Mycoplasma genitalium

13. Juli 2018 21:43; Akt: 23.07.2018 13:46 Print

Warnung vor unbekannter Geschlechtskrankheit

In der Schweiz nehmen Ansteckungen mit Gonorrhö, Syphilis und Chlamydien seit einigen Jahren zu. Nun warnen Ärzte vor einer weiteren Krankheit.

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Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist aus Prinzip eine schlechte Idee. Denn während die Zahl der HIV-Fälle hierzulande stabil bleibt, wurden in den letzten Jahren zum Teil deutlich mehr Fälle von Ansteckungen mit Gonorrhö (Tripper), Syphilis und Chlamydien gezählt. Vermehrt werden auch Fälle von Gonorrhö registriert, bei denen die üblichen Antibiotika nicht mehr helfen.

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Nun warnen britische Ärzte vor einer weiteren bisher kaum bekannten Geschlechtskrankheit. Übertragen wird sie durch das Bakterium Mycoplasma genitalium, das bei Männer und Frauen eine Harnröhrenentzündung auslöst. Die Symptome gleichen jenen einer Chlamydiose und äussern sich vor allem durch Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen sowie durch durchsichtigen bis eitrigen Ausfluss aus der Scheide oder der Harnröhre. Es gibt dabei auch Männer und Frauen, die zwar Träger des Bakteriums sind, jedoch kein Symptome zeigen.

Unfruchtbarkeit droht

Unbehandelt kann die Krankheit bei Frauen unter anderem zu Entzündungen von Becken, Gebärmutterhals, Gebärmutter und Eileitern führen. Im schlimmsten Fall droht Unfruchtbarkeit. Auch Männer können durch Verklebung der Samenleiter unfruchtbar werden. Werden die Erreger in der Schwangerschaft auf das Kind übertragen, können ein niedriges Geburtsgewicht und eine Frühgeburt die Folgen sein.

Ein grosses Problem im Zusammenhang mit Mycoplasma genitalium ist laut den Experten der britischen Gesellschaft für Sexualgesundheit und HIV (BASHH), dass die Krankheit oft übersehen oder fälschlicherweise für eine andere Geschlechtskrankheit wie Chlamydiose gehalten werde. Das sei nicht zuletzt darum ein Problem, weil eine falsche Behandlung zu einer Antibiotika-Resistenz führen könne. Bereits jetzt sind laut der Deutschen AIDS-Hilfe Resistenzen gegen das üblicherweise verwendete Azythromycin ein Problem.

Kondome einpacken

Die BASHH hat nun neue Richtlinien für die Diagnose und Behandlung von Mycoplasma genitalium herausgegeben. Damit sollen Fachpersonen unter anderem auf ein neu entwickeltes Testverfahren aufmerksam gemacht werden. Gleichzeitig soll auch die Bevölkerung sensibilisiert werden.

Peter Greenhouse, Mitglied der BASHH, sagte gegenüber der BBC: «Es ist an der Zeit, dass die Bevölkerung über Mycoplasma genitalium Bescheid weiss.» Und er fügte an: «Es ist ein weiterer guter Grund dafür, Kondome für die Sommerferien einzupacken – und sie auch zu nutzen.» Denn wie bei jeder sexuell übertragbaren Krankheit bietet auch bei Mycoplasma genitalium der Gebrauch von Kondomen den besten Schutz.

1 bis 3 Prozent sind Träger

In der Schweiz wird bei etwa 10 bis 35 Prozent der Patienten mit einer Harnröhrenentzündung, die nicht durch Gonokokken oder Chlamydien verursacht wird, eine Infektion mit Mycoplasma genitalium diagnostiziert, wie Siegfried Borelli, Leitender Arzt am Dermatologischen Ambulatorium des Zürcher Stadtspitals Triemli, erklärt. Etwa 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung seien Träger des Bakteriums, bei bis zu 70 Prozent von diesen zeigten sich Symptome, so Borelli weiter.

Ob es zu einer Zunahme gekommen ist, sei schwer zu sagen, da Mycoplasma genitalium laut Borelli erst seit 1980 bekannt ist und seit wenigen Jahren zunehmend systematisch gesucht wird.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • abc am 13.07.2018 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schönste Nebensache?

    Wenn Sex die schönste Nebensache der Welt ist, was ist dann die schönste Hauptsache der Welt?

  • Emma am 13.07.2018 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht noch mehr!

    Echt jetzt?Noch mehr Krankheiten...:(

  • Tom am 13.07.2018 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem!

    Wer verantwortungsvoll und vernünftig mit Sexualität umgeht, der oder die wird keine Probleme haben... Fazit: Kein Problem! Für alle anderen gilt halt die Evolutionstheorie!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr. Schwöschter am 13.07.2018 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemals ohne Gummi

    Durch ungeschützten Sex können bis zu 30 verschiedene Erreger (= Infekionskrankheiten) übertragen werden! Nur schon die Behandlung einer einzelnen ist teurer und mit viel mehr Risiken verbunden als eine Packung Kondome. Darum: im Minimum en Gummi drum!

  • Mehmet J. am 13.07.2018 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Heidernai

    Wie konnten die Menschen die heute 60-70-80+ Jahre alt sind dieses Drama nur Überleben?

  • U. am 13.07.2018 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts? 

    Die meisten Schweizer haben ja nicht die leiseste Ahnung was GeschlechtsKrankheiten betrifft. Null Ahnung! Dabei gehört das Thema eigentlich zum Allgemeinwissen. Sex haben wir ja alle. Ein DenKZettel für Tinder-Freunde

  • Mario am 13.07.2018 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam

    Wo doch jetzt eigentlich Zeit für eine neue Irgendwas-Grippe wäre. Ob Tamiflu allenfalls hilft?

  • Zerschlue Genährloufe am 13.07.2018 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch eine Möglichkeit gegen...

    ... eine Überbevölkerung. Irgendwie wird die Menschheit aussterben. Das ist vielleicht der Anfang. Und heute ist es ja Mode geworden, mit zuviel oder ohne Alkohol an Openairs oder sonstigen Wochenendaktivitäten, mit dem einen oder der anderen Körperflüssigkeiten auszutauschen ohne Gedanken auf Verluste oder besser gesagt auf gewisse Mitbringsel die dann noch weitergegeben werden.