Skandal-Mediziner

03. März 2011 12:07; Akt: 03.03.2011 13:11 Print

Spital-Arzt schuld am Tod von sechs Patienten?

Ein ehemaliger Chefarzt eines deutschen Spitals hat gestanden, Patienten unnötig operiert und ihre Wunden mit Zitronensaft behandelt zu haben. Ihm drohen viereinhalb Jahre Gefängnis.

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Früherer Alltag im Wegberger Spital: Zitronensaft für die Wundversorgung und unnötige Operationen.
(Quelle: Colourbox)

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Arnold Pier legte gestern vor dem Landgericht Mönchengladbach (Bundesland Nordrhein-Westphalen) ein Geständnis ab. Der frühere Chefarzt des Wegberger Krankenhauses räumte ein, Patienten operiert zu haben, bei denen ein invasiver Eingriff eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre. Ausserdem gab er zu, Wunden seiner Patienten mit Zitronensaft versorgt zu haben. Der 54-Jährige hielt das offenbar für eine alternative Heilmethode, von der er selbst angeblich vollumfänglich überzeugt gewesen sein soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft Pier vor, den Tod von sechs seiner Patienten verschuldet zu haben. Bei über 19 Patienten soll es zu mehr als 60 Behandlungsfehlern gekommen sein. Jetzt drohen dem Mediziner eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb bis viereinhalb Jahren und der Entzug der ärztlichen Zulassung (Approbation).

Anonyme Verzeigung brachte Skandal ans Licht

Der Fall kam ins Rollen, nachdem der ehemalige Chef des Spitals im Dezember 2006 anonym verzeigt wurde. Infolge einer umfassenden Durchsuchung des Spitals und Piers Privatwohnung, stellten Beamte zahlreiche Akten sicher. Im März 2007 wurde dem Arzt die Zulassung entzogen, um Patienten vor den zweifelhaften Praxismethoden des Mediziners zu schützen. Im Oktober 2009 veräusserte Pier die Klinik, nachdem das Gesundheitsministerium von Nordrhein-Westphalen in die Ermittlungen miteinbezogen worden war.

Der ehemalige Chefarzt, der das damals insolvente Spital 2006 von der Stadt Wegberg gekauft hatte, gab gemäss RP Online zu, dass im Wegberger Krankenhaus einiges falsch lief: «Rückblickend muss ich feststellen, dass ich bei der Fülle der Aufgaben Fehler gemacht habe, deren Umfang mich erschreckt und die ich zutiefst bedaure», sagte er während der Verhandlung. Der Prozess gehört zu einem der aufwändigsten je durchgeführten Verhandlungen der Bundesrepublik Deutschland, bei denen ein Mediziner angeklagt wurde.

(rre)