Mythos oder Wahrheit

02. November 2009 16:34; Akt: 03.11.2009 11:26 Print

Was ist drin im Schweinegrippe-Impfstoff?

von Runa Reinecke - Nieren-Extrakt kranker Affen, Haifischleber oder Quecksilber: Interessant, was alles im Schweinegrippe-Impfstoff enthalten sein soll. Mär oder Realität? 20 Minuten Online fragte beim Immunologen Prof. Stadler nach.

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Die Verunsicherung ist gross: Kaum jemand will sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Dabei ist man beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf alles gefasst und bestellte für die rund 7,7 Millionen Einwohner der Schweiz vorsorglich 13 Millionen Impfdosen gegen die drohende Gefahr.

Dass viele den im Eiltempo hergestellten Impfstoffen nicht vertrauen, mag unter anderem an der zum Teil verwirrenden Berichterstattung liegen, die seit Monaten durch den Blätterwald und die digitalen Medien geistert. Doch nicht alle davon entspringen der Sagenwelt. Ein gutes Beispiel: Squalen, ein unter anderem aus Haifischleber gewonnener Extrakt, der zur Herstellung von Adjuvans benötigt wird. Ein Öl, das aber auch in Biomüsli, Olivenöl und sogar im menschlichen Gehirn vorkommt. Im Impfstoff verstärkt es die Wirkung der Antigene und führt so zu einer für die Immunisierung benötigten Reaktion.
«Squalen eignet sich als Adjuvans, weil es eine Depotwirkung hat», sagt Stadler. Das mache dem Experten nach eine zweite Impfung in den meisten Fällen unnötig.

Affentheater?

Doch nicht nur den Haien soll es – zumindest einem Artikel des Online-Magazins «Natural News» nach – an den Kragen gehen: Angeblich werden Meerkatzen (Affen) mit dem AH1N1-Virus infiziert und dann getötet. Ihre Organe dienen dann der Herstellung des Schweinegrippe-Impfstoffs - so die Meinung. Abteilung Online-Märlistunde? «Das ist in der Tat völlig absurd», erkärt Stadler und ergänzt: «Wenn so etwas sinnvoll wäre, wären das Primärzellen, ein unkalkulierbares Risiko, weil man nicht wüsste, welche Viren das Tier sonst noch in sich trägt.» Tierfreunde dürfen aufatmen. Statt einem Affen wurde uns hier nur ein Bär aufgebunden: Vielmehr werden herangezüchtete Gewebekulturen genutzt, um Antigene für gewisse Impfstoffe zu produzieren – und das schon seit vielen Jahren. Man verwende «diese Zelllinien auch anstelle von Hühnereiern», bestätigt der Immunologe.

Die Impfung: Ein Eiertanz für Allergiker

Dumm nur, dass dies bei den beiden bisher für die Schweiz zugelassenen Impfstoffen nicht der Fall ist: Pandemrix und Focetria werden mit Hilfe von Eiern hergestellt - für starke Hühnereiweiss-Allergiker ein echtes Problem, findet Stadler: «Unter Umständen könnte die Impfung eine allergische Reaktion gegen Hühnereiweiss hervorrufen» (mehr dazu finden Sie in diesem Artikel von 20 Minuten Online).

Gift im Vakzin?

Nicht nur Hühnereiweiss-Allergiker machen sich ob der Inhaltsstoffe des AH1N1-Impfstoffes Sorgen: Quecksilber soll darin enthalten sein – pures Gift.
«Solche Impfstoffe enthalten schon seit ca. 30 bis 40 Jahren Quecksilber als Konservierungsmittel», entschärft der Experte. Beim Arbeiten mit Eiern sei sonst die Gefahr einer Verunreinigung durch Erreger einfach zu gross. Immerhin, die Dosen sind relativ gering: Das im Impfstoff enthaltene Natriumsalz bestehe zwar zu einem grossen Teil aus Quecksilber, dieses lasse sich aber Spezialisten zufolge schneller vom Körper abbauen als Quecksilber, welches normalerweise über die Nahrung aufgenommen wird.

Damit sind zwar noch längst nicht alle Zweifel und Bedenken rund um die AH1N1-Vakzine ausgeräumt, doch Fakt ist: Jedem bleibt selbst überlassen, ob er sich piksen lassen möchte oder nicht.