Baby tot

18. Mai 2019 19:47; Akt: 20.05.2019 20:03 Print

Ärzte übersehen Schwangerschaft bei Mann

Ein positiver Schwangerschaftstest, Wehen, Blasensprung – dennoch reagieren die Ärzte lange nicht auf die Geburt. Der Patient vor ihnen ist ein Mann.

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Ein 32-jähriger Mann meldet sich in einem Spital in den USA mit starken, regelmässig wiederkehrenden Unterleibsschmerzen. Bei der Aufnahme erklärte er der Krankenschwester, er sei als Frau geboren worden. Trotzdem macht keiner der Ärzte zunächst einen Schwangerschaftstest. Als sich dann herausstellte, dass der Mann tatsächlich ein Kind erwartete, war es für das Baby bereits zu spät.

Der Fall wurde in der letzten Ausgabe der Fachblatt «New England Journal of Medicine» geschildert: Der Mann hatte jahrelang Testosteron und Medikamente gegen chronischen Bluthochdruck genommen. Weil er seine Krankenversicherung verloren hatte, musste er beides absetzen. Seine Periode hatte er schon seit Jahren nicht mehr gehabt. Darum merkte er auch lange nichts von der Schwangerschaft.

Wehen, Blasensprung, positiver Test – trotzdem warten die Ärzte Stunden

Als die Wehen einsetzten, machte der Mann einen Schwangerschaftstest. Wenig später platzte die Fruchtblase. Im Spital erklärte der Patient, dass sein Test positiv gewesen sei und dass er sich «in die Hose gemacht» habe – ein klares Zeichen für einen Blasensprung. Erst Stunden später untersucht ihn eine Ärztin, die beim Abtasten bemerkt, dass er nicht nur übergewichtig ist, sondern schwanger.

Ein Ultraschall ergab, dass ein Teil der Nabelschnur bereits im Geburtskanal eingeklemmt war. Für Ungeborene ist ein sogenannter Nabelschnurvorfall extrem gefährlich, weil sie häufig nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden.

Zu lange gewartet – das Baby ist tot

Die Ärzte führten einen Notfallkaiserschnitt am Mann durch, doch zu jenem Zeitpunkt konnten sie bereits keine Herztöne des Kindes mehr feststellen. Nur wenig später brachte der Patient ein totes Baby zur Welt.

Die Autorin des Berichts, Daphna Stroumsa von der Universität Michigan, schreibt als Schlussfolgerung zum Fall: «Es geht nicht nur darum, was dieser einen Person passiert ist, sondern darum, was Transsexuellen im Gesundheitssystem zustossen könne.»

(kle)