Nasensprays

29. April 2010 13:29; Akt: 29.04.2010 14:04 Print

Per Sprühstoss in die Abhängigkeit

von Runa Reinecke - Bei Heuschnupfen oder Erkältung werden sie bedenkenlos angewendet. Doch vermeintlich harmlose Schnupfenkiller bergen ein häufig verkanntes Risiko.

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Tipps bei Heuschnupfen.

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Es ist eine der wohl unangenehmsten Begleiterscheinungen von Heuschnupfen oder Erkältung: Die Schleimhäute schwellen an, die Nase ist dicht. Das erschwert nicht nur die Nahrungsaufnahme, sondern trägt massgeblich zu Schlafstörungen und Unruhezuständen bei.

Sprühen, durchatmen ...

Besonders hilfreich ist deshalb die Anwendung eines Nasensprays: Nur jeweils ein Sprühstoss ins Nasenloch und schon nach wenigen Augenblicken schwellen die Schleimhäute ab.
Der im Spray enthaltene Wirkstoff Xylometazolinhydrochlorid verursacht das Zusammenziehen der Gefässe im Inneren des Riechorgans, die Durchblutung wird reguliert, das freie Atmen ist wieder möglich.

Ein tolles Medikament also, das ohne Nebenwirkungen auskommt? Nicht ganz, denn was viele nicht wissen: Nasensprays können abhängig machen. Entscheidend ist deshalb die Dauer der Anwendung. Nach sieben Tagen muss die Therapie beendet sein. «Kann man sich jetzt nicht vom Nasenspray lösen, hat sich der Körper an die freie Nase und damit an die Wirkung des Sprays gewöhnt. Verstopft die Nase erneut, verlangt der Körper nach dem befreienden Medikament», warnt Peter Joachimsen, leitender Hals-Nasen-Ohrenarzt an der Horst Schmidt Klinik in Wiesbaden auf Anfrage von t-online.de.

Warnhinweise werden ignoriert

Alleine in Deutschland sind rund 100 000 Menschen von auf die Nasenschleimhaut beruhigend wirkenden Arzneien abhängig. Eine wage Schätzung, denn durch die rezeptfreie Abgabe - so ist es auch in Schweizer Apotheken üblich - liegt die Dunkelziffer vermutlich viel höher. Einziger Schutz: die Hinweise auf den Beipackzetteln der Sprays, die eindeutig vor einer Anwendung warnen, die über die Dauer von einer Woche hinaus geht.

Gelesen wird diese aber offenbar nicht, wie eine Umfrage des deutschen Meinungsforschungsinstituts Forsa aus dem vergangenen Jahr bestätigt: Dem zufolge glaubten 24 Prozent aller Befragten, diese Medikamente könnten problemlos über einen Zeitraum von zwei Wochen benutzt werden. Ganze zwölf Prozent waren sogar der Meinung, eine noch längere Einnahme schade nicht.

Entwöhnungsstrategie: Dosierung langsam senken

Damit die Schleimhäute wieder selbst aktiv werden können, müssen sie von den abschwellenden Wirkstoffen entwöhnt werden. Der Entzug sollte aber Experten nach auf keinen Fall schlagartig erfolgen. Um von der Sprayabhängigkeit loszukommen, empfiehlt sich das Ersetzen des Medikaments durch ein Präparat, das für Kinder oder Säuglinge zugelassen ist. In ihm befindet sich eine niedrigere Konzentration des abschwellend wirkenden Inhaltsstoffes. Durch eine sukzessiv verminderte Gabe kann der Betroffene so langsam wieder von seiner Sucht befreit werden und ganz ohne Hilfsmittel ruhig und entspannt durchatmen.