Brasilien

08. Februar 2016 17:52; Akt: 12.02.2016 13:17 Print

Verschwörungstheorie stört Kampf gegen Zika

Haben genmanipulierte Moskitos das Zika-Virus aggressiver gemacht? Eine Verschwörungstheorie könnte den Einsatz einer vielversprechenden Waffe gegen Zika verzögern.

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Im Zuge der Zika-Epidemie ist die Zahl der Neugeborenen mit zu kleinem Schädel rasant gestiegen. Zwar ist dieser Zusammenhang zwischen dem Virus und der sogenannten Mikrozephalie nicht abschliessend bewiesen, gilt jedoch als wahrscheinlich. Die Frage bleibt, warum das bisher als harmlos geltende Virus plötzlich solch drastische Auswirkungen hat.

Experten vermuten eine genetische Veränderung im Erbgut des Virus, die es gefährlicher gemacht haben könnte. Nun wies unter anderem das Newsportal «infosperber» auf einen möglichen Zusammenhang mit genmanipulierten Moskitos hin, die von der Firma «Oxford Insect Technologies» (Oxitec) ausgesetzt wurden.

Theorie mit riesigen Lücken

Die Geschichte machte ihre Runde bei alternativen Medien und auf den sozialen Netzwerken. Viel zitiert wurde in diesem Zusammenhang ein Artikel mit Karte auf der News-Website Anti-Media, welche den Ort anzeigt, wo Oxitec seine Gentech-Moskitos freigelassen haben soll, und der mitten im Epizentrum der Mikrozephalie-Epidemie liegt.

Wie die Wissenschaftsbloggerin Christie Wilcox jedoch nach ihrer Recherche feststellte, handelte es sich dabei um eine Verwechslung. Der auf der Karte eingezeichnete Ort trug zwar den gleichen Namen, tatsächlich entliess Oxitec die Moskitos jedoch 300 Kilometer entfernt. Dennoch hält sich die Theorie vielerorts hartnäckig.

Gentechnik zur Kontrolle von Mückenpopulationen

Oxitec hat mit Geldern der Bill & Melinda Gates Stiftung genmanipulierte Moskito-Männchen gezüchtet, deren Nachkommen bereits im Larvenstadium absterben. Dadurch soll die Gelbfiebermücke Aedes aegypti dezimiert und somit die Übertragung des Dengue-Fiebers gestoppt werden. Die gleichen Gentech-Moskitos sollen nun helfen, die Zika-Epidemie zu bekämpfen.

Bei früheren Versuchen in zwei brasilianischen Städten schrumpfte die Gelbfiebermücken-Population dank der freigelassenen Oxitec-Moskitos auf bis zu fünf Prozent. Anders als Insektizide wirkt diese Methode ausschliesslich auf die Gelbfiebermücke.

Liesse sich die Mückenpopulation damit lokal ausradieren, könnte das die Rettung für viele Ungeborene sein, weshalb grosse Hoffnungen auf Oxitecs Moskitos ruhen. Zumal bisher kein Impfstoff gegen das Zika-Virus existiert.

Überlebende Larven

Einen Grund zur Beunruhigung sehen Kritiker jedoch in der Tatsache, dass die Larven unter Umständen doch überleben, und die gentechnische Veränderung sich in der Wildpopulation verbreiten könnte. Dies könnte der Fall sein, wenn die Larven mit dem Antibiotikum Tetrazyklin in Kontakt kommen, das auch in der Landwirtschaft eingesetzt wird.

Dass die Moskito-Larven in freier Wildbahn mit Tetrazyklin in Kontakt kämen und überlebten, sei aber extrem unwahrscheinlich, sagt Alexander Mathis von der Universität Zürich auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Die Brutstätten der Gelbfiebermücke sind typischerweise Pfützen und kleine Behälter, in denen sich Regenwasser sammelt.» Landwirtschaftliche Abwässer kämen damit nicht in Berührung.

Springende Gene

Selbst wenn Larven überleben sollten, ist eine Veränderung des Virus rein durch die Anwesenheit genmanipulierter Moskitos unwahrscheinlich. Angeblich sollen springende Gene, sogenannte Transposons, welche bei der Herstellung der Moskitos verwendet wurden, auf das Zika-Virus übergegangen sein.

«Das ist völlig an den Haaren herbeigezogen», sagt Mathis. Viren mutierten generell recht schnell und könnten so virulenter werden. «Das wird auch derzeit untersucht, welche Veränderungen im Zika-Virus eine Rolle gespielt haben könnten und wie es dazu kam.» Dass Transposons dabei eine Rolle gespielt haben, schliesse er jedoch aus.

Diese springenden Gene können sich zwar an beliebige Stellen im Erbgut setzen. Da es sich bei Zika aber um ein RNA-Virus handelt, besitzt es überhaupt kein Erbgut im klassischen Sinne, in das sich ein Transposon hineinsetzen und zu Veränderungen führen könnte.

Riskantes Zögern

Obwohl die Theorie auf mehr als wackligen Beinen steht, schürt sie Zweifel, die den Einsatz der Moskitos verzögern könnten. Oxitec wartet bereits seit April 2014 auf den Entscheid der für die Zulassung medizinischer Produkte zuständige Behörde Anvisa. Sie soll das Label bestimmen, unter welchem die Moskitos vermarktet werden sollen.

Zwar könnte diese Verzögerung seitens der Anvisa an rein bürokratischen Problemen liegen. Verschwörungstheorien dürften jedoch dem schnellen Einsatz der Oxitec-Mücken gegen Zika alles andere als dienlich sein.

(mlr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hilbert am 08.02.2016 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwören

    Die Gegenargumente sind: "könnte", "würde nicht", oder "eher unwahrscheinlich". Welches ist nun die Verschwörungstheorie? Den möglich Fehler eingestehen wird ja wohl niemand gerne...

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  • usuma am 08.02.2016 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Theorie

    ist jedenfalls belastbarer als der immer noch nicht belegte Zusammenhang zwischen Zika und Mikrozephalie.

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  • Franziska am 08.02.2016 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht

    Die Grossen sind überall an der MACHT und machen auch! Wie blind muss man sein?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 10.02.2016 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    andere Ursache?

    Könnte ja auch sein das die Kinder wegen dem ausbringen von Pestiziden und anderen Giften nun missgebildet auf die Welt kommen... Wir essen nun als erste Menschen seit ein paar Jahren genmanipulierte Nahrungsmittel... Kann es ein das wir durch aufrüttelnde Nachrichten öfters die wahren Gründe ausser acht lassen und allzu schnell Urteilen ohne das gesamte Spektrum zu bedenken..?

  • Kenn-i-di am 09.02.2016 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Verschwörungs-Beobachter

    Verschwörungstheorien sind in erster Linie für die lästig, die Verschwörungen anzetteln.

  • Transhum anismus am 09.02.2016 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EU geniker

    Es ist wirklich interessant festzustellen, dass immer mehr Menschen anfangen zu merken, dass etwas nicht stimmt! Gibt es Architekten auf dem Planet Erde?? (Aussage WEF Teilnehmer und Co eines Grossunternehmen!) Eines ist gewiss, wir sind zu viele Menschen. z.B gehen 95% der Gelder der Belinda und Bill Gates Stiftung nicht in Humanitäre Projekte, sondern in die Nahrungs-, Viren-, Chipforschung usw. Nur 5% werden in Humanitäre Projekte gesteckt! Ist leider wahr und nur ein Beispiel was da auf uns zukommt!

  • toni am 09.02.2016 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Amerikan CDC

    Dazu muss man sagen das Boostrox im März 2015 in den Armen Viertel von Rio de Janeiro getest wurde. Beim amerianischen CDC (katastrophen behörde)! wurde das ranking über die gefahr bei schwangeren bei der Impfung gegen Gelbsucht mit diesem medikament von Stufe 3 ( risiko für das ungeborene ) auf stufe 2 ( kein risiko ps. es gab keine klinischen tests an schwangeren frauen oder schwangeren tieren ! ;)

    • Kusi am 09.02.2016 21:25 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz falsch

      Ach was, es ist alles ganz anderst, die KESB ist an allem schuld!!!!

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  • toni am 09.02.2016 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zika

    sie Haben das Medikament BOOSTROX der Firma Glaxosmithklein vergessen! der Zika virus ist erst schädlich in kombination mit dieser Impfung!! macht euch schlau mehr sage ich nicht! sonst werd ich sofort als verschwörer abgestempellt! Ps. auf das Zika Virus hat die Rockerfeller foundation ein patent & glaxosmithklein wird finanziert von der R-F

    • Realist am 09.02.2016 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @toni

      An welche anderen Verschwörungstheorien glauben Sie sonst noch? Waren die Amerikaner evtl. doch nicht au demond oder was? So Leute wie Sie vergeuden wertvolle Zeit Ihres Lebens mit dem vermuten, spekulieren etc. anstatt einfach in der Realität zu leben. Viel Spass noch in der Zukunft... P.S. Die Bibel ist sonst auch eine wundervolle Quelle für solche Märchen.

    • Kevin am 09.02.2016 15:28 Report Diesen Beitrag melden

      Auch ein Realist

      Er nennt sich Realist, obwohl sich selbst Realisten nicht einig sind untereinander. Dieser Widerspruch kann nur bedeuten: Realität ist, was das Herz bereit ist, zu glauben ;) Und by the way, leider etwas verloren gegangene Kulturen haben den Wert des "sich nicht immer in der sichtbaren Realität aufhalten" schon lange erkannt. Man nennt es auch Meditation :)

    • Tinu D am 16.02.2016 16:22 Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      @Realist. Die Frage ist wer seine Zeit mehr vergeudet? Derjenige der ohne zu fragen alles schluckt, was ihm aufs Brot geschmiert wird, oder derjenige der wissen möchte, was sich da im Auftrich befindet. Also für mich ist der Fall klar.

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