Seltene Krankheiten

10. Mai 2010 16:21; Akt: 12.05.2010 12:45 Print

Sie erkennt nur einen: James Bond

Eine 62-jährige Britin stellt Mediziner vor ein Rätsel: sie erkennt selbst die Stimmen nächster Verwandter nicht, dafür aber die eines schottischen Schauspielers.

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Erkennen Sie die Stimm-Melodie? Für die Britin K. H. kann es nur einen geben und das ist der schottische Schauspieler Sean Connery.

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Zum Telefon greift sie nie - trotzdem ist K. H. eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Dass die 62-Jährige, von der ausschliesslich die Initialen bekannt sind, um jedes klingelnde Handy einen grossen Bogen macht, hat einen guten Grund: Sie kann die Stimme am anderen Ende der Leitung niemandem zuordnen, egal, ob es sich dabei um einen flüchtigen Bekannten oder ein Mitglied ihrer Familie handelt. Selbst wenn sie vor einer ihr vertrauten Person steht, erscheint ihr die Stimme fremd.

K. H. ist bisher die einzig bekannte Person weltweit, die unter einer angeborenen Form von Phonagnosie leidet. Bisher war das ohnehin selten auftretende Phänomen nur als Folge einer Hirnschädigung - beispielsweise durch einen Unfall oder einen Schlaganfall - bekannt.

Gesichtsblindheit gab den Ausschlag

Jahrzehntelang ertrug die Frau ihr Leiden - erst als sie in der Zeitung einen Artikel über Gesichtsblindheit las und einige Parallelen zu ihrem eigenen Schicksal zog, wurde sie aktiv: sie setzte sich mit Wissenschaftlern der Universität London in Verbindung. Bereits seit einigen Jahren wird K. H. verschiedensten Tests unterzogen. Dabei fanden die Forscher heraus, dass ihre Probandin selbst sehr unterschiedlich klingende Stimmen nicht voneinander zu unterscheiden vermag. Einzig die Zuordnung männlich beziehungsweise weiblich gelingt ihr, doch weder das Gesagte ihrer Tochter noch das von Prominenten weiss K. H. zuzuordnen, bis auf eine Ausnahme: die Stimme von Ex-James-Bond Sean Connery. Diese scheint ihr «dailymail.co.uk» zufolge wie ins Gedächtnis eingebrannt zu sein.

Um dem Geheimnis auf den Grund zu gehen, wurde der Schädel von K. H. in einem Magnetresonanztomographen (MRT oder auch MRI) gescannt. Während der Untersuchung, die selbst Veränderungen im Millimeter-Bereich für den Experten erkennbar macht, wurde nur eine Auffälligkeit beobachtet: Die 62-Jährige verfügt im Vergleich zu «normalen» Personen über eine geringe Aktivität in dem Bereich des Gehirns, der für die Spracherkennung verantwortlich ist. Nun bedarf es nach der Lokalisation des Problems nur noch seiner Lösung. Ein schwacher Trost für K. H. - vielleicht sollte 007 endlich zum Telefon greifen ... ?

(rre)