Anpassung

06. März 2020 09:17; Akt: 06.03.2020 09:17 Print

Was passiert, wenn das Coronavirus mutiert?

Meldungen, wonach das Coronavirus bereits mutiert sei, haben einige Leser sehr beunruhigt. Doch machen diese Mutationen das Virus gefährlicher?

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Mit dem Coronavirus sind viele wenig geläufige Begriffe Teil unseres Alltagsvokabulars geworden. Das steckt dahinter. Um sich vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus zu schützen, setzen viele Menschen auf Masken, wobei man zwischen Hygiene- und Atemschutzmasken unterscheiden muss. Die einfachen (Bild) sind nach zwei bis drei Stunden durchgefeuchtet. Daher müssen sie dann spätestens ausgetauscht werden. Nur so können sie leisten, wofür sie gedacht sind: die Übertragung von Erregern durch Sekrettröpfchen zu verhindern. Schutz für den Träger bieten sie jedoch nicht. Anders . Je nach FFP-Schutzklasse schützen sie vor ungiftigen Stäuben (FFP1), vor giftigen Stäuben (FFP2) oder vor giftigen und gesundheitsschädlichen Stäuben, Rauch und Aerosol (FFP3). Um sich vor dem Virus Sars-Cov-2 zu schützen, wird zu FFP3 geraten. Momentan sind die Masken fast überall ausverkauft. Bei Sars-Cov-2 (Bild) handelt es sich um ein Virus, nicht um ein Bakterium. Der Unterschied? Während Bakterien Einzeller mit eigenem Stoffwechsel sind, die sich selbst reproduzieren können, bestehen Viren nur aus einer Eiweisshülle, in der sie ihre Erbsubstanz aufbewahren. Um sich zu vermehren, sind sie auf einen Wirt (Zellen) angewiesen. Unterscheide gibt es auch hinsichtlich der Behandlung: Gegen Bakterien verwendet man Antibiotika, die die Zellwand zerstören oder die Vermehrung hemmen. Gegen Viren werden spezielle Medikamente, sogenannte Virostatika eingesetzt, die das Eindringen des Virus in einen Wirt verhindern oder das Erbgut des Virus zerstören. (Im Bild:Sars-Cov-2-Partikel) Ersteres beschreibt den Moment der Ansteckung, in dem der Erreger in den Organismus eindringt und diesen im Folgenden stört. Das verrät auch der lateinische Ursprung. Das Wort «infectio» bedeutet so viel wie Beeinflussung und Verunreinigung. Die Inkubation (von lateinisch «incubatio») beschreibt dagegen die Zeit, die zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome vergeht. Während dieser vermehren sich die Keime und die Erkrankung etabliert sich im Körper. Bei Covid-19 geht man von einer Inkubationzeit von bis zu 14 Tagen aus. In seltenen Fällen kann sie aber auch bis zu 24 Tage dauern. Der lateinische Ursprung ist auch die Erklärung dafür, warum es beispielsweise infizieren heisst und nicht infiszieren, wie häufig zu hören ist. Auch heisst es Desinfektion und nicht Desinfikation. Bei ersterem handelt es sich um ein Anzeichen einer Krankheit. Das heisst um eine für eine bestimmte Krankheit charakteristische Erscheinung. Der Ausdruck stammt vom Griechischen «sýmptma», was so viel wie «vorübergehende Eigentümlichkeit» bedeutet. Auch der Begriff Syndrom stammt aus dem Griechischen. Konkret vom Ausdruck «syndrom», der so viel wie «zusammenlaufen» bedeutet. Und tatsächlich beschreibt ein Syndrom exakt das: ein Krankheitsbild, das sich aus dem Zusammenkommen von verschiedenen Symptomen ergibt. Ersteres beschreibt eine zeitlich und örtlich in besonders starkem Masse auftretende und ansteckende Erkrankung. Darunter fällt etwa Bei einer Pandemie handelt es sich dagegen um eine Epidemie besonders grossen Ausmasses, die ganze Landstriche und Länder erfasst. Ihre Bezeichnung stammt aus dem Griechischen von «pan» für «alle, jeder» und «demos» für «Volk». (Im Bild: Spanische Grippe, die von 1918 bis 1920 grassierte) Heisst es nun ? Erlaubt ist beides: Ein Virus kann sowohl neutrum als maskulin sein. Allerdings empfiehlt der Duden den sächlichen Artikel. Der Ausdruck Virus stammt aus dem Lateinischen, wo «virus» so viel wie «natürliche zähe Feuchtigkeit, Schleim, Saft» heisst. Beim kommt es auf die Kombination von Einseifen, Reiben, Abspülen und Trocknen an, sonst bringt es nichts. Das heisst: Die Hände nass machen, dann einseifen. Am besten mit Flüssigseife. Die Hände reiben, bis es schäumt. Dabei Handrücken, Fingerzwischenräume, Fingernägel und die Handgelenke nicht vergessen. Anschliessend gut abtrocknen. Es heisst und nicht Karantäne, wie manch einer schreibt. Der Begriff leitet sich vom französischen Wort «quarantaine» ab, was eine Zeitspanne von 40 Tagen bezeichnet. So lange dauerte früher die Hafensperre für Schiffe mit seuchenverdächtigen Personen.

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Am Freitag hat der Leiter des Biomedizinischen Forschungsinstituts am Sacco-Spital in Mailand, Massimo Galli, erklärt, dass das Sars-CoV-2 mutiert sei, seit es im Januar nach Italien kam. Am Montag berichtete dann Globo.com, dass in Brasilien zwei Viren mit unterschiedlichem genetischen Code nachgewiesen wurden. Diese und andere Meldungen über Mutationen beim neuen Coronavirus mögen den einen oder anderen verunsichern. Doch was bedeuten diese Mutationen eigentlich?

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Grundsätzlich kann gesagt werden, dass die Mutationsrate von Sars-CoV-2 vergleichbar ist mit der anderer Coronaviren, wie etwa jener, die Mers (Nahost-Atemwegssyndrom) und Sars (schweres akutes Atemwegssyndrom) auslösen. Hingegen gebe es andere RNA-Viren, die eine höhere Mutationsrate hätten, sagt Richard Neher, Leiter einer Forschungsgruppe am Biozentrum der Universität Basel und Experte für die Evolution und Verbreitung von Viren.

Bei RNA-Viren besteht das Erbmaterial (Genom) aus RNA (Ribonukleinsäure), was dazu führt, dass sie eine höhere Mutationsrate haben als Viren, deren Erbmaterial aus DNA besteht. Zu den RNA-Viren gehören neben den Coronaviren unter anderem auch Grippeviren oder das Ebolavirus.

Virenstränge sind sich sehr ähnlich

Dass das neue Coronavirus mutiert, ist also ganz normal, etwa bei der Übertragung von Mensch zu Mensch, wie der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité zu Spiegel.de sagte. «Es kommt zu sogenannten Anpassungsmutationen», so Drosten. Doch diese Mutationen sind minim.

Zu den von Galli in Italien festgestellten Mutationen sagt Neher, dass diese aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bemerkenswert seien. «Das Virus aus Italien ist anderen Sars-CoV-2-Strängen sehr ähnlich und es gibt keine Anhaltspunkte, dass sich das Virus in seinen Eigenschaften verändert hat.»

Wie stark ein Virus mutiert, hat einen Einfluss darauf, ob ein allfälliger Impfstoff wirkt oder nicht. Da etwa Grippeviren sehr stark mutieren, muss für jede Grippesaison eine neue Wirkstoffkombination für die Grippeimpfung entwickelt werden. Für das neue Coronavirus gibt es derzeit noch keinen Impfstoff, es dürfte noch viele Monate dauern, bis ein solcher auf den Markt kommt.

Mutation zum Guten möglich

Auf die Wirkung eines allfälligen Impfstoffs dürfte die aktuelle Mutationsrate von Sars-CoV-2 keinen Einfluss haben. Denn die Viren in verschiedenen Teilen der Welt seien sich nach wie vor sehr ähnlich, sagt Neher. Sie würden sich meist in weniger als 10 Basen unterscheiden bei einer Gesamtzahl von fast 30'000 Basen. Die Basen sind die Bestandteile in der RNA, in deren Reihenfolge die Erbinformation der Viren gespeichert sind und die für deren Eigenschaften verantwortlich sind.

Wenn ein Virus mutiert, muss das im Übrigen nicht zwingend seine Gefährlichkeit erhöhen. Es kann sogar genau das Gegenteil bewirken, wie der Virologe Droste sagt. Manchmal könnten Viren im Rahmen der Anpassung ihre Fähigkeit, krank zu machen, sogar abschwächen.

Für ein Virus kann eine solche Abschwächung durchaus Sinn ergeben, denn ein Virus will sich so weit wie möglich verbreiten. Tötet es seinen Wirt, erreicht es dieses Ziel deutlich schlechter, als wenn der Wirt weiterlebt und das Virus verteilt. Neher glaubt allerdings nicht, dass sich das Virus in dieser Hinsicht bereits verändert hat.


Wichtig: So wäscht oder desinfiziert man sich die Hände richtig. (Video: SDA)

(jcg)