Rauchstopp

31. Januar 2019 11:33; Akt: 31.01.2019 19:59 Print

«Raucher sterben im Schnitt 7 Jahre früher»

Gut ein Viertel der Schweizer sind Raucher. Ein Experte erklärt, wieso sich ein Rauchstopp jederzeit lohnt und mit welchen Risiken der Zigarettenkonsum einhergeht.

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Thomas Cerny, Onkologe und Präsident der Krebsforschung Schweiz, beantwortet Fragen rund um die Folgen von regelmässigem Zigarettenkonsum. «Das Risiko, Krebs oder andere Raucherkrankheiten zu bekommen oder daran zu sterben, nimmt nach dem Rauchstopp kontinuierlich über die Jahre ab. Das Wohlbefinden und die körperliche Leistungsfähigkeit inklusive sexueller Potenz nehmen aber sehr rasch wieder zu, die Haut der Frauen wird wieder jugendlicher und frisch.» «Wenn man länger geraucht hat, wird der Körper dies nicht mehr ganz vergessen, aber doch vieles wieder kompensieren, vor allem auch, wenn man dann mit Bewegung und vernünftiger Gewichtskontrolle den Körper in Schuss hält.» «Jede Zigarette zählt. Je mehr sogenannte «Pack Years» (1 «Pack Year» = ein Päckli pro Jahr geraucht) jemand hat, desto schlimmer ist es. Wenn also jemand zwei Päckli am Tag während zehn Jahren raucht, dann hat er 20 «Pack Years» und schon ein enorm erhöhtes Risiko, bald ernsthaft zu erkranken und deswegen früher zu sterben.» «Es sind letztlich alle Körperzellen bis in die harten Knochen und natürlich auch das Gehirn vom Rauchen betroffen. In erster Linie wird aber zuerst die Lunge geschädigt sowie der Kreislauf und dann alle Organe, insbesondere diejenigen, die die «Teerstrasse» ausmachen: Denn die giftigen Substanzen und ihre teilweise noch giftigeren Abbauprodukte sind im ganzen Körper.» «Den wirklichen Genussraucher gibt es nur sehr, sehr selten, da Nikotin schon in wenigen Tagen eine starke Abhängigkeit mit bleibender Sucht bewirkt. Wer zu dieser seltenen Gattung gehört, hat zwar Glück, schadet sich aber trotzdem, wenn auch in geringerem Mass, je nach Zigarettenkonsum.»

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Herr Cerny*, lohnt sich ein Rauchstopp für jeden zu jedem Zeitpunkt? Warum?
Ja, unbedingt! Das Risiko, Krebs oder andere Raucherkrankheiten zu bekommen oder daran zu sterben, nimmt dann kontinuierlich über die Jahre ab. Das Wohlbefinden und die körperliche Leistungsfähigkeit inklusive sexueller Potenz nehmen aber sehr rasch wieder zu, die Haut der Frauen wird wieder jugendlicher und frisch. Man wird also kurz- und langfristig massiv belohnt und das Portemonnaie wird Ende Jahr einige tausend Franken mehr enthalten. Dass sich auch die Lebenserwartung um Jahre verbessert, wenn man früh aufhört zu rauchen, ist ebenso eine Tatsache: Der Raucher stirbt statistisch gesehen sieben Jahre früher als der Nichtraucher, und wenn er noch das Pech hat, deswegen an Krebs zu erkranken, sind es sogar 21 Jahre.

Kann sich die Lunge erholen? Kann der Körper «vergessen»?
Ja, die Lunge profitiert rasch in ihrer Funktionsfähigkeit, das beginnt schon direkt mit dem Aufhören. Wenn man natürlich schon die halbe Lunge zerstört hat, kann man das zwar nicht mehr zurückholen, aber wenigstens den Rest retten und sich beispielsweise eine sehr belastende Invalidität mit Sauerstoffabhängigkeit ersparen. Wenn man länger geraucht hat, wird der Körper dies nicht mehr ganz vergessen, aber doch vieles wieder kompensieren. Das vor allem auch, wenn man dann mit Bewegung und vernünftiger Gewichtskontrolle den Körper in Schuss hält.

Macht die Dauer der «Raucherkarriere» einen Unterschied?
Ja, jede Zigarette zählt. Je mehr sogenannte «Pack Years» (ein «Pack Year» = ein Päckli pro Tag während eines Jahres geraucht) jemand hat, desto schlimmer ist es. Wenn also jemand zwei Päckli pro Tag während zehn Jahren raucht, dann hat er 20 «Pack Years» und schon ein enorm erhöhtes Risiko, bald ernsthaft zu erkranken und deswegen früher zu sterben.

Jemand ist Wochenend-Raucher im Ausgang. Warum sollte er aufhören?
Den wirklichen Genussraucher gibt es nur sehr, sehr selten, da Nikotin schon in wenigen Tagen eine starke Abhängigkeit mit bleibender Sucht bewirkt. Wer zu dieser seltenen Gattung gehört, hat zwar Glück, schadet sich aber trotzdem, wenn auch in geringerem Mass, je nach Zigarettenkonsum. Denn schon eine einzige Zigarette wirkt sich im Körper messbar schädlich aus – auch wenn wir dies vielleicht nicht merken. Wir sollten nicht vergessen, dass wir Hunderte der giftigsten krebsfördernden Substanzen mit einer Zigarette inhalieren – warum sollte man sich das freiwillig antun?

Zigaretten soll es überall nur noch ab 18 Jahren geben. Ist es gefährlicher, wenn man schon als Teenager raucht?
Ja. Der Körper ist dann noch im Wachstum. Das ist eine verletzliche Phase im Leben, da die krebsfördernden Substanzen in wachsenden Zellen mehr krebsrelevante Mutationen erzeugen als später im Leben.

Was macht das Rauchen mit dem menschlichen Körper im Laufe einer «Raucherkarriere»? Welche Körperfunktionen fangen in welcher Reihenfolge an zu schwächeln?
Es sind letztlich alle Körperzellen bis in die harten Knochen und natürlich auch das Gehirn betroffen. In erster Linie wird aber zuerst die Lunge geschädigt sowie der Kreislauf und dann alle Organe, insbesondere diejenigen, die die «Teerstrasse» ausmachen: Denn die giftigen Substanzen und ihre teilweise noch giftigeren Abbauprodukte sind im ganzen Körper, gehen durch den ganzen Hals und Rachen, Magen-Darm-Trakt, durch Nieren und Blase und erzeugen dort ebenso Krebs wie in der Lunge, wie wir heute wissen.

Wie kann man der Lunge (und dem Rest des Körpers) nach dem Rauchstopp Gutes tun? Hilft es wirklich, Tomaten, Äpfel und Bananen zu essen?
Was hilft, ist nur das Aufhören und dann natürlich eine aktive gesunde Lebensweise. Dazu gehören beispielsweise Früchte. Das sind gesunde Lebensmittel, aber keine Mittel, um die Raucherschäden zu beheben.

*Thomas Cerny ist Onkologe und Präsident der Krebsforschung Schweiz

(daw)