Pech im Unglück

05. November 2018 19:26; Akt: 15.11.2018 12:18 Print

Spenderlunge bekommen, an Lungenkrebs gestorben

Eine Organtransplantation hätte die Lebensqualität einer 39-jährigen Französin verbessern sollen, stattdessen brachte sie ihr den Tod.

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Weil sich in ihren Atemwegen immer mehr fest sitzender Schleim bildete, beschlossen die Ärzte einer Mukoviszidose-Patientin (siehe Box), sie auf die Warteliste für eine neue Lunge zu setzen. Dass sie damit ihr Todesurteil fällten, ahnten sie nicht.

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So erhielt die 39-Jährige im November 2015 zwar ein Spenderorgan, wodurch ihr Atemleiden zunächst gelindert werden konnte. Doch zwei Jahre später wurde sie mit dunklen Flecken auf der Lunge auf die Krebsstation des Unispitals Montpellier eingeliefert, wo sie im August 2017 verstarb.

Lunge stammte von Raucherin

Laut einer im Fachjournal «Lung Cancer» veröffentlichten Studie erinnerten die Symptome der jungen Frau stark an diejenigen von starken Rauchern. «Der kurze Abstand zwischen der Transplantation und dem Auftauchen erster Unregelmässigkeiten der Lunge deuten darauf hin, dass der Krebs bereits zu Lebzeiten der Spenderin ausgelöst worden sein muss», so Studienleiter Jean-Louis Pujol.

Tatsächlich hatte die Spenderin 30 Jahre lang täglich eine Schachtel Zigaretten geraucht. Doch Hinweise auf eine sich entwickelnde Krebserkrankung hatte es zum Zeitpunkt der Transplantation keine gegeben.

Bei Raucherlungen vorsichtiger sein

Weitere Nachforschungen zeigten, dass ausgerechnet die Medikamente, die die Abstossungsreaktion des Empfänger-Körpers unterdrückten, dem Tumor den Weg geebnet hatten, so Pujol und seine Kollegen.

Die Studienautoren raten nun angesichts der langen Latenzzeit bei Lungenkrebs, die Transplantation von Lungen von Rauchern oder solchen Spendern, die erst vor Kurzem mit dem Rauchen aufgehört hätten, zu überdenken. Schliesslich solle so etwas nicht noch einmal vorkommen.


(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simona am 05.11.2018 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was?!!

    Ich wusste nicht, dass von Rauchern geschädigte Lungen überhaupt gespendet werden können. Das geht gar nicht! Man kann doch nicht eine kranke Lunge durch eine andere kranke ersetzen!

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  • Organspender am 05.11.2018 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Schwieriges Thema

    Was wäre den die Alternative gewesen? Organspender sind rar, die Wartelisten dementsprechend lange. Ohne Operation wäre die Französin wohl auf der Warteliste verstorben. Man darf nicht vergessen, Spenderorgane sind nicht Neuware sondern Occasionen, die alles mit dem bisherigen Besitzer erlebt haben. Es gibt also keine Garantie auf ein 100%-ig gesundes Organ.

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  • Daniel Kolb am 05.11.2018 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man sollte sich das selber vorstellen

    Also,wenn man ein Spenderorgan bekommt,heisst es nicht dass man danach Sorgenfrei leben kann.Man braucht Medis die die Abstossung des Spenderorgans verhindern.Vielfach erkrankt man am Spenderorgan an Krebs wegen der Nebenwirkungen der Medis oder anderen Umständen.Es kann sein dass man mit dem eigenen erkrankten Organ zwar nicht länger lebt aber vielfach das Leben noch lebenswerter ist in der Zeit die man noch hat.Eines ist sicher,mit oder ohne Spenderorgan stirbt man sowieso.Die einzigen die davon profitieren sind die Kliniken die solche OPs durchführen.Es geht doch nur ums Geld.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • muzungu am 06.11.2018 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Ja was soll man da sagen nur so viel Sie hätte sich ihren Schicksal ergeben sollen und nicht eine neue oder bessere eine gebrauchte Lunge zunehmen. Viele werden jetzt sagen das ich Herzlos bin, für mich kein Problem wenn die Zeit gekommen ist muss man es akzeptieren und nicht jammer weil dies der lauf des Leben ist. Sie wollte nicht gehen also hat sie zwei weitere Jahre gelebt aber zu welchen Preis das muss man sehen, hört sich Herzlos an ist aber nicht so. Jetzt können Sie Daumen runter ist auch kein Problem.

  • Peter Sigrist am 06.11.2018 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lustig

    Ist schon eine komische Welt... die Lunge einer Kettenraucherin wird transplantiert aber ich (23, homosexuell, total normales sexualleben) werde in der Blutspende eingeschränkt.

  • Andy Honegger am 06.11.2018 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt nur eines

    Wer nicht explizit mit einem Ausweis erklärt, dass er keine Organe spenden will, der gilt automatisch als Organspender. Dann müssen hoffentlich keine Risiko-Organe mehr transplantiert werden.

  • Schöner Mist am 06.11.2018 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Passivrauch tötet, auch wenn dieser Fall

    sicher besonders schräg und traurig ist!

    • Peter M am 06.11.2018 12:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Schöner Mist

      Tja schon mal ein Bild einer Stadtlunge gesehen? Dies wird schön unter Verschluss gehalten. Im Zweifelsfall könnte dir nämlich der Arzt nicht sagen ob es eine Raucherlunge oder Stadtmenschlunge ist. Schon 3 Personen in meinem engen Umfeld haben Lungenkrebs gehabt - alles Nichtraucher.

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  • Igel am 06.11.2018 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einem geschenkten Gaul....

    Das ist schon lange Bekannt, dad Ärzte, auch Raucherlungen, an Nichtraucher einpflanzen. Oder andere vorbelastete Organe Transplantieren. Man nimmt was man bekommt. Hauptsache man kann leben retten. Wenn auch nur für kurze Zeit.

    • Peter M am 06.11.2018 11:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Igel

      Es geht nicht um Leben retten sonder um die Kasse zu füllen.

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