Psychische Besonderheiten

21. Oktober 2008 15:23; Akt: 03.11.2010 12:18 Print

Süchtig nach Schönheits-OPs

von Runa Reinecke - Im Mittelpunkt des ersten Teils der neuen Serie «psychische Besonderheiten» steht Marianne Kutscher. Während sich andere vor dem Skalpell fürchten, kann die Frau aus dem deutschen Koblenz einfach nicht genug von operativen Eingriffen bekommen.

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Alles begann mit dem Entschluss, abzunehmen. Gedacht, getan: Über viele Monate hinweg hungerte sich Marianne Kutscher die Pfunde herunter. Erst als sie sich von 120 auf 60 Kilo praktisch halbiert hatte, hielt sie ihr Gewicht. Doch anstatt auf ihre neu erlangte Leichtigkeit stolz zu sein, mochte sich Kutscher kaum im Spiegel betrachten: Die einst mit Fettpölsterchen straff gefüllten Körperregionen hingen schlaff und faltig herab. Trotz panischer Angst rang sich Kutscher zu einem Schönheitseingriff durch, mit dessen Hilfe die gröbsten Spuren des rapiden Gewichtsverlusts beseitigten werden sollten.

Februar 2008: Start des «OP-Marathons»

Zu Beginn dieses Jahres war es dann soweit: Trotz furchtbarer Angst vor der OP liess sich die Deutsche auf eine Kombination aus Bruststraffung und Bauchplastik ein. Obwohl der Eingriff gut verlaufen ist, legte sich die 50-Jährige wenige Wochen später wieder unters Messer. Ihre Brüste wurden mit Silikonimplantaten aufgebaut. Die postoperativen Schmerzen waren unerträglich, trotzdem stand schon kurze Zeit später der nächste Eingriff auf dem Programm: Ein Facelifting.

Die frischen Narben begannen gerade im Gesicht zu heilen, da legte sich Marianne Kutscher schon wieder auf den OP-Tisch: An den Brüsten musste noch nachkorrigiert werden – im selben «Aufwasch» gabs dann noch gleich eine Oberarmstraffung. Vor wenigen Wochen dann die fünfte Operation in diesem Jahr: Eine Ganzkörperstraffung sorgte bei der immer noch unzufriedenen Patientin für den letzten Schliff – zumindest vorerst.

Neben den Risiken, Nebenwirkungen und Kosten in Höhe einer fünfstelligen Eurosumme, die eine solche Reihe an Operationen mit sich bringt – ist das nicht des Guten zu viel? «Natürlich sind kosmetische Eingriffe in einem gewissen Rahmen – zum Beispiel nach einem Unfall - durchaus sinnvoll», meint Dr. med. Lorenz Richner, Psychiater aus Bern. Doch der Experte warnt: «Schwierig wird es allerdings, wenn der Betroffene nicht mehr zufriedenzustellen ist und eine Operation nach der anderen über sich ergehen lässt». Laut Richner nehmen diese Menschen Dinge an ihrem Körper negativ wahr, obwohl sie von der Umwelt überhaupt nicht als unschön empfunden werden. Kann ein Mensch nicht mehr aufhören, an sich herumoperieren zu lassen, rät Richner zu einer Psychotherapie. Denn Personen, die sich wegen eines angeblichen Schönheitsfehlers in Frage stellen, haben oft wenig Selbstvertrauen. Sie glauben, einer modischen Idealvorstellung nachleben zu müssen, anstatt ihr natürliches Aussehen als Teil ihrer Persönlichkeit zu akzeptieren. Eine Therapie sollte – so Richner - die Selbstsicherheit und Eigenständigkeit der Betroffenen fördern.

Ein Kamerateam der Sendung «Akte 08» begleitete Marianne Kutscher vor und nach ihren Eingriffen. Wie sie sich jetzt fühlt und was ihr Mann zu den «Renovationsmassnahmen» seiner Frau zu sagen hat, erfahren Sie heute um 22:20 Uhr auf Sat1.