03 ähnlich ist. «Es ist dieselbe Virusart, nur in einer anderen Variante», sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin am Dienstag. Unterschiede gebe es vor allem bei den Proteinen, mit denen das Virus an menschliche Zellen andocke. Bei der Sars-Pandemie waren von China ausgehend weltweit rund 8000 Fälle erfasst worden, mehr als 800 Menschen starben.

Umfrage
Waren Sie schon einmal in Wuhan?

Dass ein zuvor unbekanntes Virus so wie das jetzige Ausbrüche beim Menschen verursacht, kommt nach Einschätzung von Drosten etwa alle zehn Jahre vor. Für den neuen Erreger haben die chinesischen Behörden bisher 41 nachgewiesene Erkrankungen gemeldet, mehrere Patienten sind demnach in kritischem Zustand. Ein 61-Jähriger mit schweren Vorerkrankungen soll an der Infektion gestorben sein. Zudem gibt es Verdachtsfälle in Thailand, Südkorea und Singapur.

Einheitlicher Test

Diese seien allerdings mit Vorsicht zu beurteilen, selbst wenn eine vermeintliche Laborbestätigung vorliege, sagte Drosten. Die Aussagekraft der eingesetzten Tests sei unterschiedlich, möglicherweise müssten Testergebnisse im Nachhinein revidiert werden. Derzeit arbeitet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit den Ländern daran, einen einheitlichen diagnostischen Test festzulegen.

Dass aus China seit einigen Tagen keine neuen Erkrankungen gemeldet würden, gebe Anlass zu Hoffnung, so Drosten. Beruhigend sei aber vor allem ein anderer Faktor: «Es gibt bisher keine Ärzte und kein Pflegepersonal mit Symptomen.» Das sei ein guter Hinweis darauf, dass das Virus nicht leicht übertragbar ist. Nach derzeitigem Wissen sorge es für Fieber und Symptome einer Lungenentzündung. «Die oberen Atemwege sind nicht betroffen, es gibt beispielsweise keinen Schnupfen.» Von Lunge zu Lunge gelangt ein Erreger schwerer als etwa mit den Tröpfchen beim Niesen.

Markt als Ursprungsort

Tatsächlich sei eine Übertragung von Mensch zu Mensch bisher noch nicht bekannt geworden – was allerdings nicht bedeute, dass es sie nicht geben kann. «Das Virus könnte zum Beispiel von Menschen übertragen worden sein, die selbst symptomfrei geblieben sind.»

Als Ursprungsort der Krankheit gilt derzeit der Huanan-Markt in Wuhan, einer 11-Millionen-Metropole in Zentralchina (siehe Bildstrecke oben). «Auf solchen Märkten herrscht oft grosses Gedränge, Wildtiere werden dort lebend oder ganz frisch geschlachtet verkauft», erklärte Drosten. Die chinesischen Behörden haben demnach bereits eine Hypothese, von welcher Tierart der Erreger auf den Menschen übergesprungen sein könnte. «Das wird aber erst offiziell verkündet, wenn es als gesichert gilt.»

Beim Sars-Ausbruch 2002/03 galten Schleichkatzen als wahrscheinlichster Ursprung des Erregers. Sars steht für Severe Acute Respiratory Syndrome (schweres akutes Atemwegssyndrom).

(fee/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Flash am 14.01.2020 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Woher

    Welches Labor hat dieses Virus wieder in Umlauf gebracht ?

    einklappen einklappen
  • Reto am 14.01.2020 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    Sofort Tamiflu kaufen

    Alle Jahre wieder!

    einklappen einklappen
  • b.b. am 14.01.2020 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Leute und unhygienischer Markt

    In China gibt es sicher schöne Orte, aber trotzdem möchte ich nie nach China reisen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • einBurger am 15.01.2020 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    Angst

    Wieviele Menschen sterben jährlich nochmals am Influenzavirus? Locker 10'000 allein in Deutschland? wieviele weltweit?

  • Melchior am 15.01.2020 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kröten

    Nachdem man sich dann auf ein Tiernamen geeinigt hat, kann man ja mit der Pillenproduktion loslegen.

  • Runser Caroline am 14.01.2020 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mysteriöser Erreger in China ist ein Sars Virus

    Bei dieser Esskultur verwundert mich nichts . Eben keine Esskultur .

  • Mike am 14.01.2020 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne mich

    Auf dem Marktplatz geschlachtete Tiere können ja früher oder später nur zu Übertragungen von Krankheiten führen.

  • Gabi Köster am 14.01.2020 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Buah, hoffentlich kommts gut

    Werde am Samstag auf besagtem Fischmarkt sein. Gesichtsmaske und Desinfektionmittel habe ich natürlich dabei.