Durchbruch?

30. April 2012 18:10; Akt: 30.04.2012 21:13 Print

Neue Hoffnung im Kampf gegen Schuppenflechte

Zürcher Forscher sind auf einen neuen Wirkmechanismus bei der Hautkrankheit Schuppenflechte gestossen. Weiterführende Untersuchungen sollen neue Therapien ermöglichen.

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Wissenschaftler aus Zürich und Berlin haben einen neuen Wirkmechanismus bei Schuppenflechte entdeckt. Demnach lösen Zellen der angeborenen Immunantwort die Hautentzündung aus. Die Erforschung dieser Zellen könnte einen Weg zu neuen Therapien aufzeigen.

Das Resultat überraschte die Forschenden um Burkhard Becher vom Universitätsspital Zürich, denn bisher hielt man einen anderen Mechanismus für diese Autoimmun-Reaktion verantwortlich. Man ging davon aus, dass spezielle T-Helferzellen, die normalerweise eine Art Warnsystem für Fremdkörper im Blut sind, irrtümlicherweise das eigene Gewebe als fremd erkennen und eine Immunabwehr auslösen.

Um die molekularen Zusammenhänge zu verstehen, untersuchte Bechers Team Mäuse, bei denen mit einem Medikament Schuppenflechte ausgelöst wurde. Es stellte sich heraus, dass Zellen der angeborenen Immunantwort zur Schuppenbildung führten - und nicht jene der Fremdstoff-Erkennung. Das angeborene oder humorale Immunsystem dient der Abwehr von Viren und Bakterien und wird durch Impfungen stimuliert.

Neuer Ansatz für Therapien

Diese Zellen namens Ror-Gamma und Gamma-Delta produzierten bei den Mäusen Zellbotenstoffe, die die Entzündungsreaktion der Haut auslösten, wie die Forscher am Montag im Fachblatt «Journal of Clinical Investigation» berichteten.

Der Befund schliesse zwar nicht aus, dass bei der Schuppenflechte nicht auch akute Immunreaktionen stattfänden, schreiben die Forschenden. Doch offenbar genüge schon ein fehlerhaft reguliertes angeborenes Immunsystem, um Schuppen zu bilden. Deshalb könnte es auf der Suche nach neuen Therapien hilfreich sein, auch diese Zellen näher zu erforschen.

Schuppenflechte ist eine der häufigsten Hautkrankheiten und betrifft zwei Prozent der Weltbevölkerung. Sie äussert sich in geröteter, schuppiger und juckender Haut und ist unheilbar. Mit diversen Medikamenten, Diäten und alternativen Heilverfahren wird versucht, die Symptome zu lindern.

(sda)