Sars-CoV-2-Pandemie

20. März 2020 16:10; Akt: 20.03.2020 16:10 Print

Die Impfstoff-Entwicklung läuft auf Hochtouren

Obwohl die ersten Infektionen der WHO gerade mal an Silvester gemeldet wurden, gibt es drei Monate später bereits über 30 Impfstoffkandidaten.

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Das neuartige Coronavirus hat eine Pandemie mit bereits Tausenden Toten ausgelöst. Obwohl chinesische Forscher den Gencode von Sars-CoV-2 bereits einen Monat nach Meldung des Virus an die WHO entschlüsselt hatten (Bild) und bis Mitte März 2020 über 30 Impfstoffkandidaten identifizert wurden ... ... was laut Anthony Fauci, Direktor des amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), Rekord ist, ... wird es wohl noch bis mindestens bis ins Jahr 2021 dauern, bis ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Denn die weiteren Schritte in der Impfstoffzulassung brauchen ihre Zeit, so Fauci: «Wer angibt, schneller sein zu können, muss an relevanten Punkten sparen, was sich nachteilig auswirken würde.» Die folgenden Phasen muss ein Impfstoff vor seiner Zulassung für gewöhnlich durchlaufen. Sobald im Labor ein Impfstoff auserkoren wurde, testet man in einem Tiermodell, ob überhaupt Antikörper gebildet werden und ob diese das Virus hemmen. In einem weiteren Schritt muss dann geprüft werden, ob der Impfstoff auch vor einer Ansteckung schützt. Kurz: Die präklinische Phase dient dazu, herauszufinden, ob er hält, was er verspricht. Stehen alle Zeichen auf Grün, wird anschliessend der Impfstoff in grossen Mengen hergestellt und toxikologisch getestet. Wenn dabei keine Gegenanzeigen auftauchen und alles gut verläuft, können die verantwortlichen Forscher einen Antrag auf eine klinische Studie stellen. Eine solche wird in der Regel mit gesunden Probanden durchgeführt und ist eine Voraussetzung für die behördliche Arzneimittelzulassung. Wurde der Antrag durchgewinkt, erfolgen erste Tests an Menschen – die sogenannte Phase 1. In dieser muss beispielsweise bewiesen werden, dass der Impfstoff nicht schädlich ist. Ein Zulassungsverfahren durchläuft stets mehrere Phasen. Mit jeder weiteren wird der potenzielle Impfstoff an mehr Menschen getestet. Die Fragen sind dabei stets dieselben: Ist der Impfstoff gut verträglich? Ist er schädlich? Immunisiert er tatsächlich? Wie sieht die optimale Dosis aus? Dabei gilt es immer, die Risiken gegenüber der beabsichtigten Wirkung abzuwägen. Auch ohne Rückschläge kann sich die Zulassungsphase über mehrere Jahre erstrecken. Denn: «Die Impfstoffe müssen sicher sein, sonst tut man sich keinen Gefallen», so Stephan Becker von der Universität Marburg gegenüber dem Doch wenn der politische oder medizinische Druck hoch genug ist, wie während der aktuellen Corona-Krise mit mehr als 245'000 Infizierten und über 10'000 Toten weltweit, können die Zulassungsverfahren beschleunigt werden. Nur so ist es möglich, dass es vielleicht schon im Jahr 2021 einen Impfstoff gibt. (Im Bild: Spital Moncucco in Lugano, 17. Maerz 2020)

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Einen Impfstoff zu entwickeln, war früher eine äusserst langwierige Angelegenheit. Denn zunächst musste der Erreger isoliert, in grossen Mengen produziert und danach abgetötet oder zumindest abgeschwächt werden. Im besten Fall dauerte allein das mehrere Monate.

Heute ist das – dank moderner Gentechnik – deutlich schneller möglich: Kaum hatten chinesische Wissenschaftler den Gencode des neuartigen Coronavirus Ende Januar 2020 geknackt (siehe obige Bildstrecke), konnten Forscher weltweit mit der genetischen Information experimentieren und die Entwicklung eines Impfstoffes vorantreiben.

Nun, knappe zwei Monate später, gibt es bereits mehr als 30 relativ weit fortgeschrittene Impfprojekte. Deren Herangehensweisen lassen sich in hauptsächlich drei Gruppen einteilen:

1. Impfstoffe aus Vireneiweiss

Einige Forscherteams arbeiten an einem Impfstoff aus Vireneiweiss, bei dem das Protein – und nicht das ganze Virus –die Immunantwort auslöst. Für die Impfung gegen Covid-19 wird das Spike-Protein (siehe Box) in einer Zellkultur von Bakterien produziert und mit einem Wirkverstärker als Impfstoff verwendet. Nach einem solchen Prinzip funktionieren etwa die Tetanus-, die Hepatitis-B- oder die Grippeimpfung.

Diesen Weg haben unter anderem die US-Biotech-Firma Novavax und Forscher der University of Queensland in Brisbane eingeschlagen. Beide testen ihre Kandidaten aktuell an Labormäusen. Wenn alles glatt läuft, wollen die Australier ihren Impfstoff bereits im Juni menschlichen Probanden injizieren.

2. Impfstoffe mit Virus-Transport

Eine zweite Gruppe forscht zu Impfstoffen mit sogenannten Vektorviren. Das heisst: Sie pflanzen in das Erbgut harmloser Viren wie dem etablierten Impfvirus Vaccinia das Gen für das Spike-Protein von Sars-CoV-2 ein. Sie verkleiden es gewissermassen. Wird dieses dann als Impfstoff injiziert, reagiert das Immunsystem so, als ob es sich um das echte Coronavirus handeln würde, und bildet Antikörper dagegen.

Diese Methode wird unter anderem von Wissenschaftlern der University of Oxford verfolgt. Diese kündigten unlängst an, bereits im April 2020 die ersten Tests an Menschen durchzuführen, noch bevor die obligatorischen Tierstudien abgeschlossen seien. Dies ist gemäss Theguardian.com deshalb möglich, weil ähnliche Impfstoffe in Versuchen für andere Krankheiten sicher funktioniert haben.

3. Impfstoffe aus Erbsubstanz

Der dritte Ansatz ist völlig neu. Dabei wird versucht, die Impfwirkung unter Verwendung von Erbsubstanz zu erzielen. Indem man eine genetische Bauanleitung für das S-Protein spritzt, soll das Immunsystem dazu gebracht werden, selbst Antikörper gegen Sars-CoV-2 aufzubauen. Konkret sollen Abschnitte der Virus-RNA (Ribonukleinsäure) in Muskelzellen injiziert werden, die daraufhin S-Proteine bilden und diese ins Blut abgeben. Obwohl der Körper das Eiweiss selbst bildet, nimmt es das Immunsystem als Fremdkörper wahr und bildet, so die Hoffnung der Wissenschaftler, die wichtigen Schutzstoffe.

Neben der privaten US-Biotech-Firma Moderna, die ihren potenziellen Impfstoff bereits ersten Freiwilligen spritzt, gehen auch die deutschen Unternehmen Curevac und Biontech diesen Weg. Während Curevac sogar die Aufmerksamkeit von US-Präsident Donald Trump erregt haben soll, plant Biontech, seinen Wirkstoff ab Ende April an Freiwilligen in Europa, den USA und China zu testen.

Wie erfolgreich sie sein werden, ist offen. Wie Spiegel.de schreibt, «hat diese Technologie in mehr als zwei Jahrzehnten Forschung noch keine einzige Marktzulassung eines Impfstoffs gegen ein Virus hervorgebracht.»

Mehrere Impfstoffe, um Bedarf zu stillen

Daneben gibt es auch noch weitere Impfstoffansätze. Etwa den des Basler Forschers Peter Burkhard, der auf selbst zusammensetzende Protein-Nanopartikel (SAPN) setzt und dessen Entwicklung ebenfalls bereits an Tieren getestet wird.

Welcher Corona-Impfstoff am Ende den besten Schutz bieten wird, ist derzeit noch völlig offen. Wie Virologe Stephan Becker von der Universität Marburg zu Deutschlandfunk.de sagte, dürften angesichts des globalen Bedarfs sowieso mehrere Impfstoffe notwendig sein.

Warum es trotz der parallelen und aussergewöhnlich schnellen Entwicklung dennoch vor 2021 keinen Impfstoff geben dürfte, erfahren Sie in der obigen Bildstrecke.

(fee)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Didi Weidmann am 21.03.2020 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Test, ob man das Virus schon hatte!

    Was ich mir nebst einer Impfung wünsche, ist ein kostengünstiger Schnelltest, aus dem ich erkennen kann, ob ich schon COVID-19 hatte und daher vielleicht bereits immun bin! Wenn man das von sich weiss, wäre das für alle sehr hilfreich, denn immune Personen könnten die Wirtschaft am Laufen halten! - Ich hoffe, dass unsere Pharma mit Hochdruck an so einem Test arbeitet! Am besten wäre etwas, das wie ein Schwangerschaftstest läuft, wo man drauf pinkeln und ein paar Minuten später das Ergebnis ablesen kann!

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  • Daniel Vesellina am 20.03.2020 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz SOLLTE Leader werden !

    Die Pharmasmultis sollten alles geben um als erste für die Schweiz und den Rest der Welt herzustellen und auch für neue Epedemieen ständig parat sein !!!!!!

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  • Johnconner am 21.03.2020 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen wo Helden sind

    ich habe eine komplett andere Meinung als all andere ...ich bin weder ein verschwörungsteorethiker noch für und gegen eine Impfung ..es gibt alle Arten einer Meinung..die Geschichte unsere Welt ist wie ein Film ..es wiederholt sich immer wieder ...dieser Einschnitt in diese Zeit wurde schon paar Mal wiederholt es wird sich sehr viel verändert wie auch danach wird alles anders sein ...man kann es am Ende sehen wie man es will ...meine Meinung dazu ist nicht relevant weil ich vermutlich mit 5 Prozent alleine da stehe würde ...aber ich denke diese Veränderung wird starke nachfolgen haben die man noch Jahre zu spüren bekommt...trotz allem alles gute allne Menschen ...und besonderen Dank an die Menschen die die wahren Helden sind im der Zeit...wie den Menschen im gesundheits Wesen..Verkauf..Transport..Post..natürlich auch an die Firmen wo unser internet.telefon.usw..aufrecht erhalten..wie auch Stromversorger..einen speziellen Dank ..solche Menschen wo im Hintergrund arbeiten werden oft vergessen ..wie auch Fernseh.radio..und Nachrichten Sendern..war mir ein Anliegen diese Menschen auch Mal zu erwähnen..ohne die wäre alles lahm gelegt ....danke...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Büetzer am 02.04.2020 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Impfkritiker..

    Die Impfgegner, und solche, die glauben die Erde sei flach, dass sind dieselben oder?

  • Hene Bern am 02.04.2020 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Labor

    An alle Chemiker in den Labor für biologische und chemische Waffen. Bitte bei der nächsten Pandemie, zuerst den Impfstoff am Lager vorhalten.

  • Nachdenklich am 31.03.2020 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu Impfstoff?

    Mehrere Studien kommen mittlerweile zum Schluss, dass das aktuelle Corona-Virus ähnlich gefährlich ist wie das Corona-Virus oder das Influenza welche wir jährlich in der Grippewelle haben. Einzig die Panik führt zu einer Mehrbelastung in Spitälern im Ausland während in der Schweiz das Personal in Urlaub oder Kurzarbeit geschickt wird. Menschen die normaleweise zuhause geblieben wären rennen nun ins Spital und werden teilweise höchst experimentell Behandelt. Menschen werden eingesperrt und überwacht. Es gibt keine Medikamente die Viren eliminieren (für keinen Virus) das kann nur das Immunsystem

  • igor am 27.03.2020 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Vitamin C

    Cina hat es mit Vitamin C in den griff bekommen...

  • Rönz am 25.03.2020 01:03 Report Diesen Beitrag melden

    Theoretisch....

    Theoretisch.... Wenn ein wirksamer Impfstoff entwickelt werden sollte würde es ein Jahr dauern, die ganze Menschheit (~7'700'000'000) zu impfen. Vorausgesetzt, es würden pro Sekunde ~240 Dosen hergestellt und ebensoviele Indiviurn geimpft!