Umfrage

28. Februar 2011 14:44; Akt: 28.02.2011 19:28 Print

Treibt uns der Job in die Depression?

Die Arbeitswelt hat immer stärkeren Einfluss auf die Psyche: Fast die Hälfte aller Befragten nennt als Grund für Depressionen den Job.

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Herbst und Winter machen tausenden von Schweizern das Leben schwer. Der Lichtmangel im Herbst und Winter macht vielen zu schaffen. Immerhin gibt es Mittel und Wege, dem Blues Paroli zu bieten. Egal ob bei Sonne oder Regen: Gehen Sie spazieren! Nur eine halbe Stunde täglich - wenn möglich bei Tageslicht - hilft, dem Lichtmangel etwas entgegen zu wirken. Wer Zeit und das nötige Kleingeld hat, kann es sich unter der südlichen Sonne gut gehen lassen. Weil der November besonders aufs Gemüt schlägt, ist eine «Flucht» in diesem Monat empfehlenswert. Viel Licht gibts auch für Zuhause: Gute Lichttherapielampen bekommt man im Elektrofachhandel für rund 400 Franken. Echter Aufsteller gefällig? Laden Sie sich Ihre Lieblingssongs auf den MP3-Player und drücken Sie auf «Play», wenn es Ihnen nicht so gut geht. Aber Vorsicht: Zu melancholisch sollten die Songs nicht sein. In dunkler Schokolade befinden sich diverse Stoffe, die zum einen entspannend wirken, zum anderen Glücksgefühle auslösen. Aber Vorsicht: Essen Sie mit Mass, denn im Winter durch Frust angefutterte Pfunde machen Sie spätestens im kommenden Frühjahr unglücklich. Sport ist besonders im Winter wichtig. Überwinden Sie sich und bewegen Sie sich an der frischen Luft. Wenn Sie die Kälte überhaupt nicht vertragen: Gehen Sie regelmässig ins Fitness-Studio. Gestalten Sie Ihre Wohnräume farbenfroh. Wenn die Welt um Sie herum grau wird, können warme Farben wie gelb, rot und orange wie Balsam auf die Seele wirken. Sehen Sie es positiv: Schreiben Sie alle schönen Dinge nieder, die man nur oder bevorzugt im Winter tut, zum Beispiel Skifahren, Kerzen anzünden, Zimttee trinken, öfters ins Kino gehen ... . Tanken Sie Kraft über Massage oder eine andere Wellnessbehandlung. Auch Entspannungsmethoden wie Yoga, Qi Gong, Meditation oder autogenes Training können gegen Stimmungsschwankungen helfen.

Die Winterdepression ist keine Depression im eigentlichen Sinne: Trotzdem kann sich Lichtmangel spürbar auf die Stimmung auswirken.

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Rund 20 Prozent der Bevölkerung leiden laut offiziellen Statistiken an Depressionen. Vielleicht sind es sogar mehr: In einer Studie im Kanton Zürich wurde jeder Dritte 50-Jährige bereits einmal wegen Depressionen behandelt, sagte der emeritierte Psychiatrieprofessor Jules Angst am Montag am Rand einer Medienkonferenz der Werner Alfred Selo Stiftung.

Trotzdem weiss die Schweizer Bevölkerung nur wenig über Depressionen. Das zeigt eine representative Umfrage des Forschungsinstitut GfS. Für die Befragung, die von der Selo-Stiftung in Auftrag gegeben worden war, wurden 714 Personen in der Deutsch- und Westschweiz befragt. 11 Prozent der Befragten wussten nicht einmal, was die Krankheit Depression ist.

Depressionen werden totgeschwiegen

Immerhin sind das weniger als bei einer ersten Umfrage zum Thema, welche die Stiftung im Jahr 1995 durchführen liess. Damals wussten 17 Prozent nicht, was eine Depression ist. Über Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten wussten damals wie heute die meisten Befragten nur rudimentär Bescheid.

Vor allem Männer und ältere Menschen schweigen das Thema Depression oft tot. Viele von ihnen gaben an, dass sie es niemandem erzählen würden, wenn sie eine Depression bekämen. Frauen und Jüngere gehen offener mit dem Thema um - und sie sind auch besser informiert. Im Umgang mit Betroffenen herrscht aber insgesamt grosse Unsicherheit.

Auch regionale Unterschiede brachte die Umfrage zutage: Westschweizerinnen und Westschweizer sind eher verschlossener bei dem Thema als Deutschschweizer. Sie zeigen weniger Verständnis für die Betroffenen und nennen Willensschwäche, Verweichlichung und Stoffwechselstörungen öfter als Ursachen.

Ursache Arbeitsbelastung

Bei den von der Bevölkerung vermuteten Ursachen für eine Depression kam es in den letzten 15 Jahren zu einer markanten Verschiebung. Heute vermuten 43 Prozent die Arbeitsbelastung als eine Ursache, 1995 wurde dieser Faktor noch überhaupt nicht erwähnt. Andere genannte Faktoren sind das gesellschaftliche Umfeld und eine Veranlagung.

Aufgrund der Umfrage fordert die Selo-Stiftung eine nationale Aufklärungskampagne zu psychischer Gesundheit. Sie unterstützt eine entsprechende Motion von Nationalrat Andy Tschümperlin (SP/SZ). Depressionen seien Stoffwechselstörungen im Gehirn, sagte Stiftungsratspräsidentin Marylou Selo. «Depressionen sind behandelbar.»

Ein riesiges Problem ist laut dem Psychiater Hans Kurt die Stigmatisierung von psychisch Kranken. Viele Depressive fühlten sich sozial isoliert und getrauten sich kaum mehr aus dem Haus, sagte er. Das führe zu noch grösseren Depressionen. Depression könne aber jeden treffen und sei kein Zeichen von Willensschwäche.

(sda)