Prävention

19. November 2008 16:09; Akt: 19.11.2008 17:00 Print

Sport als «Krebs-Medikament»

Dass Sport gesund ist, weiss jedes Kind: Doch Wissenschaftler gehen - belegt durch eine neue Studie - noch einen Schritt weiter. Sie behaupten: Wer mindestens drei Mal in der Woche intensiv Sport treibt, halbiert sein Risiko, an Krebs zu erkranken.

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Verschiedene Faktoren stehen im Verdacht, Krebserkrankungen zu begünstigen. Nachfolgend einige Beispiele... . Viele Sonnenschutzmittel enthalten gesundheitlich bedenkliche Stoffe. Trotzdem gilt: Lieber dick mit einer Creme mit hohem Lichtschutzfaktor eincremen und somit das Hautkrebsrisiko minimieren. Sogenannte Azofarbstoffe werden auch zum Tätowieren verwendet. Sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Alkohol wird - wenn auch nur indirekt - zum Krebsrisiko: Seine Abbauprodukte können den Körper schädigen. Eine deutsche Studie brachte es ans Licht: Kinder, die in der Nähe von Atomkraftwerken aufwachsen, haben ein grösseres Risiko an Blutkrebs zu erkranken. Die genetische Disposition kann das Krebsrisiko erhöhen, wie zeigt. Schlanke Menschen leben gesünder - und verringern ihr Krebsrisiko (). Feuerwehrmänner leben auch langfristig wegen riskanter Einsätze gefährlich: Sie kommen regelmässig mit krebserregenden Stoffen in Kontakt. Diätexperten raten zum regelmässigen Verzehr von Fisch, Gemüse und Früchten. Wer viel rotes Fleisch (also Rind, Schwein, etc) zu sich nimmt und nicht auf eine ausgewogene Ernährung achtet, erhöht sein Darmkrebsrisiko. Das Rauchen eines Joints ist 20 Mal so krebserregend wie das Qualmen einer normalen Zigarette. Dies besagt eine Studie des Medizinischen Forschungsinstituts in Wellington, Neuseeland. Sogar in Kochutensilien wurden krebserregende Stoffe gefunden. gibts mehr zum Thema. Sogar Menschen, die regelmässig nachts arbeiten müssen, sind . Durch Raps erzeugter Treibstoff ist mit Vorsicht zu geniessen, wie in zu lesen ist.

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Das ist das Ergebnis mehrerer Studien, die die Münchner Uniklinik rechts der Isar, das Rotkreuzklinikum und die Deutsche Krebshilfe am Mittwoch vor einem Symposium in München vorstellten.

Bei Darm- und Brustkrebs - mit jährlich mehr als 120 000 Neuerkrankungen die beiden häufigsten Krebsarten in Deutschland - senke Sport die Sterblichkeit um bis zu 40 Prozent, sagte Professor Martin Halle. «Das ist mehr, als man durch eine zusätzliche Chemotherapie erhoffen konnte», erklärte der Direktor der Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar.

Zur Vorbeugung genüge schon dreimal pro Woche eine halbe Stunde. Für Patienten nach Operationen, Chemo- und Strahlentherapie empfahl er «45 Minuten intensive körperliche Aktivität täglich. Man muss ins leichte Schwitzen und ein bissl in Atemnot kommen, damit der Stoffwechsel angeregt wird».

Sport ersetze die ärztliche Behandlung nicht, sondern unterstütze sie kräftig. «Die Studien zeigen alle in die gleiche Richtung», sagte Halle und zitierte Forschungsergebnisse aus München, Houston, Melbourne, Regensburg und Berlin. «Sport wirkt wie ein Medikament», sagte Professor Marion Kiechle, Leiterin der Uni-Frauenklinik. Regelmässig intensive Bewegung rege den Stoffwechsel an, beuge Krebs vor und verbessere die Heilungschancen.


«Nicht nur warten, dass die Mediziner was tun»

Rund drei Prozent der Menschen in Deutschland erkrankten im Laufe ihres Lebens an Krebs. Die Hälfte könne geheilt werden, sagte Professor Michael Schoenberg. Eigentliche Todesursache seien oft Fettleibigkeit, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die dann zu Stoffwechselstörungen und Krebs führten. «Sport sollte neben Chemotherapie, Bestrahlung und Operation einen festen Stellenwert in der Krebsbehandlung erhalten», forderte er. «Wer sich bewegt, hat bessere Prognosen.»

Krebs bleibe aber ein Lebensrisiko, sagte Eva Kalbheim von der Deutschen Krebshilfe: «Ich kann noch so viel tun - es kann mich trotzdem treffen.» Aber Sport senke das Risiko und helfe, «aus dem Loch schneller wieder rauszukommen». Die Patientin Beate Roth, die nach ihrer Erkrankung und Heilung vor sechs Jahren zweimal den Ulm-Marathon gewonnen hat, sagte: «Ein positives Körpergefühl kommt zurück. Man muss nicht nur warten, dass die Mediziner was mit einem tun.»


Appell an Fachärzte und Krankenkassen

Professor Wolfgang Eiermann vom Rotkreuzklinikum München forderte: «Wir müssen die Patienten und auch die Ärzte aufklären.» Sein Kollege Michael Schoenberg beklagte: «Nur 20 Prozent aller Krebsspezialisten machen ihre Patienten auf den Zusammenhang von Krebs und Sport aufmerksam. Eine deprimierende Zahl.» Halle kritisierte Krankenkassen, die lieber 10.000 Euro für eine Krebstherapie zahlten als 100 Euro für vorbeugenden Sport. Auf die Frage von Krebspatienten, was sie selbst tun könnten, sagte Eiermann: «Drei mal die Woche Sport, zweimal das Abendessen streichen.»

(ap)