Unispital Zürich

20. November 2009 15:38; Akt: 20.11.2009 17:01 Print

Nur 15 Prozent der Belegschaft sind geimpft

Während BAG und die Kantone eine schnellstmögliche Impfung gegen die Schweinegrippe propagieren, scheinen es Ärzte und Pflegepersonal mit einer Immunisierung nicht allzu eilig zu haben. Eine tickende Zeitbombe?

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach den ersten durch die pandemische Grippe bedingten Todesfällen in der Schweiz ist die Debatte rund um die Impfung gegen das Virus wieder aufgeflammt. Wie «Radio 1» berichtet, glänzte ausgerechnet ein grosser Teil des medizinischen Personals des Unispitals Zürich während einer betriebsinternen Impfaktion mit Abwesenheit. Dort liessen sich erst 15 Prozent der Belegschaft gegen das A/H1N1-Virus immunisieren. Prof. Christian Ruef, Leiter Spitalhygiene, zeigt sich besorgt: «Jeder Wert unter 30 bis 40 Prozent ist ein schlechtes Ergebnis».

Das Virus kommt im weissen Kittel

Gerade bei Pflegern und Medizinern ist der Impfverdruss bedenklich: Sie haben direkten Kontakt zu den Patienten. Erschwerend hinzu kommt, dass eine Infektion für Menschen mit geschwächtem Immunsystem katastrophale Folgen haben kann: Frisch operierte und chronisch Kranke sind besonders anfällig für das Virus – für sie ist das Komplikationsrisiko durch eine Ansteckung mit dem sonst meist milde wirkenden Schweinegrippe-Erreger stark erhöht. Selbst die Tatsache, dass einige dieser Risikopatienten bereits geimpft sind, ändert nichts an der Gefahr: Eine maximale Immunisierung tritt erst ca. zwei Wochen nach dem Pieks ein.

Säuglinge sind nicht geschützt

Besonders dramatische Auswirkungen hat das für Säuglinge, die jünger als sechs Monate sind: Sie dürfen noch nicht geimpft werden. Liegt darüber hinaus eine Grunderkrankung vor, kann eine Grippeinfektion tödlich verlaufen.

Mit ein Grund für Ruef, die betriebsinterne Impfaktion in der kommenden Woche nochmals zu propagieren. Entscheiden sich nicht bedeutend mehr Personen für die Immunisierung, denkt der Mediziner über einen Maskenzwang für ungeimpfte Mitarbeiter nach.

(rre)