Nach Schlaganfall

24. März 2011 22:14; Akt: 24.03.2011 19:52 Print

Roboter ARMin hilft Bewegungen neu zu lernen

von Bernd Wilke - «Zum Glück bin ich Rechtshänderin», sagt die 64-Jährige. Aber sobald sie für eine Tätigkeit beide Hände braucht, stösst die Frau an ihre Grenzen. Kartoffeln schälen – unmöglich!

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Ein gesunder Proband zeigt, wie man mit Reha-Roboter ARMin spielerisch lernt, den Arm wieder zu steuern. Foto: r.ruis

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Nun muss Eva Küng wieder lernen, den Arm zu bewegen. Roboter ARMin hilft ihr dabei. Das Ziel: Da der Schlaganfall bestimmte Hirnareale geschädigt hat, sollen nun benachbarte Hirnregionen dazu gebracht werden, Bewegungen wieder selbst anregen und steuern zu können. Dies geschieht, indem der Roboter eine Bewegung vormacht und die Patientin dann dabei unterstützt, sie möglichst häufig zu wiederholen. Dafür übt Eva Küng an der Uniklinik Balgrist in Zürich – acht Wochen lang, dreimal pro Woche, jeweils für eine Stunde. Dies tut sie mit Hilfe von Videospielen und ARMin, der ihren Arm mit einem Metallskelett umhüllt und so die Bewegung unterstützt – aber nur, so weit das nötig ist. In einem der Games versucht die Patientin beispielsweise, auf einem Computerbildschirm Fleisch in eine Pfanne zu geben. Dabei führt und unterstützt der Roboter ihren Arm. «Ständiges Wiederholen erzeugt im Gehirn wieder das Gefühl für die Bewegung», erklärt Verena Klamroth-Marganska vom Labor für Sensomotorische Systeme der ETH Zürich und der Klinik Balgrist. Die Ärztin leitet seit 2008 eine Studie mit 88 Patienten, die im Dezember endet und den Nutzen von ARMin zeigen soll. Doch jetzt schon ist klar: «Es funktioniert umso besser, je mehr und länger man übt.»

Die Vorteile des Roboters? Im Gegensatz zu menschlichen Therapeuten wird er nie müde. Deshalb üben die Patienten häufiger und intensiver als bei einer klassischen Therapie und können am Spielstand ihre Fortschritte ablesen.

Bewährt sich ARMin, soll er in der Rehabilitation in Zukunft standardmässig zum Einsatz kommen. Eva Küng würde ihn am liebsten jetzt schon mit zu sich nach Hause nehmen. Denn ihr Ziel ist klar: «Ich will wieder Kartoffeln schälen!»

*Name der Redaktion bekannt