Ibuprofen

04. März 2011 15:29; Akt: 04.03.2011 15:51 Print

Schützt Schmerzkiller vor Parkinson?

Ibuprofen hilft bei Schmerzen und wirkt entzündungshemmend. Glaubt man einer Studie der Harvard-University, kann das Medikament nicht nur heilen, sondern auch vorbeugen.

Bildstrecke im Grossformat »
Der Schweizer Dr. Albert Hofmann (1906 - 2008) war nicht nur Vater des LSDs: Beim Zerlegen sogenannter Mutterkorn-Alkaloide stiess er auf einen Wirkstoff, der besonders häufig in der Geriatrie zum Einsatz kommt. Chaos hat auch etwas Gutes: Weil der Forscher Leo Sternbach aufgrund einer Masse von Aufträgen nicht mehr an einem Schlafmittel forschen konnte, liess er einige Substanzen stehen. Dies wiederum hatte eine chemische Reaktion zur Folge,... ... die das Schlaf- und Beruhigungsmittel Librium hervorbrachte. Sein Nachfolger ist noch heute in aller Munde: das Medikament Valium. Im Teamwork entstand der synthetische Wirkstoff Diclofenac - bis heute eine grosse Hilfe für Menschen mit entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma. Nicht alles, was gut ist, kommt aus der Kloake - der Pilz Cephalosporium acremonium schon. Entdeckt wurde er 1945 vom Italiener Giuseppe Brotzu. Später entstand daraus in der Schweiz ein Antibiotikum. Mit dem Wirkstoff Ciclosporin war es endlich möglich, die Abstossungsmechanismen nach Organtransplantationen zu unterdrücken, ohne das gesamte Immunsystem anzugreifen. Immerhin bei 20 bis 30 Prozent aller Brustkrebspatientinnen kann der Wirkstoff Trastuzumab eingesetzt werden. Er blockiert das unkontrollierte Wachstum und aktiviert das körpereigene Immunsystem. Der im Medikament Glivec enthaltene Wirkstoff Imatinib ist ein erfolgreiches Krebsmedikament, das in den krankhaften Prozess der chronischen Leukämie eingreift. Gesunde Zellen werden bei diesem Vorgang verschont. Um den Schwangerschaft-Begünstiger Gonal herzustellen, wurden ursprünglich Nonnen gebeten, Urinproben abzugeben. Aus dem Urin wurde eine Substanz extrahiert, welche die Reifung von Eizellen stimuliert. Das Immunsuppresivum Interferon beta-1a hilft Menschen mit der Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose, die Zahl der Schübe über einen längeren Zeitraum hinweg zu verringern.

Wussten Sie, welche Medikamente «Made in Switzerland» sind?

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Entzündungs- und Schmerzhemmer Ibuprofen kann davor schützen, an Parkinson zu erkranken. Wie ein Forscherteam der Harvard University in Boston in der Online-Ausgabe der Zeitschrift «Neurology» schreibt, haben Menschen, die regelmässig Ibuprofen einnehmen, ein um 27 Prozent niedrigeres Risiko, an Parkinson zu erkranken, als andere Personen. Als regelmässig gilt die zwei- oder mehrmalige Einnahme pro Woche.

Die Forscher hatten Angaben von rund 136000 Beschäftigten im amerikanischen Gesundheitswesen zur Einnahme von Ibuprofen und zur Erkrankung an Parkinson verglichen sowie andere Studien ausgewertet. «Möglicherweise zielt Ibuprofen auf einen bestimmten Rezeptor im Gehirn und wirkt damit Parkinson entgegen», erklärt Xiang Gao, einer der Forscher. «Man sollte jetzt aber nicht anfangen, regelmässig Ibuprofen zu nehmen, um Parkinson zu vermeiden», betont James Bower von der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, in einem Kommentar zu der neuen Studie. «Die langfristige Einnahme von Ibuprofen hat eine Menge Nebenwirkungen.»

(ap)