Skandalforscher

05. Dezember 2019 21:38; Akt: 05.12.2019 21:38 Print

Chinas Baby-Kloner hat offenbar massiv gelogen

Im Herbst 2018 behauptete He Jiankui, die DNA von Zwillingen so verändert zu haben, dass sie immun gegen HIV seien. Manuskripte stellen das in Frage.

So verkündete Jiankui im November 2018 die Geburt der ersten «Genom-editierten Kinder der Welt». (Video: Tamedia/Youtube/The He Lab)
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Mehr als ein Jahr nach der Geburt der mutmasslich ersten genetisch veränderten Babys der Welt hat ein Medienbericht die Ergebnisse des umstrittenen Experiments des chinesischen Forschers He Jiankui in Frage gestellt.

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Im Erbgut der zwei Mädchen gebe es vermutlich unter anderem unvorhergesehene Mutationen infolge der Genmanipulation, berichtete das Fachblatt «MIT Technology Review» unter Berufung auf Hes Forschungsbericht, der dem Magazin vorlag. Die Zeitschrift hatte mehrere Wissenschaftler dazu befragt.

Die im November 2018 geborenen Designerbabys mit den Pseudonymen «Lulu» und «Nana» waren laut He durch künstliche Befruchtung gezeugt worden, wobei das sogenannte Crispr/Cas9-Gentechnikverfahren zur Erbgutveränderung, auch «Genschere» genannt, zum Einsatz kam. He erklärte damals, er habe die DNA des Zwillingspaares so verändert, dass die beiden Mädchen vor einer HIV-Infektion geschützt seien.

Scharfe Kritik

Der Bericht in der «MIT Technology Review» entkräftet das von He als «medizinischen Durchbruch» gefeierte Experiment. Die Analyse des Forschungsmanuskripts, in dem der chinesische Forscher seine Methode und Ergebnisse beschrieb, habe bestätigt, was viele Experten zuvor bereits vermutet hätten: Sein Forschungsbericht beweist nach Ansicht mehrerer internationaler Forscher nicht den Erfolg seiner Genmanipulation. Vielmehr gehe daraus hervor, dass die Genmutation jener «ähnele», die immun gegen HIV mache, mit dieser aber nicht identisch sei.

Darüber hinaus zeigten laut «MIT Technology Review» die im Anhang des Forschungsberichts enthaltenen Daten, dass an anderen Stellen des Erbguts der Zwillingsmädchen Manipulationen vorgenommen worden seien, deren Folgen bislang unabsehbar seien.

Anonyme Zwillinge, verschwundener Forscher

Das umstrittene Experiment des chinesischen Forschers hatte international scharfe Kritik ausgelöst und wurde von Wissenschaftlern als ethisch unvertretbar verurteilt. Die Eltern der Zwillinge blieben anonym – bis heute sind keine Details über den Gesundheitszustand der zwei Neugeborenen bekannt.

Biophysiker Jiankui dagegen ist aus der Öffentlichkeit verschwunden. Was das genau heisst, ist unklar: In einem vorläufigen Untersuchungsbericht der Regierung hiess es im Januar nebulös, He werde «entsprechend der Gesetze und Regularien bestraft».

Künstliche Befruchtung ist nie ohne Risiken

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • huschmie am 05.12.2019 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Missionare die andere der Unethik beschuldigen, tun dies nur, um ihre eigenen Interessen zu verteidigen. Da geht es um Macht und nicht um Ethik. Scheinheilig bis zum Abwinken.

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  • MC JEMSI am 05.12.2019 22:42 Report Diesen Beitrag melden

    Achch Mensch!

    Kein Wunder geht die Welt unweit unter...

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  • sam am 05.12.2019 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragen

    Dann wurde dieser Firscher wohl umgebracht. Die Chinaregierung braucht dringend weisse Westen. Oder man sagt nach aussen dass dieser bestraft wird, in Wirklichkeit ist da jedoch nichts wahres dran. China braucht solche Forscher. Leider sind die Zwilinge die geprellten und wissen nicht wieso.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chratz, Chratz am 11.12.2019 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Warum gerade HIV?

    Wie wäre es mit Lyme-Borreliose gewesen? Was ich noch anfügen möchte ist. dass der Menschenhandel ein Milliardenmarkt ist.

  • Glückskekse für Alle am 08.12.2019 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte glaubt uns einfach alles

    Wenn es das Propagandaministerium auf Geheiss der KP und nach Absprache mit dem Volkskongress so verlautbart, dann wird das ja wohl stimmen!

  • Vera Kissling am 08.12.2019 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Crispr-Cas ist nicht 100 % spezifisch

    Mal über Crispr-Cas nachlesen. Wird schnell klar, dass die Genschere nicht 100 % nur am gewünscht Ort schneidet, sondern zu einem tiefen %-Satz auch an anderen Orten. Dieser tiefe %-Satz ist immer noch zu hoch, weshalb es die Mehrheit der Forscher für zu riskant hält, diese Methode zum jetztigen Zeitpunkt am Menschen anzuwenden. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass in diesem Manuskript solche off-target sites erwähnt werden. Hoffentlich hat der chinesische Forscher alles erfunden.

  • Spock am 07.12.2019 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht

    Interessante Technologie für kommende Raumfahrergenerationen. Auf Erden brauchen wir diese Gen-Freaks jedoch nicht.

  • Bruno am 07.12.2019 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit Menschheit

    Der Mensch gehört ausgerottet, nicht noch zum länger Leben züchten, wie sind das Geschwür dieses (ex) - Paradieses Erde

    • Steri Mann am 07.12.2019 14:44 Report Diesen Beitrag melden

      Human reduzieren

      Bruno,Mit der Vasektomie kann die Menschheit auf ein erträgliches Mass human reduziert werden.

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