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03. Oktober 2011 20:34; Akt: 03.10.2011 20:34 Print

Verstorbener Forscher erhält Nobelpreis

Die Nobelstiftung in Stockholm hat entschieden, dem Kanadier Ralph Steinman den Medizin-Nobelpreis posthum zu verleihen. Steinmann war am vergangenen Freitag verstorben.

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Die Nobelpreisträger für Medizin (v.l.n.r.): Bruce Beutler, Ralph Steinman, Jules Hoffmann. (Bild: Keystone)

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Der Medizin-Nobelpreis ist für die Entschlüsselung des Immunsystems zuerkannt worden. Für Ralph Steinman, einen der drei geehrten Forscher, macht die Nobelstiftung eine Ausnahme: Sie krönt sein Schaffen, obwohl Steinman vor drei Tagen gestorben war.

Der Fall des kanadischen Immonforschers stellte die Nobelstiftung am Montag vor ein bisher einmaliges Problem: Steinman war am vergangenen Freitag im Alter von 68 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben.

Die Rockefeller-Universität in New York erfuhr erst am Montag vom Hinschied Steinmans. Auch die Juroren in Stockholm wussten nicht, dass Steinman bereits gestorben war.

Steinman wurde von der Nobelstiftung zusammen mit dem Franzosen Jules A. Hoffmann und dem US-Amerikaner Bruce A. Beutler für Arbeiten zum Immunsystem für den Medizin-Nobelpreis auserwählt.

Der Nobelpreis kann nach den gültigen Statuten eigentlich nicht posthum zuerkannt werden. Anders ist es, wenn der Preisträger zwischen der Bekanntgabe und der Übergabe am 10. Dezember stirbt. In diesem Fall darf der Preis übergeben werden, etwa an Nachkommen.

Die schwedischen Nobel-Juroren prüften nach Bekanntgabe des Todes von Steinman die Lage und entschieden am frühen Abend, dem Kanadier den Preis posthum zu verleihen.

Das Preiskomitee habe vom Tod Steinmans erst nach der Pressekonferenz vom Montag erfahren. «Die Nobelpreis-Entscheidung für Ralph Steinman erfolgte nach bestem Wissen auf der Annahme, dass er lebt», begründete die Stiftung am Abend ihren Entscheid.

Angeborene Immunität

Der Luxemburger Jules Hoffmann und der US-Mediziner Bruce Beutler erhielten den Preis gemeinsam für die Beschreibung der Prinzipien der angeborenen Immunität. Der Kanadier Ralph Steinman wurde für die Entdeckung der dendritischen Zellen geehrt, die das Immunsystem aktivieren.

Die Forschung der drei Wissenschafter habe neue Wege für Krebs- Therapien und -Vorbeugung sowie für die Bekämpfung von Entzündungen gewiesen, begründete das Karolinska-Institut in Stockholm seine Entscheidung.

Dank der Forschung der drei Preisträger werde es möglich sein, wirksamere Arzneien gegen Bakterien zu entwickeln, was angesichts zunehmender Resistenzen gegen Antibiotika immer dringlicher werde, sagte Lars Klareskog vom Nobelkomitee.

Seine Kollegin Annika Scheynius sagte, die Entdeckungen der Forscher dürften auch eine bessere Behandlung von Autoimmunerkrankungen und Asthma ermöglichen.

Leben verlängert

Der 53-jährige Beutler fand 1998 in Tierversuchen an Mäusen einen Rezeptor, der bei einem septischen Schock eine zentrale Rolle spielt. Damit konnte er beweisen, dass Fruchtfliegen und Säugetiere über eine ähnliche angeborene Immunität verfügen. Beutler forscht seit dem Jahr 2000 am Scripps Research Institute im kalifornischen La Jolla.

Der 1941 in Luxemburg geborene Biologe Hoffmann entdeckte 1996 an Fruchtfliegen ein für die Immunabwehr wichtiges Gen. Hoffmann lehrte lange Jahre an der Universität Strassburg.

Steinman entdeckte 1973 einen neuen Zelltypus, die dendritischen Zellen. Diese können die T-Zellen aktivieren, die eine Schlüsselrolle bei der Erkennung von Fremdkörpern spielen.

Auf Grundlage dieser Entdeckung habe Steinman, der seit vier Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs litt, eine Immuntherapie entwickelt, mit der er sein Leben habe verlängern können, teilte die New Yorker Rockefeller-Universität mit.

(sda)

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