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08. März 2014 20:19; Akt: 09.03.2014 01:06 Print

Narben machen Kindern das Leben schwer

von Christoph Bernet - Kinder mit sichtbaren Verbrennungen oder grossen Narben müssen sich oft gegen unangenehme Blicke wehren. Eine Kampagne will das ändern.

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Chiara Weideli (11) hat ein Feuermal im Gesicht. (Bild: 20 Minuten/hautstigma.ch)

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Sie werden angestarrt und hinter ihrem Rücken wird über sie getuschelt: Wer mit einer gut sichtbaren Verbrennung oder Narbe durchs Leben geht, fällt in der Öffentlichkeit auf. Für die Betroffenen ist das oft unangenehm. Das Zentrum für brandverletzte Kinder am Kinderspital Zürich hat deshalb die Website hautstigma.ch lanciert. Mit einer Kampagne soll zudem die Öffentlichkeit für das Thema Hautauffälligkeiten sensibilisiert werden.

«Bei unserer Arbeit haben wir immer wieder gehört, dass Kinder und Jugendliche mit Hautauffälligkeiten in der Öffentlichkeit angestarrt und gehänselt werden», sagt Ornella Masnari, Psychologin am Kinderspital Zürich. So habe die praktische Arbeit den Ansporn für die Kampagne gegeben. In der Schweiz sei das Thema im Vergleich zu anderen Ländern in der Öffentlichkeit wenig präsent. «Die Betroffenen und ihre Familien sind häufig auf sich alleine gestellt.»

«Viele haben Angst vor Ansteckungen»

Eine Studie habe ergeben, dass Schüler Kinder mit Hautauffälligkeiten auf Fotos negativer bewerten, als wenn sie dasselbe Kind auf einem retouchierten Foto ohne Auffälligkeiten sehen. «Manche Kinder haben auch Angst, dass gewisse Hautkrankheiten ansteckend sein könnten.» Diese negative Wahrnehmung wolle die Kampagne ändern, so Masnari.

Es sei wichtig, betroffene Kinder darin zu unterstützen, eine selbstbewusste Haltung zu ihrem Zustand zu finden: «Sie brauchen einen natürlichen Umgang mit den Blicken und der Neugier, mit der sie konfrontiert sind.» Beispielsweise empfehle man betroffenen Kindern, einen Vortrag über ihre Narben oder Muttermale zu halten, wenn sie in eine neue Schulklasse kämen.

Schwierig sei insbesondere die Phase der Pubertät. In dieser Zeit werde das eigene Aussehen für Jugendliche als Teil des Identitätsfindungsprozesses generell wichtiger: «Es stellen sich Fragen wie ‹Wer bin ich?› und ‹Wer will ich sein?›» Für Jugendliche mit einer Narbe oder einer Verbrennung sei es wichtig, diese in die eigene Identität zu integrieren.

«Nachrichtensprecher mit Narben wären super»

Masnari hofft, mit der Kampagne die Gesellschaft zum Nachdenken über ihren Umgang mit Menschen mit Hautauffälligkeiten anzuregen. In der heutigen Zeit herrsche ein Druck, alles wegzuoperieren, was nicht der Norm entspreche. Um dieses Credo zu durchbrechen, seien auch die Medien gefordert. «Ich fände es schön, wenn auch mal jemand mit Narben die Nachrichten verlesen oder das Wetter präsentieren würde.» Damit könnte ein Zeichen dagegen gesetzt werden, dass Personen mit Hautauffälligkeiten in gewissen Jobs diskriminiert werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lola am 09.03.2014 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Find ich gut!

    Super Sache; ich kann das gut nachvollziehen. Hatte als Kind starke Neorodermitis und fühlte mich durch Blicke oder Bemerkungen anderer oft wie eine Aussetzige. Obwohl es nicht ansteckend ist/war, wurde dies oft so interpretiert oder gar als ungepflegt betitelt. Schön, dass auf diese Kinder nun aufmerksam gemacht wird.

  • Stephan Sutter am 09.03.2014 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Scarface

    Finde die Kampagne gut. Meine Narbe quer über die Backe trage ich seit Ich mich kenne. Wurde oft gehänselt da es eine offensichtliche "angriffsfläche" ist. Bekam von Halbstarken manchmal auch das Angebot eine zweite Narbe auf der anderen Seite zu bekommen oder aber auch komplimente von Frauen die das Sexy finden. Habe vieles erlebt, am liebsten habe ich die Leute die mich direkt ansprechen, aber das sind leider nur die Kinder denn die sind ehrlich und direkt. Ich habe mich mit 18 J gegen eine Verbesserungs Operation entschieden, meine Narbe im Gesicht gehört zu mir wie auch die anderen 9

  • marcel am 09.03.2014 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    sonstkeine probleme ?

    erzieht die kinder richtig mit anstand und respekt und das problem ist gelöst. nicht immer alles auf andere abwälzen !

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • lili lili am 09.03.2014 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    hoffnung

    ja das ist so das habe ich auch ich habe sehr schwere verberenungen bin 20 und ich kann aus erfahrungen. Beim mir haben sie in der schule immer ausgegrenzt und dann habe ich auch noch Probleme gehabt beim Sport untericht dann habe ich mich wollen ertrinken weil ich gedacht habe das Leben habe keinen sin mehr da hate mich aber die Turnlehrerin geretet und das Zum glück weil ich habe mir gesagt ich geh für ich in die schule und nicht für die anderen Ich habe auch gesagt ich habe nicht so viele Kollegginen und kolleggen aber das ist mir jetzt egal ich bin 20 und habe einen Freund

  • Skeptiker am 09.03.2014 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Voreingenommen

    Wenn Leute mit Narben oder Hautveränderungen vermehrt blöd angemacht werden, liegt das vielleicht an der zunehmend heterogenen Gesellschaft, in der wir leben "müssen". Eine schlechte Bildung und Aberglaube fördert solchen Schwachsinn nur. Ich habe seit Kleinkindesalter eine üble Narbe am Kinn, hatte Schulkameraden in der Prim mit Sprechproblemen und schlechten Augen. Keiner kam auf die Idee, die anderen deswegen zu hänseln. Also woher kommt diese Voreingenommenheit?

  • verunfallte am 09.03.2014 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur die Erziehung

    DIe Erfahrung habe ich gerade gestern gemacht. Da war im Bus so ein kleines Mädchen, sie fragte ihre Mutter, warum ich einen Verband trage und hinke. (Hatte kürzlich einen Unfall). Die Mutter sagte ihr, dass man so etwas nicht fragt, weil das unhöflich ist. Ich glaube nicht, dass es an der Erziehung liegt, bei einigen Kindern vielleicht, aber die verstehen das halt noch nicht, wenn sie dann älter werden, sieht es dann auch wieder anders aus.

  • anna am 09.03.2014 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die loesung fuer solche muttermale...

    ... ist "true cover"- make up. es verdeckt wirklich alles und von narben nix zu sehen.

  • Stephan Sutter am 09.03.2014 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Scarface

    Finde die Kampagne gut. Meine Narbe quer über die Backe trage ich seit Ich mich kenne. Wurde oft gehänselt da es eine offensichtliche "angriffsfläche" ist. Bekam von Halbstarken manchmal auch das Angebot eine zweite Narbe auf der anderen Seite zu bekommen oder aber auch komplimente von Frauen die das Sexy finden. Habe vieles erlebt, am liebsten habe ich die Leute die mich direkt ansprechen, aber das sind leider nur die Kinder denn die sind ehrlich und direkt. Ich habe mich mit 18 J gegen eine Verbesserungs Operation entschieden, meine Narbe im Gesicht gehört zu mir wie auch die anderen 9